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Einmaliges dreidimensionales Zellkulturmodell mit dem Ziel der besseren Diagnostik und Therapie bei Prostatakrebs

17.10.2006
Auch Interesse aus den USA

Preis für Arbeitsgruppe experimentelle Urologie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) anlässlich der 58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Hamburg.

Mit diesem innovativen dreidimensionalen Modell wachsen die Tumorzellen als mikroskopisch kleine Tumoren in Form von sogenannten Spheroiden - ein höchst interessantes und bedeutendes System zur Untersuchung der Gefäßneubildung (Neoangiogenese), aber auch zum Nachweis der Wirksamkeit neuer Medikamente gezielt an den Tumorzellen einzelner Patienten. Das Modell hat nicht nur auf dem Kongress der DGU für interessante Diskussion gesorgt - auch Wissenschaftler aus den USA haben schon großes Interesse an diesem Modell gezeigt.

"Das von unserer Arbeitsgruppe für das Prostatakarzinom entwickelte Zellkulturmodell ist in dieser Form einmalig. Bisher arbeiten die meisten Wissenschaftler weltweit an nur 3 Zelllinien, um die Ursache dieses Tumors zu erforschen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Im Kampf gegen den Krebs brauchen wir aber noch verlässlichere Modelle zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie. Aus Gewebeproben von 18 Prostatakrebspatienten haben wir in der Arbeitsgruppe experimentelle Urologie des UKS patientenindividuelle Zellmodelle entwickelt. Die aggressivsten Zellen wachsen in unserem Zellkulturmodell durch eine Barriere und bilden dann Minitumoren aus, die nun gezielt untersucht werden können. Wir erhoffen uns von diesem Ansatz, dass zukünftig die Patienten je nach Aggressivität ihrer Tumorzellen möglichst schonend behandelt werden können. Möglicherweise bietet unser spezielles Zellkulturmodell auch für die Pharmaindustrie eine Plattform zur Entwicklung innovativer Medikamente", freute sich Professor Dr. Gerhard Unteregger über den 1. Posterpreis der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Hintergrund:

Der Prostatakrebs ist inzwischen der häufigste Tumor des Mannes mit einer jährlichen Neuerkrankung (diagnostiziert) von allein 550 Patienten im Saarland. Den jüngsten Zahlen des Robert-Kochs-Institutes zufolge erkrankten 2002 deutschlandweit 48.650 Männer daran. Trotz aller Fortschritte in Diagnose und Therapie fehlen nach wie vor wichtige Informationen, mit denen der individuelle Krankheitsverlauf beim einzelnen Patienten vorhersagbar wäre. Die Erforschung neuer therapeutischer Ansätze wird zusätzlich dadurch erschwert, dass repräsentative Untersuchungsmodelle fehlen. Weltweit findet Prostatakarzinomforschung seit Jahrzehnten an wenigen Zelllinien statt, die kaum die Vielfalt im Auftreten des Prostatakrebses in der Bevölkerung widerspiegelt.

Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Arbeitsgruppe experimentelle Urologie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Unteregger (Molekulare Zellbiologie) zusammen mit Prof. Dr. Bernd Wullich (Molekulare Genetik) mit der Etablierung neuer Zellkulturmodelle. Ziel dieser Untersuchungen war es immer, mit Gewebeproben aus dem Tumor einzelner Patienten ein Zellkulturmodell zu etablieren, in welchem die für den Patienten schicksalbestimmenden Krebszellen in ihrer natürlichen Umgebung kultiviert werden können. Solche Modelle sind sowohl für die Entwicklung neuer Therapieformen (Pharmaindustrie), für die Grundlagenforschung und möglicherweise auch für die Prognose des betroffenen Patienten von zentraler Bedeutung.

Die Arbeitsgruppe um Professor Unteregger hat mit dem nun von der DGU verliehenen 1. Preis für experimentelle Arbeiten einen bedeutenden und innovativen Schritt erzielt. In dem von den Forschern entwickelten Modell werden Tumorproben einzelner Patienten zusammen mit gutartigen Zellen aus der Umgebung des Tumors in einem speziellen Container kultiviert. Durch eine geschickte Anordnung dieses komplexen Systems werden die zum invasiven Wachstum, der Vorstufe zur Metastasierung, fähigen Tumorzellen in einem speziellen Gel "aufgefangen". Mittels modernster genetischer Verfahren in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Professor Wullich konnten die speziellen genetischen Veränderungen dieser Untergruppe besonders aggressiver und gefährlicher Krebszellen des Prostatakarzinoms bei einzelnen Patienten bestimmt werden.

Posterpreise werden im Rahmen von wissenschaftlichen Veranstaltungen verliehen. Auf den Postern sind innovative wissenschaftliche und klinische Verfahren schematisch dargestellt. Anlässlich der 58. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Hamburg wurden in der Posterausstellung 100 innovative Projekte klinisch-wissenschaftlicher urologischer Arbeitsgruppen vorgestellt. Die Arbeitsgruppe Experimentelle Urologie an der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) erhielt den 1. Posterpreis für experimentelle Arbeiten.

Das Poster hat den Titel "An improved in vitro model to characterize invasive growing primary prostate cancer cells by function and genetic aberrations"

Ein verbessertes dreidimensionales Zellkulturmodell zur Charakterisierung der invasiv wachsenden Prostatakarzinomzellen durch Nachweis der Funktion und genetischer Veränderungen. (Autoren JUNG V, KAMRADT J, WULLICH B, STÖCKLE M, UNTEREGGER G, Arbeitsgruppe experimentelle Urologie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in Homburg/Saar)

Weitere Informationen:

Professor Dr. Gerhard Unteregger, Arbeitsgruppe experimentelle Urologie (Molekulare Zellbiologie) an der Klinik für Urologie und Kinderurologie (Direktor: Professor Dr. Michael Stöckle) des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in Homburg/Saar, Telefon: (06841)16-24753, E-Mail: gerhard.unteregger@uniklinikum-saarland.de

Saar - Uni - Presseteam | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-saarland.de/de/einrichtungen/kliniken_institute/urologie

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