Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiple Sklerose: Krankheitsschübe durch vegetative Störungen?

23.01.2002


Die Blutspiegel der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin sind bei Patienten mit aktiver Multipler Sklerose (MS) niedriger als bei Patienten mit einem stabilen Krankheitsverlauf.
Grafik: Flachenecker


An der Neurologischen Klinik der Uni Würzburg sollen 60 Patienten, die erstmals an Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind, über zwei Jahre hinweg mit verschiedenen Methoden untersucht werden. Davon erhoffen sich die Mediziner Aufschluss darüber, welche Rolle das vegetative Nervensystem bei der MS spielt.

Die Multiple Sklerose (MS) ist in Mitteleuropa und Nordamerika die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie tritt bei jungen Erwachsenen auf und kann zu einer dauerhaften Behinderung führen: Unter anderem leiden die Betroffenen an Lähmungen sowie an Seh- und Gefühlsstörungen.

Bei der MS kommt es häufiger als bisher angenommen auch zu Störungen des so genannten vegetativen Nervensystems, das nicht dem Willen des Menschen unterworfen ist. Diese Störungen scheinen mit dem Krankheitsverlauf vergesellschaftet zu sein. So sind beispielsweise bei Patienten, bei denen die Krankheit sehr aktiv ist, die Blutspiegel der Stresshormone Noradrenalin und Adrenalin erniedrigt.

Einige Patienten berichten auch, dass die Krankheitsschübe zeitnah zu großen körperlichen oder seelischen Belastungen auftreten. "Allerdings ist nicht klar, ob diese Veränderungen Folge oder Ursache der Erkrankung beziehungsweise eines Krankheitsschubs sind", so der Mediziner Dr. Peter Flachenecker von der Uni Würzburg.

Dieser Frage widmet sich nun ein Projekt, das unter der Leitung von Dr. Flachenecker in der Klinischen Forschungsgruppe für Multiple Sklerose und Neuroimmunologie der Neurologischen Universitätsklinik durchgeführt wird. Die Deutsche Multiple Sklerose-Gesellschaft fördert das Vorhaben mit 100.000 Mark. Dr. Flachenecker kooperiert dabei eng mit der Abteilung für Neuroradiologie, mit der Psychiatrischen und Medizinischen Universitätsklinik sowie mit der Klinik für Nuklearmedizin.

Bei dem Projekt werden insgesamt 60 Patienten, die erstmals an einer MS erkrankt sind, zwei Jahre lang mit verschiedenen Untersuchungstechniken beobachtet. Bei Belastungstests werden vegetative Funktionen wie die Variabilität der Herzfrequenz und des Blutdrucks geprüft. Die Anbindung des Herzens an das vegetative Nervensystem wird mit nuklearmedizinischen Methoden dargestellt.

Die Würzburger Wissenschaftler suchen zudem nach Varianten bei den Genen, welche die Baupläne für den Noradrenalin-Transporter und die Beta-Rezeptoren enthalten, sowie nach Zusammenhängen mit den vegetativen Funktionen und dem weiteren Krankheitsverlauf. Auch weitere Untersuchungen wie die Kernspintomographie, die Ultraschalluntersuchung des Kopfes und die Bestimmung immunregulatorischer Zytokine kommen zum Einsatz. Hier soll die Vorhersagekraft dieser Methoden für den weiteren Krankheitsverlauf überprüft werden. Erste Ergebnisse werden für Ende 2002 erwartet.

Weitere Informationen: Dr. Peter Flachenecker, T (0931) 201-2621, Fax (0931) 201-3489, E-Mail: 
peter.flachenecker@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Multiple Sklerose Nervensystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie