Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prostatakrebs: Molekulares Profil soll Diagnosen absichern und Therapieempfehlung erleichtern

13.09.2006
Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Martiniklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf identifizieren Muster von Genaktivitäten, das Prostatakrebszellen in einem sehr frühen Stadium aufspürt

Ein erhöhter Wert beim PSA-Test auf Prostatakrebs muss grundsätzlich durch eine Biopsie abgesichert werden. In der Gewebeprobe sucht der Pathologe nach bösartig veränderten Zellen, die eine Krebserkrankung sicher nachweisen.

Was einfach klingt, ist in der Praxis oft mit großen Schwierigkeiten verbunden: So passiert es nicht selten, dass die feine Biopsienadel die winzigen Tumornester innerhalb des Prostatagewebes verfehlt. Die Probe weist dann nur unverdächtige Zellen auf, obwohl nach der Erfahrung des Arztes alles für die Anwesenheit eines Karzinoms spricht. Hat der Pathologe dagegen Krebszellen nachgewiesen, müssen Patient und behandelnder Arzt eine schwierige Entscheidung treffen: Ist der Krebs aggressiv und erfordert er eine Therapie, die teilweise mit schweren Nebenwirkungen belastet ist, oder reicht es aus, bei regelmäßiger Beobachtung einfach abzuwarten?

Privatdozent Dr. Holger Sültmann, Abteilung Molekulare Genomanalyse im Deutschen Krebsforschungszentrum, stellt auf der Tagung einen aussichtsreichen Ansatz vor, um Prostatakarzinome in Zukunft sicherer zu erkennen und möglicherweise ihre Aggressivität frühzeitig einschätzen zu können. In Zusammenarbeit mit Dr. Thorsten Schlomm und Dr. Olaf Hellwinkel aus der Martiniklinik (Prostatakrebs-Spezialklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf) verglichen Sültmann und seine Mitarbeiter die Genaktivität histologisch unauffälliger Gewebeanteile aus der Vorsteherdrüse von Prostatakrebspatienten mit der Genaktivität im Prostatagewebe gesunder Männer.

Die Wissenschaftler vermuteten, dass bei erkrankten Personen bestimmte Veränderungen im Genaktivitätsmuster einer histologisch sichtbaren Veränderung der Prostatazellen vorausgehen. Ihr Ziel ist, auch an Biopsieproben, die dem Pathologen unter dem Mikroskop noch unauffällig erscheinen, eine sichere Krebsdiagnose durchführen zu können. Dabei kristallisierte sich ein Muster an Genaktivitäten heraus, das wahrscheinlich ein sehr frühes Stadium der bösartigen Zellveränderungen kennzeichnet. Derzeit wird die Aussagekraft dieses Aktivitätsmusters an einem größeren Patientenkollektiv abgesichert. Voraussichtlich noch dieses Jahr kann mit der klinischen Erprobung des neuen Diagnoseverfahrens begonnen werden.

In einer zweiten Studie verglichen Sültmann und seine Hamburger Kooperationspartner bei 30 Prostatakrebspatienten die Aktivität von Genen im Tumorgewebe und angrenzenden gesunden Gewebe. Aus den insgesamt 324 Genen, bei denen Expressionsunterschiede festgestellt wurden, wählten die Forscher anhand mathematischer und zellbiologischer Kriterien zwölf Kandidaten, deren Aktivität besonders stark (teilweise bis zu achtfach) vom Normalgewebe abweicht. Diese zwölf reichen aus, um Krebs sicher zu erkennen. Eine Funktionsanalyse ergab, dass einige der zwölf Genprodukte das Invasionsverhalten der Tumorzellen mitbestimmen. Die meisten der zwölf Gene waren vorher noch nicht mit Prostatakrebs in Zusammenhang gebracht worden.

Im nächsten Schritt bestimmen die Wissenschaftler nicht mehr die Aktivität ihrer Kandidatengene, sondern quantifizieren die davon abgelesenen Proteine in den Tumorzellen. An der umfangreichen Tumorgewebebank der Hamburger Klinik wird geprüft, ob bestimmte Konzentrationsveränderungen dieser Eiweiße in den Krebszellen mit erhöhter Aggressivität des Tumors einhergehen - erste Hinweise dafür liegen bereits vor. Holger Sültmann erklärt dazu: "Bei Prostatakrebs werden Verbesserungen der Diagnostik dringend erwartet, aussagekräftige Tests auf molekularbiologischer Basis fehlen bisher. Noch sind wir mit unserer Entwicklung in einem rein experimentellen Stadium. Wir hoffen aber, dass die Genaktivitätsprofile in Zukunft Patienten und Ärzten bei der schwierigen Entscheidung helfen: Prostatakrebs - beobachten oder therapieren?"

Das Deutsche Krebsforschungszentrum veranstaltet die Tagung "GENOMICS AND CANCER 2006" in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN), einer Förderinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: Gen Genaktivität Pathologe Prostatakrebs

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie