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Checkliste für die Diagnose von Mastzellkrankheiten

04.10.2006
Forschungsprojekt der Deutschen Krebshilfe erfolgreich

Ein interdisziplinäres Ärzteteam unter Federführung von Wissenschaftlern der Universität Bonn hat eine Checkliste vorgestellt, welche die Diagnose so genannter Mastzell-Erkrankungen erheblich erleichtert. Da die Symptome einer krankhaften Vermehrung und Überaktivität von Mastzellen sehr variabel sind, wird die Störung nur selten diagnostiziert.

Es gibt aber vermutlich eine hohe Dunkelziffer. Häufig äußert sich die Krankheit in Bauchschmerzen, Krämpfen und Durchfällen. Manche Betroffene haben die Symptome einer massiven Darmentzündung. Doch weder in Laboruntersuchungen noch in bildgebenden Verfahren findet sich etwas Verdächtiges. Die neue Diagnose-Checkliste ist in der September-Ausgabe der Deutschen Medizinischen Wochenschrift erschienen. Das Projekt wurde von der Deutschen Krebshilfe mit 34.000 Euro gefördert.

Mastzellen zählen zu den wichtigsten Stützen des Immunsystems. Sie speichern eine Vielzahl von Botenstoffen, mit denen sie bei Kontakt mit Viren, Bakterien, Parasiten und Allergenen die passende Immunreaktion einleiten und verstärken können. Mastzellen finden sich verteilt in allen Geweben und Organen. Sobald sich im Körper ein Entzündungsherd bildet, rufen bestimmte weiße Blutkörperchen sie zu Hilfe. Zusätzliche Mastzellen wandern in den betroffenen Gewebebereich und koordinieren die Körperabwehr. Bei Menschen mit einer Mastzellerkrankung sind diese „Einsatzleiter“ der Immunabwehr aufgrund genetischer Veränderungen jedoch auch ohne Entzündung kämpferisch gestimmt: Im Darm können diese fehlerhaften Zellen mit ihren chemischen Waffen Schmerzen, Darmkrämpfe oder Verdauungsstörungen verursachen. Das Spektrum der Erkrankungen reicht von einem klinisch nur wenig beeinträchtigenden Beschwerdebild bis hin zu sehr seltenen, bösartigen Mastzell-Leukämie.

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„Mit der Checkliste können wir erstmals Patienten mit einer Störung der Mastzellaktivität klar von Gesunden unterscheiden“, erklärt Professor Dr. Gerhard J. Molderings von der Bonner Universitätsklinik. Zusammen mit einem interdisziplinären, multizentrischen Team von Ärzten hat er im Rahmen eines von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekts die klinischen Erscheinungsformen einer krankhaft erhöhten Mastzellaktivität zu der Checkliste zusammengeführt. „Mastzellaktivitätsstörungen sind entgegen der weit verbreiteten Ansicht keine sehr seltenen Erkrankungen“, erläutert Molderings weiter. „Sie werden nur zu selten diagnostiziert. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich hoch.“ Die Beschwerden können so gravierend sein, dass die Patienten bis zur Invalidität beeinträchtigt sind. Was die Erkennung so schwierig macht, sind die Vielfalt und die Unspezifität der Symptome. Außerdem finden sich in der Regel keine oder allenfalls nur geringe Veränderungen von Laborwerten und Ergebnissen bildgebender Verfahren.

Hier setzt der Diagnosefragebogen an: Er erfasst gezielt die Symptome, die durch die Botenstoffe krankhaft überaktiver Mastzellen ausgelöst werden, und die dann in der Zusammenschau krankheitsspezifisch werden. „Die Anwendung der Checkliste ermöglicht eine frühere Diagnose und damit eine schnellere und Erfolg versprechendere Behandlung der Patienten“, betont Molderings. Doch er dämpft allzu große Erwartungen: „Wir haben jetzt zwar ein effektives Diagnoseinstrument, aber in der Therapie der Erkrankung stehen wir noch am Anfang.“ Die Erkenntnis, dass Mastzellen als zentrale Schaltstellen des Immunsystems fungieren, sei noch relativ jung. „Wir müssen dies bei der Entwicklung von neuen therapeutischen Strategien berücksichtigen, um mögliche unerwünschte Therapie-Effekte im Vorfeld abschätzen zu können.“

Einer der Autoren der Checkliste ist Professor Dr. Jürgen Homann, Chefarzt der Allgemeinen Inneren Medizin am Evangelischen Waldkrankenhaus in Bad Godesberg. Unter seiner Leitung wird derzeit ein internistisches Kompetenzzentrum für Mastzellerkrankungen aufgebaut, in dem zusammen mit den anderen Mitgliedern der multizentrischen Forschungsgruppe neue Behandlungsansätze erarbeitet werden.

| Deutsche Krebshilfe e.V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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