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Patienten als Partner

24.01.2002


Dauerhaft Medikamente einnehmen, obwohl keine Beschwerden spürbar sind? Dass Patienten unter solchen Umständen der Empfehlung ihres Arztes nur widerwillig folgen, die tägliche Pille öfters "vergessen" oder Gründe suchen, die Behandlung abzubrechen, ist nachvollziehbar. Wer chronisch erhöhten Blutdruck aufweist, schadet sich jedoch langfristig oft unwiderruflich, wenn er das Warnsignal übergeht und die Therapie verweigert. Am Institut für Präventive Medizin, das der Medizinischen Klinik IV der Universität Erlangen-Nürnberg angegliedert ist, wird nun ein Konzept erprobt, das die Eigenverantwortlichkeit anspricht, um das Bündnis von Arzt und Patient gegen die Krankheit zu stärken. Beide sollen partnerschaftlich zu einer Entscheidung finden, wie der Erkrankung zu begegnen ist. Das Modellprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Roland Schmieder wird vom Bundesgesundheitsministerium mit rund 188.000 Euro unterstützt.

Wenn Patienten in die Therapieentscheidungen einbezogen werden sollen, müssen sie Möglichkeiten kennen, die zur Wahl stehen. Akute, schwere Fälle von Bluthochdruck können nicht in die Studie aufgenommen werden. Andere Patienten jedoch sind aufgefordert, sich zu überlegen, ob sie lieber ihr Gewicht reduzieren, salzarm essen, das Rauchen aufgeben und regelmäßig Sport treiben wollen, als auf Pharmaka zurückzugreifen. Wer sich solche Verhaltensänderungen nicht zutraut oder aus anderen Gründen blutdrucksenkende Medikamente einnehmen sollte, kann zwischen verschiedenen, gleich wirksamen Substanzen wählen. Den Ausschlag könnten die Nebenwirkungen geben, die bei längerer Anwendung bekannt sind.

Um Entscheidungen mittragen zu können, müssen die Patienten sich fachkundig machen. Dazu wird eine Schulung für Hypertoniker angeboten, die aus einzelnen Modulen aufgebaut ist. So können individuelle Grundkenntnisse berücksichtigt und Therapiemöglichkeiten für den Einzelfall vorgestellt werden. In intensiven Seminaren von 90 Minuten Dauer findet eine Einführung in wichtige Fragen der Hypertoniebehandlung statt. Die Kompetenz soll damit so weit gefördert werden, dass die Beteiligung an Behandlungsentscheidungen möglich ist. Die teilnehmenden Ärzte absolvieren ein Kommunikationstraining zur partnerschaftlichen Entscheidungsfindung. 50 Praxen aus dem Großraum Nürnberg sollen zur Mitarbeit gewonnen werden und bis zu 300 Patienten in dieser Studie betreuen.

Subjektiv zufriedener, objektiv gesünder?
Das Konzept der Studie geht davon aus, dass Hochdruckpatienten eine Verbesserung in der Beziehung zu ihrem Arzt erleben, wenn sie als Partner behandelt werden und die Therapie mitbestimmen können. Dieses subjektive Empfinden sollte sich in einem objektiv messbaren höheren Erfolg der Behandlung von arteriellem Bluthochdruck widerspiegeln, zum Beispiel in einer besseren Blutdruckeinstellung.

Ob diese Erwartungen sich erfüllen, wird in vier Untersuchungen während der Laufzeit von eineinhalb Jahren anhand objektiver Kriterien kontrolliert. Die Endauswertung erfolgt 18 Monate nach der Aufnahme des letzten Parienten in die Studie. Selbsthilfegruppen von Hypertonikern in Nürnberg und Erlangen, die beteiligten Mediziner und ärztliche Qualitätszirkel, die für die Umsetzung der Ergebnisse entscheidend sind, werden im Fortgang des Projekts laufend konsultiert.

Gertraud Pickel | idw

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