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Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen stabilisiert sich auf hohem Niveau

31.10.2006
Mit 1.197 neu diagnostizierten HIV-Infektionen im ersten Halbjahr 2006 stabilisiert sich die Zahl der HIV-Neudiagnosen auf dem hohen Niveau der beiden vorangegangenen Halbjahre 2005 (1.254 bzw. 1.232 HIV).

Die Zahl der Neudiagnosen liegt damit zwar circa 50 Prozent höher als in den Jahren 1999 bis 2001, in denen der bisherige Tiefpunkt der Neudiagnosezahlen erreicht worden war, steigt aber derzeit nicht weiter an.

"Das zeigt, dass hohe Meldebereitschaft, differenzierte Datenanalysen und zielgruppengenaue Aufklärung nach wie vor unverzichtbar sind", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts. Der neue Halbjahresbericht mit umfangreichen Daten zu HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen ist am 31.10.2006 im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts veröffentlicht worden und auf den RKI-Internetseiten abrufbar (www.rki.de).

Männer, die Sex mit Männern haben, stellen mit 62 % der Neudiagnosen die größte Gruppe. Personen, die ihre HIV-Infektion durch heterosexuelle Kontakte erworben haben und nicht aus Ländern mit hohen HIV-Raten stammen (Hochprävalenzländer) stellen mit 17 % die zweitgrößte Betroffenengruppe. Die meisten dieser Infektionen fanden in Deutschland statt. Bei den heterosexuellen Männern, die sich im Ausland angesteckt haben (33 %), wurden als Infektionsregionen in erster Linie Südostasien und am zweithäufigsten Subsahara-Afrika genannt, während sich die im Ausland infizierten Frauen (19 %) überwiegend in Subsahara-Afrika infiziert haben.

Erfreulicherweise waren unter den sieben entdeckten Mutter-Kind-Übertragungen keine, die auf eine fehlende Testung der Mutter in einer Schwangerschaft in Deutschland seit Anfang 2005 zurückzuführen wäre. Anfang 2005 hatte das Robert Koch-Institut in einem Schreiben an alle niedergelassenen Frauenärzte in Deutschland darauf hingewiesen, dass allen Schwangeren ein HIV-Test im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen empfohlen werden sollte.

Die Gesamtzahl der seit Beginn der Epidemie an das AIDS-Fallregister am RKI berichteten am Vollbild AIDS erkrankten Personen steigt auf 24.620. Es gibt jedoch erhebliche regionale Unterschiede bei der Vollständigkeit der Meldung von AIDS-Erkrankungen. Da die Erfassung von AIDS-Fällen und Todesfällen bei HIV-Infizierten wertvolle Hinweise auf Probleme in der klinischen Versorgung geben kann, sollten alle in der Versorgung von HIV- und AIDS-Patienten tätigen Ärzte AIDS-Fälle und Todesfälle bei HIV-Infizierten an das (freiwillige) AIDS-Fallregister am Robert Koch-Institut melden.

Wird eine HIV-Infektion nicht rechtzeitig beim Auftreten gesundheitlicher Probleme diagnostiziert, kann sich der klinische Zustand der Patienten so weit verschlechtern, dass eine dann schließlich nach erfolgter HIV-Diagnose eingeleitete Behandlung zu spät beginnt und der Tod des Patienten damit nicht mehr verhindert werden kann. Die Analyse zeigt, dass etwa ein Drittel der Todesfälle möglicherweise auf das zu späte Erkennen einer HIV-Infektion zurückzuführen sind.

Susanne Glasmacher | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de

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