Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Charité: Bessere Überwachung des Kindes während der Entbindung - Innovatives Gerät erkennt Sauerstoff

19.01.2001


... mehr zu:
»STAN »Sauerstoffnot
An der Charité, wo in der "Klinik für Geburtsmedizin", (Direktor: Professor Dr. Joachim Dudenhausen) jährlich rund 3500 Babies zur Welt kommen, ist eine innovative Technik in Erprobung, die der Hebamme bzw. dem
Geburtshelfer rechtszeitig anzeigt, wenn ein Kind im Laufe des Geburtsvorganges in Sauerstoffmangelsituationen gerät.
Sauerstoffmangel unter der Geburt kann zu Lähmungen, geistiger Behinderung und sogar zum Tod des Kindes führen. Zur Zeit geraten in Deutschland bei rund 800 000 Geburten im Jahr immer noch 12 von 1000 Kinder in Sauerstoffnot. Fünf von 1000 Kindern sterben daran. Bisher wird die Kontrolle der Sauerstoffversorgung des Ungeborenen während der Entbindung durch Aufzeichnung der Herztöne und durch wiederholte Messung der Blutgase (ph-Wert, Sauerstoff und Kohlendioxyd) überwacht. Dazu bedarf es aber immer einer Entnahme von Blut, wenn auch in winzigen Mengen aus der Kopfhaut, bzw. dem Steiß des Kindes.

Das neue Überwachungssystem ist mit dem seit langem im Einsatz befindlichen Kardiotokographiegerät (zur Registrierung von Wehen der Mutter und der kindlichen Herztöne) gekoppelt. Auf einem Monitor kann parallel zur Aufzeichnung des Wehenverlaufs die elektrische Herzaktion (das Elektrokardiogramm, EKG) des Feten abgelesen werden. Die Innovation besteht vor allem darin, auf einen bestimmten Teil des EKGs, die sogenannte ST-Strecke, automatisch und kontinuierlich aufmerksam zu machen und in Relation zur gesamten elektrischen Herzaktion zu setzen. Die ST-Strecke sagt nämlich etwas aus über die Sauerstoffversorgung des kindlichen Herzens: Steigt die Amplitude ihrer Wellenform an, so ist daraus zu schließen, dass das Kind in Sauerstoffnot geraten ist, die aber der Herzmuskel (durch Umstellung auf den sogenannten anaeroben Stoffwechsel) noch kompensieren kann. Sinkt dagegen die ST-Kurve deutlich unter das normale Niveau ab, so ist dies ein Zeichen dafür, dass das Kind nicht mehr mit dem Sauerstoffangebot auskommt. Dann müssen Maßnahmen getroffen werden, die (etwa durch Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt) schnellstmöglich zur Entbindung führen.

Das Überwachungssystem (STAN S-21 = ST-Strecken-Analyse-System 21) der Firma "Neoventa Medical" ist in jahrelanger Arbeit von schwedischen und britischen Forschern entwickelt worden. Die Charité ist als erster Einsatzort in Deutschland ausgewählt worden. Nach und nach sollen aber weitere fünf bis sieben deutsche Kliniken ebenfalls mit dem System ausgerüstet und in seiner Handhabung geschult werden. Für Europa sind zunächst insgesamt 25 und in den USA 15 Geräte vorgesehen. Ihr Einsatz bei der Geburtsüberwachung wird (in Studien) wissenschaftlich begleitet.
In England und Schweden haben bisher zwei solche Studien mit zusammen nahezu 7000 Geburten ergeben, dass sich durch den Einsatz von STAN S-21 die Häufigkeit der operativen Entbindung (Kaiserschnitt) nahezu halbieren ließ und die Geburt von Kindern mit Sauerstoffmangel, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten, um 75 % zurückging.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: STAN Sauerstoffnot

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie