Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Universität festigt ihren Spitzenplatz in der Biomedizin - Rudolf-Virchow-Zentrum gegründet

18.01.2002


Mit 20 Millionen Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft in den kommenden vier Jahren an der Universität Würzburg das Rudolf-Virchow-Zentrum für experimentelle Biomedizin. Dessen Einrichtung konnte die Universität in einem harten Wettbewerb mit anderen Hochschulen verwirklichen. Dieser Erfolg unterstreiche die bundesweite Spitzenstellung der Würzburger Universität im Bereich der Biomedizin - das betonten alle Redner beim Festakt zur Gründung des Virchow-Zentrums.

Der Festakt, der am Donnerstag abend, 17. Januar, in der Neubaukirche in Würzburg stattfand, war hochkarätig besetzt: Neben Universitätspräsident Theodor Berchem sprachen Edmund Stoiber, Wolf-Michael Catenhusen, Hans Zehetmair, Ernst-Ludwig Winnacker und Martin Lohse.

Lohse, an der Uni Würzburg Professor für Pharmakologie, war bei der Schaffung des Virchow-Zentrums federführend. In der Neubaukirche beschrieb er die Elemente, aus denen die neue Einrichtung besteht: Kernzentrum für die Forschung, Nachwuchsgruppeninstitut, Forschungsprofessuren, Studiengang Biomedizin, Graduate School und Öffentlichkeitsarbeit.

Die wissenschaftliche Arbeit im Zentrum dreht sich um die so genannten Schlüsselproteine. "Wenn solche Proteine im Körper des Menschen nicht richtig funktionieren, dann können Krankheiten entstehen. Und man kann Krankheiten behandeln, wenn man in die Funktion der Schlüsselproteine eingreift", so Lohse. Für diese Forschungen werden eigene Professuren eingerichtet.

Im Virchow-Zentrum werden aber auch neue Strukturen erprobt. Hierzu gehört ein Nachwuchsgruppeninstitut, in dem junge Wissenschaftler völlig unabhängig an ihren Projekten arbeiten können. Eine dieser Gruppen wird von der Wirtschaft gefördert - denn das Zentrum wolle für den Transfer seiner Ergebnisse offen sein, wie Lohse sagte. Mit Forschungsprofessuren und beträchtlichen Geldmitteln sollen außerdem exzellente Wissenschaftler für jeweils fünf Jahre nach Würzburg geholt werden.

Auch der neue Studiengang Biomedizin, der seit dem Wintersemester 2001/02 an der Uni Würzburg angeboten wird, wurde im Zusammenhang mit dem Virchow-Zentrum konzipiert: "Wir können nur exzellente Forscher erwarten, wenn wir sie auch ausbilden", so Lohse. Für die Ausbildung von Doktoranden wird nach amerikanischem Vorbild eine "Graduate School" für Biomedizin entstehen. Außerdem wird das Zentrum Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um die Biomedizin verständlich zu machen. Hier kündigte Lohse auch einen engen Kontakt zu Schulen an.

Zur Vorgeschichte des Virchow-Zentrums: Im Juli 2001 beschloss die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), eines von bundesweit drei neuartigen Forschungszentren an der Uni Würzburg einzurichten. Zuvor hatten sich insgesamt 56 Hochschulen mit 80 Konzepten beworben; letzten Endes setzten sich Anträge aus Würzburg, Bremen und Karlsruhe durch. Präsident Berchem erinnerte beim Festakt daran, dass das Geld für die Finanzierung der DFG-Forschungszentren aus den UMTS-Erlösen stammt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Verfügung gestellt wurde.

Die Universität setze im Bereich der Biomedizin seit 25 Jahren Schwerpunkte, so Prof. Berchem. Das beweisen unter anderem das Biozentrum, sieben Sonderforschungsbereiche in Biologie/Medizin, drei vom Bundesforschungsministerium geförderte Kompetenzzentren und weitere einschlägige Einrichtungen. Bei der Einwerbung von Drittmitteln seien die Mediziner und Biowissenschaftler der Uni Würzburg bundesweit an der Spitze.

Die fest etablierte Zusammenarbeit der Mediziner und Biologen in Würzburg dürfte eine besondere Stärke des Virchow-Zentrums sein, wie Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair sagte. In der Interdisziplinarität, also in der Kooperation über die Fächergrenzen hinweg, liege die Qualität und die Zukunft der Forschung. Das habe die Universität Würzburg früher als andere Hochschulen in Deutschland erkannt.

Laut DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker werden Institutionen wie das Virchow-Zentrum dazu beitragen, dass die deutschen Wissenschaftler künftig noch besser auf den globalen Wettbewerb vorbereitet sind. In den kommenden Jahren wolle die DFG bis zu 15 solcher Forschungszentren einrichten.

Vom Aufschwung bei der Förderung biotechnologischer Forschungen habe der Standort Würzburg stark profitiert. Darauf wies Wolf-Michael Catenhusen, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, hin. 1998 seien aus dem Förderbereich Biotechnologie des Ministeriums 76.000 Euro nach Würzburg gegangen, vier Jahre später liege die Zahl bei 4,2 Millionen Euro.

Die Festansprache schließlich hielt der Bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber, der das Virchow-Zentrum als Juwel in der deutschen Forschungslandschaft bezeichnete. Würzburg habe sich mittlerweile zu einem der Top-Forschungsstandorte in Bayern entwickelt, besonders im Bereich der Biotechnologie. Im ganzen Freistaat gebe es, neben bedeutenden Niederlassungen internationaler Pharmafirmen, bislang etwa 150 kleine Biotech-Unternehmen mit insgesamt 3.700 Mitarbeitern.

Benannt ist das neue Forschungszentrum nach Rudolf Virchow (1821 - 1902), der zu den größten Medizinern der Geschichte zählt. Zwischen seinen frühen und späteren Jahren an der Berliner Charité arbeitete er von 1849 bis 1856 am Pathologischen Institut der Universität Würzburg. Diese Periode gilt als die wissenschaftlich fruchtbarste seines Forscherlebens.

Virchows Denken habe weit über die Grenzen des eigenen Fachs und seiner Zeit hinaus gereicht, so Präsident Prof. Berchem. Darum habe man keinen passenderen Namen finden können für ein Zentrum, das sich der Bündelung und Koordinierung der Forschung über die Grenzen der Fachbereiche hinweg verschrieben hat.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.virchow-zentrum.uni-wuerzburg.de/

Weitere Berichte zu: Biomedizin DFG

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen