Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Atypische Parkinsonerkrankungen

10.01.2001


... mehr zu:
»Blickparese »MSA »PSP »Parkinsonerkrankung
Ulm leitet eine Dreiländer-Studie der EU

Mit Wirkung vom 15.12.2000 unterstützt die Europäische Kommission eine Multicenterstudie zu atypischen Parkinsonerkrankungen mit 2,05 Mio. Euro. Mehr als eine weitere Mio. Euro wird gleichzeitig von der Pharmaindustrie (Aventis Pharma) zur Verfügung gestellt. An der Studie nehmen 40 Zentren aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien teil. In Großbritannien ist das Londoner Kings College (Prof. Nigel Leigh), in Frankreich das Hospital Salpetriere (Paris, Prof. Yves Agid, Dr. Gilbert Bensimon) und in Deutschland die Abteilung Neurologie der Universität Ulm (Prof. Dr. Albert Ludolph) federführend. Außer Ulm, wohin rund ein Drittel der insgesamt bereitgestellten Mittel fließen wird, sind 11 weitere deutsche Zentren beteiligt: die Neurologischen Universitätskliniken in Aachen, Berlin, Bochum, Dresden, Freiburg, Halle/Magdeburg, Hannover, München, Rostock, Regensburg/Erlangen und Tübingen.

Die Parkinsonerkrankung ist eine der altersabhängig auftretenden degenerativen Erkrankungen des Gehirns. Sie lässt sich vergleichsweise gut behandeln. Eine Ausnahme bilden aber seltenere Varianten des Parkinsonsyndroms. Sowohl die progressive Blickparese (progressive supranuclear palsy - PSP) als auch die Multisystematrophie (MSA) sind therapeutisch weniger gut zugänglich. Progressive Blickparese, der Name gibt es zu erkennen, meint die zunehmende Erschlaffung der Augenmuskeln mit entsprechend verminderter Augenbeweglichkeit. Multisystematrophie äußert sich unter anderem in Kontinenzstörungen der Harnblase.

Auf die etablierte Therapie der Parkinsonerkrankung mit L-DOPA reagieren PSP- und MSA-Patienten nur unzureichend oder gar nicht. Der Krankheitsverlauf ist nicht beeinflussbar, und auch symptomatische Therapien stehen kaum zur Verfügung. Überdies sind die Betroffenen in den frühen Stadien der Erkrankung diagnostisch nur sehr schwer von den gut behandelbaren Patienten zu unterscheiden. Es besteht daher die Gefahr der Fehldiagnose mit den daraus resultieren Problemen im Krankheitsverlauf. Andererseits machen aber in Zentren, denen insbesondere die diagnostisch und therapeutisch schwierigeren Fälle zugewiesen werden, die PSP- und MSA-Formen fast 20% aus.

Die Studie hat sich drei Ziele gesetzt: sie will die diagnostischen Kriterien für die MSA und PSP schärfen, um damit die Diagnose zu erleichtern; sie will ferner den natürlichen Verlauf der Erkrankung besser verstehen lernen und schließlich eine Medikation erproben, um den betroffenen Patienten in jedem Stadium der Erkrankung wirkungsvollere Hilfe anbieten zu können. Die angestrebte Therapie soll sowohl symptomatisch wirksam sein als auch nach Möglichkeit die Krankheitsprogression bremsen.

Charakteristischerweise kommt der therapeutische Fortschritt, der aus dem schnell anwachsenden Wissen um die Funktionen und Fehlfunktionen unseres Gehirns resultiert, vor allem den häufig auftretenden Erkrankungen zugute. Vor diesem allgemeinen Hintergrund setzt die Parkinson-Multicenterstudie, die jetzt gestartet werden kann, einen eher ungewöhnlichen Akzent. Dass es gelungen ist, für eine Medikamentenstudie bei selteneren neurologischen Krankheitsbildern öffentliche Mitteln zu gewinnen, kann als besonderer Erfolg gelten. Sowohl Wissenschaft als auch Politik erkennen zunehmend die Notwendigkeit, diese Krankheiten stärker als bisher zu beforschen, um den davon betroffenen Patienten wirkungsvoller helfen zu können. Dass öffentliche Geldgeber und Industrie gemeinsam eine solche Studie finanzieren, ist im Hinblick auf den hier anstehenden Forschungsbedarf ein erfreuliches Signal. Auch das Ausmaß des Kooperationsprojekts, die Integration von drei Ländern und über 40 Zentren, macht deutlich, welche Bedeutung dieser Forschungsarbeit beigemessen wird.

Jeder Patient, der an progressiver Blickparese (PSP) oder an Multisystematrophie (MSA) leidet und in die Studie einbezogen werden möchte, kann sich an eines der deutschen Zentren wenden.

Kontakt: Prof. Dr. Albert C. Ludolph, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie der Universität Ulm, Tel. 0731-50-27970 oder 0731-177-1200

Peter Pietschmann | idw

Weitere Berichte zu: Blickparese MSA PSP Parkinsonerkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise