Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blutfettsenker bei Knochenschwund?

08.01.2001


Weltweit etwa 100 Millionen Menschen leiden an Knochenschwund. Besonders betroffen von dem als Osteoporose bezeichneten Krankheitsbild sind Frauen jenseits der Wechseljahre. Eine neue Behandlungsmöglichkeit
untersuchen derzeit Frauenärzte am Universitätsklinikum Münster. Im Rahmen einer bundesweiten multizentrischen Studie gehen sie der Frage nach, ob bestimmte, häufig verschriebene Blutfettsenker, die eigentlich im Kampf gegen den Infarkt eingesetzt werden, auch bei Osteoporose zu empfehlen sind. Frauen im Alter zwischen 55 und 75 Jahren, die noch nicht gegen Knochenschwund behandelt werden und an der Studie teilnehmen möchten, sollten sich unter Tel. 0251/83 4 8269 mit der Universitäts-Frauenklinik Münster in Verbindung setzen.

"Erste Untersuchungsergebnisse lassen hoffen, dass die Medikamente unter anderem knochenbildend wirken", betont Prof. Dr. Ludwig Kiesel, kommissarischer Direktor der Frauenklinik. Fragen hinsichtlich der genauen Wirksamkeit und der Dosierung, so Kiesel, müssten jetzt in einer kontrollierten Studie geklärt werden. Eine Gruppe der Frauen, die an dieser Studie teilnehmen, wird also nur ein Scheinmedikament bekommen. Alle Frauen erhalten aber eine Basistherapie.

Die Entdeckung des positiven Einflusses der Blutfettsenker auf die Knochenbildung war ein Zufall: Ein Forscherteam in Texas hatte 30.000 Wirkstoffe untersucht, um ein Gen zu aktivieren, das die Knochenbildung ankurbelt. Dabei zeigte sich im Labor, dass die sogenannten Statine, die heute zur Therapie hoher Cholesterinspiegel eingesetzt werden, knochenbildende Zellen anregen. Versuche mit Ratten und Mäusen zeigten, dass Statine bei ihnen das Knochenwachstum fördern.

Nach der Veröffentlichung dieser Ergebnisse im US-Fachblatt "Science" wurde die Wirkung der Blutfettsenker auf menschliche Knochen in zwei klinischen Studien überprüft. Untersuchungen bei britischen Frauen nach den Wechseljahren, die Blutfettsenker erhielten, haben gezeigt, dass die Knochendichte bei ihnen klar erhöht war.

Eine Osteoporose zeichnet sich dadurch aus, dass die Knochen Mineralien wie Phosphor und Kalzium verlieren und das knöcherne
Gerüst schwindet. Die Knochen werden porös und brüchig. Zur Vorbeugung gegen Osteoporose wird betroffenen Frauen oft Östrogen verschrieben, da ohne dieses Hormon jährlich bis zu drei Prozent der Knochenmasse schwindet. Generell empfohlen werden Gymnastik und kalziumreiche Kost und als Basistherapie Kalzium und Vitamin D3. Um den Knochenschwund zu stoppen, werden derzeit meistens Biphosphate eingesetzt. Mit den Blutfettsenkern könnte sich eine vielversprechende neue Behandlungsmöglichkeit auftun.

Jutta Reising | idw

Weitere Berichte zu: Blutfettsenker Knochenschwund Osteoporose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Das Blut zum Sprechen bringen: Bauchspeicheldrüsenkrebs früh erkennen
21.09.2016 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Alzheimer: Zellulärer Mechanismus liefert Erklärungsmodell für den Abbau der Gedächtnisleistung
20.09.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Im Focus: Künstliche Intelligenz ermöglicht die Entdeckung neuer Materialien

Mit Methoden der künstlichen Intelligenz haben Chemiker der Universität Basel die Eigenschaften von rund 2 Millionen Kristallen berechnet, die aus vier verschiedenen chemischen Elementen zusammengesetzt sind. Dabei konnten die Forscher 90 bisher unbekannte Kristalle identifizieren, die thermodynamisch stabil sind und als neuartige Werkstoffe in Betracht kommen. Das berichten sie in der Fachzeitschrift «Physical Review Letters».

Elpasolith ist ein glasiges, transparentes, glänzendes und weiches Mineral mit kubischer Kristallstruktur. Erstmals entdeckt im El Paso County (USA), kann man...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einsteins Geburtsstadt wird für eine Woche Hauptstadt der Physik

23.09.2016 | Veranstaltungen

Industrie und Wissenschaft diskutieren künftigen Mobilfunk-Standard 5G auf Tagung in Kassel

23.09.2016 | Veranstaltungen

Fachgespräch Feste Biomasse diskutiert Fragen zum Thema "Qualitätshackschnitzel"

23.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Korallenthermometer muss neu justiert werden

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Doppel-Infektion macht Erreger aggressiver

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie