Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Morphin und andere Opioide: Abhängigkeit und Toleranz untersucht

12.10.2006
Förderpreis für Schmerzforschung an Magdeburger Forscher

Wie und warum Opioide, zu denen auch das Morphin gehört, bei chronischer Gabe zu einer Opiattoleranz führen und ob sich das verhindern lässt, haben Magdeburger Pharmakologen um Dr. Thomas Koch untersucht. Sie fanden heraus, dass unterschiedliche Opioidsubstanzen in unterschiedlicher Art und Weise an ein und demselben Rezeptortyp wirken können: Bei einigen Opioiden, so auch bei Morphin, werden die Rezeptoren während einer Langzeitbehandlung ausgeschaltet und bleiben auf Dauer inaktiv - eine erhöhte Toleranz ist die Folge.

Bei anderen Substanzen werden die Rezeptoren internalisiert, in reaktiviertem Zustand wieder in die Membran eingebaut ("recycelt") und stehen wieder neu zur Verfügung - dieser Mechanismus wirkt einer Toleranz entgegen. Für ihre Studie wurden die Forscher mit dem diesjährigen, mit 3500 Euro dotierten, zweiten Preis der Kategorie Grundlagenforschung des Förderpreises für Schmerzforschung ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

Recycling ist der entscheidende Faktor

... mehr zu:
»Morphin »Opioid »Rezeptor

Morphin wird seit langem wegen seiner beruhigenden und schmerzlindernden Wirkung geschätzt macht aber auf Dauer abhängig und muss in immer höheren Dosen verabreicht werden um noch wirksam zu sein, weil sich eine wachsende Toleranz einstellt. Morphin und andere Opiate wirken über einen bestimmten Rezeptor, der auch körpereigene Opiode (Endorphine) erkennt und bindet. Während einer Langzeitbehandlung nimmt die Aktivität der Morphin-besetzten Rezeptoren jedoch schnell ab, was maßgeblich zur Toleranzentwicklung beiträgt. "Bei den Endorphinen lässt sich ein Mechanismus beobachten, der bei Morphin nicht eintritt: Die Rezeptorendozytose", erklärt Dr. Koch. Dabei werden die von der Substanz besetzten Rezeptoren nach ihrer Inaktivierung in die Zelle geschleust, dort reaktiviert und "recycelt". Bei chronischer Morphinbehandlung bleiben dagegen inaktivierte Rezeptoren an Ort und Stelle und die Substanz kann am Rezeptor keine Wirkung mehr entfalten. So bildet sich eine schnelle Morphintoleranz aus.

Therapeutischen Einsatz abwägen

Die Forscher konnten an Zellkulturen nachweisen, dass neben den Endorphinen auch andere, in der Klinik eingesetzte Opioide, wie das Fentanyl, Methadon, Piritramid und Sufentanil eine Rezeptorendozytose auslösen können. Sie stellten fest, dass Opioide mit einer hohen endozytotischen Potenz zu einer verzögerten Tolerenzentwicklung im Zellmodell führten. "Aufgrund dieser negativen Korrelation zwischen endozytotischer Potenz und ausgelöster Toleranzentwicklung könnte man annehmen, dass sich endozytosefähige Wirkstoffe besser für eine Langzeittherapie eignen", berichtet Dr. Koch, "allerdings ergreift der Körper aufgrund der fehlenden Abschaltung der Rezeptoren auf zellulärer Ebene Gegenmaßnahmen, die zu einer erhöhten Abhängigkeit von der jeweiligen Substanz führen können." Ob endozytierende Agonisten tatsächlich für die Langzeittherapie besser geeignet sind, muss daher in weiterführenden in vivo Studien eingehender untersucht werden.

Ansprechpartner

Dr. Thomas Koch, Abteilung für Pharmakologie und Toxikologie der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Leipzigerstr. 44, 39120 Magdeburg, Tel. 0391/6715372, E-Mail: thomas.koch@medizin.uni-magdeburg.de

Meike Drießen | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgss.org

Weitere Berichte zu: Morphin Opioid Rezeptor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften