Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fliege als Modell für die Krebs-Forschung

24.01.2001


Neues Krebs-Gen entdeckt: Gleiche Funktion in Fliege und Mensch?

Mainz (so) - Krebs ist eine Krankheit der Erbsubstanz. Doch es sind noch lange nicht alle Gene bekannt, die im Zusammenhang mit dieser Erkrankung stehen. Auf der Suche nach neuen Krebs-Genen bedienen sich Mainzer Wissenschaftler eines drei Millimeter großen Organismus mit kompaktem Erbgut: der Fruchtfliege Drosophila melanogaster. Kürzlich entdeckte die Mainzer Arbeitsgruppe in der Fliege ein neues Krebs-Gen, das so genannte tid-Gen. Ein Pendant dieses Gens konnten sie auch in der Maus und im Menschen nachweisen. Im Fliegen-Organismus haben die Forscher schon einiges über die Funktion der Produkte des tid-Gens gelernt. Jetzt wollen sie untersuchen, ob diese Tid-Proteine über die selben Wege wie in der Fliege auch beim Menschen Krebs auslösen können. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Mainzer Team für zwei Jahre mit über 280.000 Mark.

Krebs entsteht, wenn sich diejenigen Abschnitte der Erbsubstanz verändern (mutieren), die das Wachstum und die Differenzierung der Zelle regulieren. UV-Strahlen, Chemikalien, Zigarettenrauch sowie freie Radikale im Körperinneren können Ursache für solche Mutationen sein. Die veränderten Gene liefern fehlerhafte Informationen für die Bildung von Eiweißstoffen. Diese Proteine senden falsche Signale, die das Steuerungssystem der Zellvermehrung durcheinander bringen. Die mögliche Folge: Körperzellen teilen sich ungebremst - ein bösartiger Tumor entsteht. Doch die Wissenschaftler kennen erst die wenigsten Gene, die ursächlich für solche Prozesse sind.

Eine Arbeitsgruppe vom Institut für Genetik der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz unter der Leitung von Privatdozentin Dr. Ursula Kurzik-Dumke nutzt die Fruchtfliege Drosophila melanogaster, um die Suche nach neuen Krebs-Genen zu erleichtern und um die Mechanismen der Tumorbildung besser zu verstehen. Das Auffinden neuer Tumor-Gene ähnelt dem Zufallsprinzip: Die Wissenschaftler setzen ihre Versuchstiere Substanzen aus, welche die Erbsubstanz verändern können. Hat sich in der nachfolgenden Generation dieser Fliegen ein Tumor gebildet, versuchen die Forscher herauszufinden, welches Gen diesen Prozess in Gang gesetzt hat. Auf diesem Weg entdeckten die Mainzer Forscher ein neues Tumor-Gen: das tid-Gen. Ist dieser Abschnitt der Erbsubstanz mutiert, entsteht in verschiedenen Organen der Fliege Krebs. "Mit Hilfe von Drosophila konnten wir durch eine Gen-Therapie eindeutig beweisen, dass es sich bei dem tid-Gen um ein Tumor-Gen handelt", so Kurzik-Dumke. "Injizieren wir Fliegen, die Mutationen im tid-Gen tragen, das normale tid-Gen, ist in den nachfolgenden Generationen kein Tumor mehr nachweisbar." Kurze Zeit später konnten die Forscher das neue Gen und seine Produkte, die Tid-Proteine, in der Maus und im Menschen nachweisen. Auch dort scheinen die veränderten Gene die Krebs-Entstehung zu begünstigen: Beim Menschen steht das tid-Gen im Zusammenhang mit der Ausbildung von Dickdarmkrebs.

Molekularbiologische und genetische Untersuchungen an der kleinen Fliege gewährten den Mainzer Forschern erste Einblicke in die Funktionsweise der Tid-Proteine: Zum Einen wirken diese Eiweißstoffe als so genannte Tumorsuppressoren. Sie regulieren die Zellteilung und unterdrücken so die Entstehung von Krebs. Fällt die natürliche Bremse durch eine Gen-Mutation aus, kommt es zur unkontrollierten Zellvermehrung. Zum Anderen sind die Tid-Proteine Bestandteil verschiedener Signalketten, die wiederum den Zellteilungs-Zyklus, die Differenzierung der Zellen oder den programmierten Zelltod beeinflussen. Senden einzelne Kettenglieder falsche Signale, kann Krebs entstehen. Bestimmte Tid-Proteine stehen beispielsweise ganz am Anfang einer Signalkette, die zu Dickdarmkrebs und Hautkrebs führen kann. Wirken die Produkte des tid-Gens beim Menschen und bei der kleinen Fliege auf die selbe Art und Weise? Genau dieser Frage gehen die Mainzer Forscher jetzt nach. "Bestätigt sich der Mechanismus der Tumorentstehung in Drosophila auch beim Menschen, könnte zukünftig der Nachweis des mutierten Gens als diagnostisches Verfahren zur Früherkennung von Dickdarmkrebs und Hautkrebs genutzt werden", so die Projektleiterin.

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw

Weitere Berichte zu: Drosophila Erbsubstanz Gen Krebs-Gen Tid-Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics