Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Schnelltest für Raucherinnen soll Risiko des plötzlichen Kindstods verringern

25.01.2002



Methode der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Ruhr-Universität Bochum will Gefahren deutlich vor Augen führen - DBU fördert

... mehr zu:
»Kindstod

Wenn der Test, an dem der Bochumer Klinik-Kinderarzt Dr. Thomas Nüßlein arbeitet, allgemein verfügbar werden sollte, werden zukünftig die Chancen für Babys steigen, dem plötzlichen Kindstod zu entgehen. Ähnlich wie bei einem Cholesterin-Test könnten Schwangere exakt, schnell und ohne apparativen Aufwand anhand konkreter Zahlen selbst feststellen, wie stark sie Tabakrauch ausgesetzt sind, um dann noch rechtzeitig gegenzusteuern. Denn Aktiv-, aber auch Passivrauchen der Mutter in der Schwangerschaft stellt für den Säugling einen wichtigen Risikofaktor dar, den plötzlichen Kindstod zu erleiden. Ein hoher Wert könnte die Mutter motivieren, ihren eigenen Tabakkonsum zu verringern, aber auch darauf zu achten, dass ihre Umgebung vermehrt Rücksicht nimmt. Gefördert wird das Projekt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Ruhr-Universität Bochum mit 100.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück.

Häufige Todesursache


Eins von 1.000 lebend geborenen Babys sterbe in Deutschland am plötzlichen Kindstod, erläutert Dr. Nüßlein. Damit sei diese Todesursache als "häufig" einzustufen. Neben anderen äußeren Faktoren wie dem Schlafen des Säuglings in Bauchlage, der Überwärmung des Kinds im Kinderbett und der Tatsache, dass die Mutter nicht stille, stelle der Tabakkonsum einen wesentlichen Faktor dar. Nüßlein: "Die herausragende Bedeutung des Risikofaktors Tabakrauch ist unumstritten."

Lungenkrebsrate bei jungen Frauen in zehn Jahren verdoppelt

Dabei nehme aber der Zigarettenkonsum gerade bei jungen Frauen eher zu. Die Lungenkrebsrate habe sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Die Beziehung zwischen mütterlichem Rauchen und gehäuftem Auftreten des plötzlichen Kindstods sei wissenschaftlich nachgewiesen. Nach erfolgreicher Vermeidung anderer Risikofaktoren seien bis zu zwei Drittel aller Fälle von plötzlichem Kindstod auf den Tabakkonsum der Eltern zurück zu führen. Andere Experten bezeichneten das Rauchen sogar als einzigen noch vermeidbaren Risikofaktor.

Objektive Messergebnisse wichtig

Wichtig sei es, Methoden zu entwickeln, die objektiv belegten, wie stark das ungeborene Kind in den ersten Schwangerschaftsmonaten den negativen Folgen des Tabakkonsums ausgesetzt gewesen sei. Versuche, diese Fakten etwa durch Befragung zu ermitteln, führten in aller Regel nicht zum Erfolg. Selbst bei guter Kooperationsbereitschaft der schwangeren Frauen passten die Angaben selten zum tatsächlichen Konsum. Nüßlein: "Es ist wahrscheinlich ein gewisser Selbstschutz-Mechanismus, die tägliche Zigarettenzahl eher geringer einzuschätzen als es den Tatsachen entspricht."

Einfache Untersuchungsmethode

Cotinin als Stoffwechselprodukt des Nikotin eigne sich besonders als Maßeinheit für den Tabakkonsum und ermögliche vor allem durch eine einfache Untersuchung des Urins eine Aussage über das Rauchverhalten. Auch im "Kindspech", dem ersten nach Geburt ausgeschiedenen Darminhalt des Neugeborenen, lasse es sich nachweisen. Untersuchungen an 300 Neugeborenen hätten bewiesen, dass sich durch die Höhe der Cotinin-Konzentration im "Kindspech" gesundheitliche Probleme des Säuglings im ersten Jahr deutlich besser voraussagen ließen, als dies durch Angaben der Eltern zum Rauchverhalten in der Schwangerschaft möglich sei.

Gefahren und Fehlentwicklungen entgegen wirken

Zwar existierten bereits Untersuchungsmethoden zur Messung des Nikotins und seiner Abbauprodukte, doch seien diese apparativ aufwändig, teuer, zeitintensiv, teilweise unzuverlässig und nicht dezentral durchzuführen. Das Gegenteil sei bei dem neuen Schnelltest der Fall, der wie ein Cholesterin-Test in Apotheken von den Schwangeren selbst, aber auch von Ärzten und Hebammen eingesetzt werden könne. So könne Frauen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten durch eine Cotinin-Messung gezeigt werden, wie stark ihr Kind durch das mütterliche Aktiv- und Passivrauchen gefährdet sei. Das wirke sicher besser als Appelle, die gerade bei starker Tabakgewöhnung nur selten auf fruchtbaren Boden fielen, so Nüßlein. Wenn der Zigarettenkonsum aber frühzeitig in der Schwangerschaft eingestellt werde, könnte nicht nur das Risiko des plötzlichen Kindstods verringert werden. Es könnten auch durch fortgesetztes Rauchen bewirkte Fehlentwicklungen des Ungeborenen - wie eine unterentwickelte Lunge - unter Umständen vermieden werden.

Wirksame Vorsorgemaßnahmen möglich

Durch das Feststellen hoher Cotininwerte direkt nach der Geburt könnten Säuglinge als Risikoneugeborene eingestuft und Vorsorgemaßnahmen wie eine Monitorbeobachtung im ersten Lebensjahr eingeleitet werden. Die Mehrheit der Fälle von plötzlichem Kindstod träten in den ersten sechs Lebensmonaten auf. Nüßlein: "Mit guten Worten ist es nicht getan. Nur durch einen Test mit handfesten Ergebnissen wird es uns gelingen, das Risiko von Neugeborenen zu verringern, am plötzlichen Kindstod zu sterben."

| DBU

Weitere Berichte zu: Kindstod

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs
13.12.2017 | Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften