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Strahlentherapie bei Prostatakrebs: In Kombination wirksamer

10.10.2006
Eine Kombination verschiedener strahlentherapeutischer Verfahren scheint die Wirksamkeit einer Bestrahlung bei Prostatakrebs im Frühstadium erhöhen zu können. Dies zeigen Studienergebnisse, die auf dem 25. Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Radioonkologie (ESTRO) präsentiert werden. Ebenso berichten Experten, dass Patienten mit Prostatakrebs dann von einer kombinierten Hormon- und Strahlentherapie profitieren, wenn sie ein hohes Risiko haben, dass ihre Erkrankung fortschreitet.

Prostatakrebs ist der häufigste Tumor des Mannes: Jährlich erkranken allein in Deutschland etwa 48.000 Patienten. Da ein einfacher Bluttest zum Nachweis des "prostataspezifischen Antigens" (PSA) erste Hinweise auf die Erkrankung liefern kann, wird eine steigende Zahl von Tumoren heute bereits im Frühstadium diagnostiziert. Bei kleinen, auf die Prostata begrenzten Tumoren, ist die Strahlentherapie eine Alternative zur Operation. Bei örtlich fortgeschrittenen Tumoren, welche die Grenze des Organs überschritten haben und nicht operiert werden können, ist die Bestrahlung sogar die Behandlung der Wahl.

EXTERNE BESTRAHLUNG IST DER STANDARD.

Das Standardverfahren der Strahlentherapie ist die Bestrahlung von außen. Zunehmend setzen Radioonkologen jedoch die sogenannte Brachytherapie ein. Bei dieser Methode platziert der Arzt eine Strahlenquelle direkt in der Prostata. Als Strahlenquelle dienen einerseits kleine radioaktive Stifte ("Seeds"), die in der Prostata bleiben und den Tumor über längere Zeit mit einer niedrigen Dosis bestrahlen. Im sogenannten Afterloading-Verfahren werden in einer oder in mehreren Sitzungen für wenige Minuten Hohlnadeln in die Prostata eingestochen, die eine definierte Strahlendosis abgeben und danach wieder entfernt werden.

Peter Hoskin vom Krebszentrum des Mount Vernon Hospital im britischen Northwood präsentiert auf der ESTRO-Tagung eine Studie, bei der sein Team prüfte, ob eine Kombination aus Brachytherapie und externer Strahlentherapie bei kleinen Tumoren die Behandlungsergebnisse verbessern kann. Dazu teilten die Radioonkologen 220 Patienten nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein.

Die Patienten der einen Gruppe erhielten ausschließlich eine externe Strahlentherapie in üblicher Dosierung. Die Patienten der anderen Gruppe wurden mit einer niedriger dosierten externen Strahlentherapie behandelt, gefolgt von zwei Brachytherapie-Sitzungen.

Resultat: Die Nebenwirkungen der Therapie waren in beiden Gruppen vergleichbar. Unterschiede beobachteten die Ärzte jedoch beim Verlauf der PSA-Werte: Bei 80 Prozent der Patienten die eine kombinierte Therapie erhalten hatten, blieben die Werte des Tumormarkers während der dreijährigen Nachbeobachtungszeit unverändert - ein Zeichen, dass die Behandlung effektiv war und die Krankheit unter Kontrolle ist. In der Gruppe der nur extern bestrahlten Patienten war dies hingegen nur bei 63,6 Prozent der Fall. Aufgrund der kurzen Nachbeobachtungszeit sind endgültige Aussagen zwar noch nicht möglich, doch deutet das Ergebnis nach Meinung der Spezialisten darauf hin, dass die Kombinationsbehandlung besonders effektiv ist.

Kann ein Prostatakrebs durch eine Operation oder Bestrahlung nicht mehr vollständig entfernt oder zerstört werden, versuchen die Ärzte mit einer medikamentösen Hormonblockade das Tumorwachstum zu hemmen - und damit das Fortschreiten der Erkrankung. Denn männliche Sexualhormone regen das Wachstum eines Prostatakrebses an.

ERFOLGVERSPRECHENDE KOMBINATION.

Seit einigen Jahren erproben Ärzte, ob eine kombinierte Therapie aus Hormonblockade und Strahlentherapie darüber hinaus die Heilungschancen beim Prostatakrebs generell verbessert. Thomas A. Pickles (Vancouver, Kanada) präsentiert auf der ESTRO-Tagung am 10. Oktober in Leipzig eine Studie, bei der eine solche Kombi-Behandlung mit einer herkömmlichen Strahlentherapie verglichen wurde.

Im Rahmen ihrer Untersuchung splitteten die Ärzte die bei Prostatakrebs bislang üblichen drei Risikogruppen (hoch, mittel, gering) noch weiter in insgesamt fünf verschiedene Risikogruppen auf, um ein differenzierteres Bild zu erhalten.

Insgesamt 1835 Patienten nahmen an der Studie teil. Sie erhielten entweder nur eine Strahlentherapie oder einer Kombination aus Strahlentherapie und Hormonblockade. Wie Pickles berichtet, hatten die Männer der beiden niedrigsten Risikogruppen keinen wesentlichen Nutzen von einer zusätzlichen Hormontherapie. Anders waren die Resutate bei den drei Gruppen mit höherem Risiko: In der Gruppe mit dem höchsten Risiko waren bei 45 Prozent der Männer, die eine Kombi-Therapie erhalten hatten, die PSA-Werte nach fünf Jahren unverändert - ein Hinweis darauf, dass die Behandlung effektiv war. Von den Hochrisiko-Patienten, die nur bestrahlt worden waren, zeigten hingegen nur 17 Prozent nach fünf Jahren noch stabile PSA-Werte.

Barbara Ritzert | ProScience Communications
Weitere Informationen:
http://www.klinikum-karlsruhe.de

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