Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Angriffspunkte für die Tumortherapie

17.10.2006
Nukleäre Onkoproteine spielen eine wesentliche Rolle in der Entstehung vieler Tumoren; sie sind aber in der Regel nicht therapeutisch angreifbar. Die Entdeckung, dass eines dieser Proteine, das Myc-Protein, durch ein Enzym aktiviert wird, könnte das ändern.

Die Entstehung humaner Tumoren wird durch zwei Gruppen von genetischen Änderungen (Mutationen) ausgelöst: aktivierende Mutationen in krebsfördernden Genen (Onkogene) und Verluste von tumorhemmenden Genen (Tumorsuppressorgene). Ein wesentliches Ziel moderner Krebsforschung ist es, die veränderten Proteine, die durch mutierte Onkogene kodiert werden, mit pharmakologischen Mitteln zu hemmen. Seit der Entdeckung von Gleevac, eine Substanz, die das wichtigste Onkoprotein der chronischen myeolischen Leukämie (Bcr-Abl) hemmt, weiß man, dass solche Strategien in der Klinik erfolgreich sein können.

Eine wichtige Gruppe von Onkogenen kodiert für Proteine, die im Zellkern lokalisiert sind und die Expression von Genen steuern. Zu diesen Proteinen gehört das Myc-Protein, das das Zellwachstum steuert. Normale Zellen haben sehr wenig Myc-Protein und auch nur dann, wenn sie wachsen und sich teilen. In fast allen humanen Tumoren ist die Expression des Myc-Proteins gestört und die Tumorzellen erzeugen zum Teil sehr hohe Mengen des Proteins. Aus Tierversuchen mit transgenen Mäusen weiß man, dass eine Hemmung von Myc erheblichen therapeutischen Gewinn für viele Tumoren haben kann. Eine Hemmung von Myc mit niedermolekularen Substanzen, die als Medikamente eingesetzt werden könnten, ist bisher nicht möglich.

Unsere Gruppe hat entdeckt, dass das Myc-Protein nach seiner Synthese modifiziert wird. Dabei werden an das Myc-Protein Ubiquitinketten angehängt. Solche Ketten führen in der Regel dazu, dass Proteine abgebaut werden. In Falle von Myc ist dies aber nicht der Fall; im Gegenteil ist die Modifikation für die Aktivität von Myc notwendig. Wir haben auch das Enzyme identifiziert, das für diese Modifikation notwendig ist: es handelt sich um eine so genannte E3-Ligase, die wir als HectH9 bezeichnen. In der Zellkultur führt die Hemmung von HectH9 zu einem Arrest des Zellwachstum in praktisch allen humanen Tumorzellen, die bisher getestet worden sind.

... mehr zu:
»HectH9 »Myc-Protein »Protein
Im Gegensatz zu Myc gehört HectH9 zu einer Gruppe von Proteinen (Enzymen), von denen man sich vorstellen kann, dass sie mit niedermolekularen Substanzen gehemmt werden kann. Zwar gibt es noch keine solche Substanzen: aber die Identifizierung von HectH9 weist einen klaren Weg auf, wie Pharmafirmen nach Substanzen suchen können, die die Wirkung von Myc hemmen können.

In dem von der Sander-Stiftung geförderten Projekt geht es darum, mit Hilfe von geeigneten Experimenten zu klären, genau welche Folgen die Hemmung von HectH9 auf das Wachstum von Tumoren haben wird und mit welchen Nebenwirkungen bei einer solchen Strategie zu rechnen ist.

Die Originalarbeiten zu diesem Projekt sind im Jahre 2005 in dem Fachjournal "Cell" publiziert worden (Adhikary, S. et al. The Ubiquitin Ligase HectH9 Regulates Transcriptional Activation by Myc and Is Essential for Tumor Cell Proliferation. Cell 123, 409-21 (2005)).

Kontakt:

Martin Eilers
Institut für Molekularbiologie und Tumorforschung (IMT)
Emil-Mannkopff-Str.2;
35033 Marburg
Tel. +49 (6421) 286 64 10 Fax +49 (6421) 286 51 96
e-mail: eilers@imt.uni-marburg.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 230.000 €
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: HectH9 Myc-Protein Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten