Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Böser Zwilling eines Hoffnungsträgers - Krebsstammzellen als möglicher Angriffspunkt bei Leukämie

14.11.2006
Stammzellen könnten dank ihres nahezu unerschöpflichen Potentials zur Erneuerung und Differenzierung bei der Therapie degenerativer Krankheiten helfen - solange sie dabei streng kontrolliert werden.

Denn mutierte Stammzellen oder Zellen mit ähnlichen Eigenschaften lassen einige, wenn nicht sogar alle bösartigen Tumoren entstehen und oft nach scheinbar erfolgreicher Therapie wiederkehren.

Ein internationales Team um Privatdozent Dr. Christian Buske an der Medizinischen Klinik III am Klinikum der Universität München, konnte jetzt bei Mäusen mit Leukämie solche "Krebsstammzellen" identifizieren. Wie in der aktuellen Ausgabe von "Cancer Cell" berichtet, fanden die Forscher in dem Mausmodell zudem an der Oberfläche der Leukämiestammzellen spezifische Moleküle und andere Charakteristika, die bei gesunden, Blut bildenden Stammzellen nicht vorkommen. Diese auch bei menschlichen Leukämie-Patienten vorkommenden Strukturen könnten möglicherweise als Angriffsziel einer hoch selektiven Therapie genutzt werden.

Stammzellen sind undifferenzierte Zellen, die sich in alle Zelltypen des Körpers entwickeln können. Teilen sie sich, so entstehen jeweils eine neue Stammzelle und ein Vorläufer des benötigten Zelltyps. Ihre besonderen Fähigkeiten erlauben Stammzellen unter anderem, beschädigtes oder zerstörtes Gewebe im Körper zu ersetzen. Seit einigen Jahren aber häufen sich die Hinweise, dass genetisch veränderte Stammzellen auch bei Krebs eine wichtige Rolle spielen. Bei einigen Krebsarten wurden bereits so genannte Krebsstammzellen als Auslöser und Mittler der Erkrankung identifiziert.

Dies trifft beispielsweise auf bestimmte Leukämiearten zu. Bei diesen Leiden konnte gezeigt werden, dass krankhaft veränderte Blutstammzellen für die Entstehung des Blutkrebses verantwortlich sind. Manche Forscher vermuten sogar, dass derartige Zellen oder auch mutierte Stammzellen für die Entstehung aller bösartigen Tumoren essentiell sind. Die Krebsstammzellen wären dabei nur ein vergleichsweise kleiner, aber entscheidender Teil der Geschwulste, da sie für das Krebswachstum hauptverantwortlich wären.

Krebstherapien zielen bislang vor allem darauf ab, so viele Tumorzellen wie möglich zu vernichten - oft auch mit großem Erfolg. Krebsstammzellen jedoch entgehen in vielen Fällen den gängigen Behandlungen, weil sie über besondere Mechanismen der Entgiftung verfügen. Angesichts ihrer wichtigen Rolle bei Krebserkrankungen hängt eine vollständige Heilung vermutlich aber von der Eliminierung der Krebsstammzellen ab. Für eine zielgerichtete und hoch selektive Attacke ist zunächst nötig, Charakteristika der Krebsstammzellen zu finden, die diese von allen anderen Zellen unterscheiden. Bei einer Leukämietherapie beispielsweise müssen die gesunden, Blut bildenden Stammzellen möglichst geschont werden, damit die Therapie für die Patienten verträglich ist. Buske und sein Team arbeiten an Mäusen mit akuter myeloischer Leukämie, einer besonders häufigen Form des Blutkrebses. Sie erzeugten die Krankheit bei den Tieren, indem sie in Blutstammzellen der Mäuse eine genetische Veränderung, das CALM-AF10-Fusionsgen einbrachten, das auch bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie beobachtet wird.

Die Forscher konnten dann Krebsstammzellen identifizieren, die für die Entstehung der akuten myeloischen Leukämie verantwortlich sind. Interessanterweise gelang es dem Team um Buske, Charakteristika auf den Krebsstammzellen nachzuweisen, die bei gesunden Stammzellen nicht gefunden werden. So trugen sie das Molekül B220 an der Oberfläche, das etwa bei den sonst sehr ähnlichen, gesunden Blut-Stammzellen nicht vorkommt. Die Zellen ließen sich im Versuch durch eine Therapie mit Antikörpern entfernen, die B220 erkannten und damit gesunde Blutstammzellen nicht beeinträchtigten. Auch Patienten mit demselben Typ der CALM-AF10-positiven akuten Leukämie zeigten dieselben Oberflächeneigenschaften mit dem B220 entsprechenden Molekül auf ihren Leukämiezellen. Die neuen Ergebnisse könnten jetzt einen Ansatz bieten für eine effektivere, zielgerichtete und schonende Therapie, die Antikörper einsetzt, um die Krebsstammzellen selektiv und dauerhaft zu vernichten.

Publikation:
"Acute myeloid leukemia is propagated by a leukemic stem cell with lymphoid characteristics in a mouse model of Calm/AF10 positive leukemia", Aniruddha J. Deshpande, Monica Cusan, Vijay P. S. Rawat, Hendrik Reuter, Alexandre Krause, Christiane Pott, Leticia Quintanilla-Martinez, Purvi Kakadia, Florian Kuchenbauer, Farid Ahmed, Eric Delabesse, Meinhard Hahn, Peter Lichter, Michael Kneba, Wolfgang Hiddemann, Elizabeth Macintyre, Cristina Mecucci, Wolf-Dieter Ludwig, R. Keith Humphries, Stefan K. Bohlander, Michaela Feuring-Buske, Christian Buske, Cancer Cell, 13. November 2006
Ansprechpartner:
PD Dr. Christian Buske
Medizinische Klinik III am Klinikum der LMU
Tel.: 089 / 7095-3017
E-Mail: christian.buske@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Berichte zu: B220 Blutstammzelle Krebsstammzelle Leukämie Molekül Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Form eine Funktion verleihen

23.06.2017 | Informationstechnologie

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms

23.06.2017 | Förderungen Preise