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Immunantwort ist bei Krebsbekämpfung entscheidend

04.10.2006
Aktivität der Körperabwehr gibt mehr Auskunft als Tumorausbreitung

Wissenschafter des Instituts für Genomik und Bioinformatik der TU-Graz haben gemeinsam mit französischen Medizinern vom INSERM Paris bewiesen, dass weit präzisere Prognosen über den Krankheitsverlauf bei Dickdarm-Patienten möglich sind als bisher bekannt. Dazu müssen allerdings nicht nur der Tumor, sondern auch die Immunzellen im Tumor und im benachbarten Gewebe untersucht werden, berichten sie in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science. Das Forscherteam hat erst im Vorjahr den Nachweis dafür erbracht, dass Immunzellen für die Tumorbekämpfung mitverantwortlich sind.

"Zu den wesentlichen Fragen gehören, ob ein Patient, der als geheilt gilt, wieder erkrankt sowie, ob einem Menschen mit der Diagnose Darmkrebs eine belastende Chemo-Therapie erspart bleiben könnte", führt der Bioinformatiker Zlatko Trajanoski, Studien-Co-Autor, im pressetext-Interview aus. Derzeit liege der Fokus bei der Diagnose und Behandlung von Krebspatienten auf dem Tumor selbst und nicht auf den Immunzellen. "Wir konnten nun zeigen, dass über Art, Dichte und Lokalisation der Immunzellen in Darm-Tumoren exakte Prognosen auf die klinischen Folgen möglich sind", führt der Experte aus. Damit könne den Medizinern bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung ein sehr genaues Bild des wahrscheinlichen Krankheitsverlaufs geboten werden. "Dieser Rückschluss war vor den zwei Studien mehr als unsicher. Zudem sind verschiedene Krebserkrankungen völlig anders zu beurteilen", meint Trajanoski, der mit Klinikern der Universität Innsbruck nun untersucht, ob diese neuen Erkenntnisse auch auf Prostatakrebs zutreffen.

Drei Jahre lang haben die Grazer Bioinformatiker eine Datenbank aufgebaut, in der sie klinische und genomische Daten erfassten. "Wir haben unterschiedliche Methoden angewandt, zuerst Screening-Verfahren, dann histologische Methoden, um die verschiedenen Zelltypen zu identifizieren und vor allem um jene Immunzellen zu finden, die relevant sind. Wir haben 400 Gewebeproben von Patienten untersucht und die Erkenntnisse an zwei Kontrollgruppen geprüft", führt der Forscher aus. Die französischen Kollegen hatten bereits in den Jahren 1985 bis 2000 Proben von insgesamt 1.000 Patienten gesammelt. "Mit Hilfe modernster Methoden der Bioinformatik können auch Proben, die bereits vor langer Zeit abgenommen wurden, heute noch neue Erkenntnisse liefern", erklärt der Forscher.

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Die Zusammenarbeit von Trajanoski mit den Medizinern Jerome Galon und Franck Pages vom Pariser INSERM beruhe auf jahrelangen Kontakten. "Mit diesen beiden Forschern wurde bereits die Studie im Vorjahr durchgeführt", erklärt der Bioinformatiker. Die Zusammenarbeit werde weiter fortgesetzt. "Als nächsten Schritt wollen wir untersuchen, ob die Erkenntnisse auch auf andere Krebsarten anwendbar sind." Dazu werden zunächst die verwandten Erkrankungen wie Prostata- oder Eierstockkrebs genauer unter die Lupe genommen. Galon erklärte, dass dieses Phänomen auch bei Brustkrebs untersucht werden soll.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.tugraz.at
http://www.inserm.fr
http://www.sciencemag.org

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