Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlüsselloch-Operation im Mutterleib soll Leben retten

28.09.2006
Kooperation zwischen Unikliniken Bonn und Mannheim bei europaweit ersten Studien

Das Universitätsklinikum Bonn untersucht in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Mannheim eine neue vorgeburtliche Operationsmethode bei Ungeborenen mit schwerer Zwerchfellhernie. Durch ein Loch im Zwerchfell verlagern sich Bauchorgane in den Brustraum und behindern so die Lungen in ihrem Wachstum. Zwei Studien - die ersten ihrer Art in Europa - sollen klären, ob der Eingriff die Überlebenschance besonders schwer erkrankter Ungeborener verbessern oder zumindest ihre nachgeburtliche Behandlung erleichtern kann.

Um die vorgeburtlichen Eingriffe kümmert sich der Bonner Privatdozent Dr. Thomas Kohl, Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie und minimal-invasive Therapie (DZFT) am Universitätsklinikum Bonn. Die nachgeburtliche Behandlung übernimmt das auf Neugeborene mit Zwerchfellhernien hoch spezialisierte Team um den Mannheimer Kinderarzt Dr. Thomas Schaible.

Eine so genannte Zwerchfellhernie tritt nach der Geburt bei einem von 2.500 Kindern auf. Durch den fehlenden Verschluss des Zwerchfells können sich Bauchorgane wie Magen, Milz und Darm in die kindliche Brusthöhle verlagern. Dadurch ist die Entwicklung der Lungen zum Teil sehr schwer beeinträchtigt. Für viele der Ungeborenen ist die Erkrankung lebensbedrohlich, da die Lungen nach der Geburt zu klein sind und die Kinder dann nicht atmen können.

... mehr zu:
»Luftröhre »Lunge

Die in den ab Mitte Oktober 2006 geplanten Studien verwendete Methode der "Tracheal-Ballonokklusion" wird ausschließlich im letzten Viertel der Schwangerschaft eingesetzt. Bei dem Eingriff führt Fetalchirurg Kohl über eine kleine Öffnung im Bauch der Mutter das Operationsgerät - so dick wie eine Kugelschreibermine - in die Fruchthöhle ein. Dann schiebt der Operateur unter Ultraschallkontrolle ein Fetoskop über die Mundhöhle des Ungeborenen in die Luftröhre. Anschließend platziert er einen Miniatur-Latexballon in der fetalen Luftröhre, den er dort aufbläst. Dadurch verschließt er den Atemkanal. "Die vorgeburtliche Lunge produziert ständig Wasser, das jetzt über die blockierten Atemwege nicht mehr abfließen kann. Der so aufgebaute Flüssigkeitsdruck soll die Lunge anregen zu wachsen", erklärt Kohl das therapeutische Prinzip.

Die Lungenflüssigkeit bildet sich normalerweise, um die kleinsten Atemwege während der Entwicklung offen zu halten. Durch den künstlich ausgelösten Aufstau dehnt sich die Lunge zunächst aus, und Lungengewebe bildet sich neu. Nach zwei bis drei Wochen wird der Ballon innerhalb der Luftröhre durch einen Laser zerstört, denn die Atemwege müssen bei der Geburt wieder frei sein.

Ist der Ballon entfernt, wird die Schwangere von der Universitätsklinik Bonn an das Universitätsklinikum Mannheim verlegt. An der dortigen Neonatologischen Intensivstation hat das Team um den Kinderarzt Thomas Schaible landesweit die größten Erfahrungen mit der Behandlung von Neugeborenen mit Zwerchfellhernien. So können die Neugeborenen dort zeitweise auch mit einer künstlichen Lunge beatmet werden. Bei der Behandlung der vorgeburtlich operierten Kinder spielte diese bisher eine wichtige Rolle. Bereits seit 2004 besteht die Kooperation mit dem Universitätsklinikum Mannheim. "Nur in Kooperation mit den Mannheimer Spezialisten haben die Kinder die beste Chance zu überleben", sagt Kohl. Zwischen dem siebten und elften Tag nach der Ballonentfernung wird die Entbindung eingeleitet und das Kind umgehend intensivmedizinisch versorgt. Dieses kurze Zeitintervall zwischen Ballonentfernung und Entbindung wurde gewählt, damit sich ein positiver Effekt der Ballonokklusion nicht wieder verliert.

"In beiden Studien planen wir jeweils bis zu 50 Ungeborene zu operieren. Wir hoffen, dass sich durch die vorgeburtlichen Eingriffe ihre Überlebenschancen deutlich verbessern. Nur dann könnte sich dieses Verfahren etablieren", betont Kohl.

Kontakt:
PD Dr. Thomas Kohl
Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie (DZFT) am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/ 2871-5942
E-Mail: thomas.kohl@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/
http://www.uniklinik-bonn.de/dzft

Weitere Berichte zu: Luftröhre Lunge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen