Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Diagnoseverfahren erkennt Rheuma früher und präziser

13.09.2006
Jenaer Radiologen und Rheumatologen setzen DXR-Verfahren zur Arthritis-Früherkennung ein

Es beginnt unspektakulär und wenig bedrohlich mit leicht geschwollenen und schmerzenden Finger- und Zehengelenken, die morgens lange steif bleiben. Dieses oft als simple Alterserscheinung abgetane "eingerostet sein" ist für Experten ein Warnsignal, dass sich eine der verbreitetsten Erkrankungen ankündigt - Rheuma. Genauer die Rheuma-Art mit einer immer weiter fortschreitenden Gelenkzerstörung, die chronische Polyarthritis oder rheumatoide Arthritis (chronische Gelenkentzündung). So undramatisch sie beginnt, so ernst sind die Folgen: Im weiteren Verlauf zerstört die Autoimmunerkrankung nicht nur Gelenkknorpel und Knochen, sondern kann auch innere Organe angreifen. Sichtbares Zeichen der in den Gelenken tobenden Entzündungs- und Zerstörungsprozesse sind die z.T. bizarr verformten und kraftlosen 'Rheumahände'. "Diese verkrüppelten und massiv funktionell behinderten Hände möchten wir nie mehr sehen", appelliert Rheumaexperte Prof. Gert Hein vom Universitätsklinikum Jena. "Rheuma früh zu behandeln und zu stoppen, ist daher eines unserer wichtigsten Ziele."

Neue Röntgenbildanalyse zeigt Frühstadien gelenknaher Veränderungen

Auf dem Weg dahin ist den Jenaern inzwischen ein entscheidender Schritt gelungen: Mit Hilfe einer am UKJ erstmals bei Rheuma eingesetzten Diagnosemethode können jetzt die von Knorpelabbau und -zerstörung begleiteten Krankheitsprozesse zu einem viel früheren Zeitpunkt und mit größerer Sicherheit erkannt werden.

... mehr zu:
»Knochendichte »Radiologe »Rheuma

Zu verdanken ist dies einer neuen diagnostischen Methode, bei der der Radiologe Dr. Joachim Böttcher vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie gemeinsam mit den Rheumatologen um Professor Gert Hein das DXR-Messverfahren erstmals auch zur Frühdiagnose von echtem Gelenkrheuma eingesetzt hat. Dabei werden mit Hilfe der Digitalen Radiogrammetrie (engl. digital X-Ray radiogrammetry - DXR) durch ein spezielles Computerprogramm auf der Basis konventioneller Röntgenaufnahmen der Hand die für die Krankheit charakteristischen Verluste an gelenknaher Knochendichte, und mit Hilfe einer zusätzlichen Messtechnik die Weite des Gelenkspaltes präzise analysiert und ausgewertet. "Das Röntgenbild wird dazu eingescannt und rechnergestützt anhand von Messungen an Referenzpunkten ausgewertet", erklärt Dr. Böttcher das Verfahren. "Dabei können wir aus der Messung des äußeren Knochenmantels (Corticalis) der Mittelhandknochen auf die Knochendichte schließen. Wir sehen frühzeitig, ob die Entzündung den Knochen angreift und eine gelenknahe Osteoporose, ein erstes sehr alarmierendes Anzeichen, auftritt." Durch ein zusätzliches, semi-automatisches Verfahren ist die ebenfalls die Rheumaerkrankungen begleitende Verringerung der Gelenkspaltweite innerhalb eines Untersuchungsvorganges messbar. Böttcher: "Kombiniert liefern wir so ein rundes Bild über den Zustand der untersuchten Hand und damit über das mögliche Vorliegen bestimmter Formen rheumatischer Erkrankungen."

Frühere präzise Diagnose, weniger Belastung für Patienten

"Da Arthritis mit Angriffen der Entzündungszellen und deren Zellprodukte auf die Gelenke vor allem der Hände beginnt, ist es ein großer Vorteil, mit der DXR-Methode Messungen direkt in Gelenknähe vornehmen zu können," begründet Prof. Hein die Vorzüge der neuen Methode. "Ein weiterer entscheidender Fortschritt ist die Messung gleich zweier wichtiger Indikatoren - der gelenknahen Knochendichte und der Veränderung des Gelenkspaltes. Wir erwarten, dadurch viel präziser und damit oft um Monate früher als bisher Gelenkrheuma erkennen zu können", so Hein weiter. "Das hat entscheidende Auswirkungen auf den Behandlungserfolg, da frühe Stadien sehr viel besser therapierbar sind."

Ein weiteres Plus für die Patienten liegt auf der Hand: Für diese Diagnose genügt eine Röntgenaufnahme. "Ohne das von Dr. Böttcher entwickelte Verfahren müssten die Patienten für eine so aussagekräftige diagnostische Feststellung verschiedene Untersuchungen mit deutlich höherem Aufwand durchlaufen. In der Zusammenschau der Befunde würden wir mit Sicherheit erst in einem späteren Stadium entsprechende Hinweise auf eine chronisch-rheumatische Gelenkerkrankung sehen", beschreibt Hein.

Trotzdem warnen der Radiologe und der Rheumatologe vor überzogenen Erwartungen. "Auch wenn unsere Studienergebnisse darauf hindeuten, dass hier eine sehr aussagekräftige Früherkennungsmethode vorliegt, muss sich diese jetzt erst in der breiten Anwendung bewähren." Zudem bleibe es eine Diagnosemethode zur Früherkennung, deren Einsatz die Heilungschancen auch nur in frühen Stadien der Erkrankung verbessern kann. Gert Hein: "Bei fortgeschrittenem Rheuma können wir damit zwar besser den Therapieverlauf kontrollieren, aber keine Wunder im Sinne der Schadensreparatur bewirken".

Ansprechpartner:
Prof. Gert Hein
Rheumazentrum , Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 32 43 13
E-Mail: gert.hein[at]med.uni-jena.de
Dr. Joachim Böttcher
Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 33 480
E-Mail: joachim.boettcher[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Knochendichte Radiologe Rheuma

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise