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Freiburger Klinik-Modell bundesweit einmalig

06.03.2001


Spezielles Supervisionsangebot für Krankenschwestern und Krankenpfleger im Universitätsklinikum Freiburg

Anderen Menschen durch die Arbeit in Krankenhäusern, beim Katastrophenschutz oder bei anderen Rettungs- und Hilfsdiensten beizustehen, das gehört für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Arbeitsalltag. Auch am Freiburger Universitätsklinikum, einem Krankenhaus der Maximalversorgung, arbeiten mehrere tausend Frauen und Männer, um Kranke und Hilfsbedürftige optimal zu versorgen. Die 2.800 Krankenschwestern und Krankenpfleger stellen neben den 1.000 Ärztinnen und Ärzten die größte Berufsgruppe am Universitätsklinikum Freiburg dar. Sie alle versorgen jährlich etwa 50.000 Patienten stationär und fast 380.000 ambulant. Manchmal benötigen diese Helferinnen und Helfer bei ihrer anspruchsvollen Arbeit psychologische Beratung. Um die Krankenschwestern und -pfleger im Arbeitsalltag zu unterstützen, wurde vom Klinikumsvorstand eigens ein Supervisionsdienst für Pflegepersonal und Stationsteams eingerichtet.

Dieses Freiburger Modell, das in dieser Form bundesweit einzigartig ist und inzwischen weit über das Universitätsklinikum hinaus vielfältige Beachtung findet, ist seit 1989 an der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin, Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Michael Wirsching, angesiedelt. Verantwortlich dafür sind die Pflegedirektorin, Beate Buchstor, sowie die Leiterin des Supervisionsdienstes, Dipl. Psych. Andrea Wittich. Ziel der Supervision für Pflegende und Stationsteams sind die Hilfe zur Bewältigung und Reduzierung berufsbedingter Belastungen sowie die Verbesserung von Arbeitszufriedenheit, Motivation und Leistungsfähigkeit. Damit leistet das Supervisionsangebot einen wesentlichen Beitrag zu einer qualitativ hochwertigen Versorgung der Patienten am Freiburger Universitätsklinikum: Seit 1989 wurden in nahezu allen Abteilungen des Klinikums über 160 Supervisionsgruppen mit insgesamt 1500 Sitzungen durchgeführt. Dazu kommen bei Bedarf kurzfristige Krisenberatungen und die Supervision von Krankenschwestern und Krankenpflegern in leitenden Positionen.

Jede Station hat Anspruch auf zunächst zehn Supervisionssitzungen, die auf die Dienstzeit angerechnet werden und für die Teilnehmenden freiwillig und kostenlos sind. Genutzt wird dieses Forum meist dazu, um emotionale Belastungen im Umgang mit Patienten, Fragen der Zusammenarbeit innerhalb des Pflegeteams, Konflikte zwischen den Berufsgruppen und Fragen der Arbeitsorganisation zu klären.

Im letzten Jahr schlossen Buchstor und Wittich eine Studie ab, in deren Rahmen insgesamt 902 Pflegekräfte des Freiburger Universitätsklinikums befragt wurden. Sie wollen wissen, wie die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Arbeitsbelastungen empfinden und wie sie den Nutzen von diesem Supervisionsangebot einschätzen. Angeschrieben wurden Krankenschwestern und -pfleger von allen Stationen, die seit der Einrichtung des Dienstes eine Supervision in Anspruch genommen hatten. Insgesamt antworteten 607 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, also 64 Prozent, eine sehr positive Rücklaufquote für eine anonyme Befragung.

Die Arbeitsbelastungen auf den Station werden von den Pflegenden mit und ohne Supervision ähnlich eingeschätzt. Dabei werden zuerst solche Belastungen beklagt, die nicht mit Hilfe einer Supervision zu verändern sind, vor allem ein hoher Arbeitsanfall, der mit zu wenig Personal bewältigt werden muss. Weitere Belastungen können sich ergeben, wenn Konflikte innerhalb des Pflegeteams vorhanden sind, die Zusammenarbeit mit Ärzten und Ärztinnen verbesserungsfähig ist oder der Umgang mit schwer kranken oder sterbenden Patientinnen und Patienten belastend ist. Diese Themen werden regelmäßig in der Supervision besprochen und können meistens geklärt werden.

Die meisten Pflegenden, die selbst bereits Erfahrung mit Supervision gemacht haben, halten die Gruppen zur Vermeidung und Überwindung arbeitsbedingter psychischer Belastungen deshalb für effektiv, vor allem hinsichtlich Teamintegration und dem Erwerb psychosozialer Kompetenzen im Umgang mit Patienten. In ihrer Gesamteinschätzung haben 61 Prozent der Teilnehmenden "viel" oder "sehr viel", weitere 27 v.H. mindestens "etwas" durch die Supervision profitiert. Ein zukünftiges Angebot zur Stationsteamsupervision wollen 78 Prozent der ehemaligen Teilnehmer gerne wieder annehmen, 13 v.H. sind unentschieden und neun Prozent möchten keine Supervision mehr in Anspruch nehmen.

Anhand der Befragung lässt sich zeigen, dass die Bereitschaft, an einer Supervision teilzunehmen, von zweierlei abhängt: einerseits von den wahrgenommenen Schwierigkeiten auf Station - je mehr Probleme, desto eher sind die Mitarbeiterinnen zu einer Supervision bereit. Andererseits beeinflussen natürlich die Erwartungen, die mit einer Supervision verknüpft werden, die Bereitschaft daran teilzunehmen. Hier können Angehörige aller im Krankenhaus tätigen Berufsgruppen Einfluss nehmen: Wenn der Eindruck aufkommt, dass auf einer Station Schwierigkeiten vorliegen, die sich auf Arbeitszufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter auswirken, sollte das auf das Angebot einer Stationsteamsupervision hingewiesen und eine Supervisionsarbeit zur Konfliktlösung und -prävention in Anspruch genommen werden.


Kontakt:

Dipl. Psych. Andrea Wittich
Supervisionsdienst am Klinikum
Abteilung Pychosomatik und Psychotherapeutische Medizin
Hauptstrasse 8
79104 Freiburg
Tel. 0761/270-6836 (AB), E-Mail: wittich@psysom.ukl.uni-freiburg.de

Leiter Kommunikation und Presse Rudolf-Werner Dreier | idw

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