Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Experten aus aller Welt trainieren neues Operationskonzept in Leipzig

26.09.2006
Universitätsfrauenklinik vermittelt mit der "Leipzig School of Radical Pelvic Surgery" innovative Methoden / Prof. Höckel: Radikal gegen den Krebs und schonend für die Patientinnen

Ab heute gehen in Leipzig erfahrene internationale Spitzenmediziner wieder in die Schule. In der "Leipzig School of Radical Pelvic Surgery" (Leipziger Schule für radikale Beckenchirurgie) lernen und trainieren sie ein neues Operationskonzept, das an der Universitätsfrauenklinik unter Leitung von Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Michael Höckel entwickelt wurde. "Die totale mesometriale Resektion (TMMR) steht als neues Radikalitätsprinzip in der Behandlung des Gebärmutterhalskrebses im Mittelpunkt der Intensivkurse", so Prof. Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik (Triersches Institut) Leipzig.

"Sie geht radikal gegen den Krebs vor und ist zugleich schonend für die Patientinnen. Unsere innovative Methode beruht auf einer ganz neuen Erkenntnis darüber, wie sich Tumoren ausbreiten. Und ich möchte behaupten, es ist eine Erkenntnis, die die gesamte gynäkologische Onkologie verändern wird."

Die "Leipzig School of Radical Pelvic Surgery" findet jetzt zum zweiten Mal statt. "Wir haben im Frühjahr mit einem ersten Kurs begonnen, der großes Interesse fand. Auch der heute beginnende Herbstkurs ist komplett ausgebucht. Künftig wollen wir zweimal im Jahr solche Intensivkurse für internationale fortgeschrittene Operateure anbieten", kündigt Prof. Höckel an. Eine Hälfte der Teilnehmer kommt jeweils aus Deutschland, die andere aus dem Ausland. Dazu gehören diesmal Operateure aus Hongkong, Irland und den Niederlanden.

... mehr zu:
»TMMR

Die Idee dieser Kurse entstand daraus, dass zu fast jeder Operation, die nach dem neuen Verfahren ausgeführt wird, Gäste aus dem In- und Ausland in die Universitätsklinik Leipzig kommen. "Wir dachten, wenn unser Konzept ein solch starkes Interesse findet, können wir das auch konzentrieren und - über die Demonstration hinaus - zu einem Training ausweiten", so Prof. Höckel. "Zum Kursinhalt gehören also die Vermittlung der Grundlagen unseres Operationskonzepts in Seminaren, die praktische Übung der Operationstechnik an Leichnamen und die Live-Demonstration einer Operation. Wir haben ohnehin fast jede Woche eine solche OP. Mit Zustimmung der Patientin wird dann die anstehende Operation im Rahmen der Leipzig School vorgenommen."

Hintergrund TMMR

An der Leipziger Universitätsfrauenklinik wurde unter Leitung von Prof. Höckel mit der totalen mesometrialen Resektion (TMMR) eine neue Operationsmethode entwickelt, die auf neuen Erkenntnissen über die lokale Tumorausbreitung beruht, die aus der Embryonalentwicklung abgeleitet werden. Prof. Höckel: "Wir haben erkannt, dass ein Tumor nicht wild wuchert. Er wächst eben nicht in jene Gewebe hinein, die wenig Widerstand bieten oder die räumlich nahe sind. Vielmehr folgt der Tumor in seiner lokalen Ausbreitung über einen langen Zeitraum dem Weg der Embryonalentwicklung." Als Beispiel nennt der Leipziger Mediziner die unmittelbar vor dem Gebärmutterhals liegende Harnblase. "Sie ist nur einen Millimeter vom Tumor entfernt. Und trotzdem wird ein Gebärmutterhalskrebs über einen sehr langen Zeitraum diesen Abstand nicht überwinden. Und zwar nicht wegen des Abstandes, sondern weil die Harnblase eine andere embryonale Struktur, ein anderes Kompartiment, darstellt als die Gebärmutter."

Beim bisherigen Operationskonzept wird der Tumor zuzüglich einer rundum liegenden Sicherheitszone entfernt. Dadurch sind oft auch Harnblasen- und Enddarmfunktionen betroffen. "Unsere neue Methode besagt: Der Sicherheitsabstand zu einem benachbarten Kompartiment kann schon mit einem Millimeter groß genug sein. Innerhalb des vom Tumor befallenen Kompartiments reicht unter Umständen selbst ein Sicherheitsabstand von mehreren Zentimetern nicht aus", so Prof. Höckel. "Das heißt: Bei TMMR wird das vom Krebs betroffene embryonale Kompartiment vollständig entfernt. Dagegen kann man durchaus Kompartimente anderen embryonalen Ursprungs trotz unmittelbarer Nähe zum Tumor zurücklassen."

weitere Informationen:

Prof. Dr. Dr. Michael Höckel
Tel.: 0341 97 23400
Fax: 0341 97 23409
E-Mail: Michael.Hoeckel@uniklinik-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-leipzig.de

Weitere Berichte zu: TMMR

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Kosmische Ravioli und Spätzle

22.05.2018 | Physik Astronomie

Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics