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Neuer Ratgeber zu Klinischen Studien

15.01.2002


Deutsche Krebshilfe informiert Betroffene und Interessierte

Jährlich erkranken in Deutschland schätzungsweise 350.000 Menschen neu an Krebs. Je nach Tumorart und -stadium kann heute durchschnittlich die Hälfte aller erwachsenen Betroffenen geheilt werden. Bei Kindern überleben im Schnitt mehr als 70 Prozent die schwere Erkrankung. Diese Erfolge basieren auf systematischen Weiterentwicklungen der verschiedenen Behandlungsmethoden. Therapiestudien dienen dazu, hierbei für die Kranken die besten Behandlungskonzepte zu entwickeln. Die Deutsche Krebshilfe hat jetzt im Rahmen ihrer Reihe "Die blauen Ratgeber" die Broschüre "Klinische Studien" herausgegeben. Sie beschreibt, was Klinische Studien überhaupt sind, welche Arten von Studien es gibt und wie sie durchgeführt werden. Die allgemein verständliche Informationsschrift ist bei der Deutschen Krebshilfe kostenfrei erhältlich. Sie kann im Internet abgerufen werden.

Viele Krebskranke setzen ihre Hoffnung auf Fortschritte in der Medizin. In der Tat sind die im Vergleich zu früher deutlich besseren Heilungschancen bei zahlreichen Krebsarten auf eine systematische Weiterentwicklung der Chemo- und Strahlentherapie sowie auf perfektionierte Operationstechniken zurückzuführen. Aber von der Entdeckung bis zur Verschreibung eines neuen Arzneimittels ist es ein weiter Weg. Auch neue Operations- oder Bestrahlungstechniken müssen sorgfältig überprüft werden, bevor sie regelmäßig zum Einsatz kommen können.

Eine solche Überprüfung erfolgt in so genannten Klinischen Studien. Diese dienen dazu, optimale Behandlungskonzepte zu entwickeln. Und optimal aus der Sicht der Patienten bedeutet: so wirksam wie möglich und dabei so nebenwirkungsarm wie möglich. Ein gutes Beispiel für Erfolge, die sich durch Therapiestudien erzielen lassen, liefert die Behandlung von Brustkrebs. Hier konnte nachgewiesen werden, dass die psychisch und körperlich weniger belastende brusterhaltende Behandlung genauso erfolgreich ist wie die Brustamputation.

Viele Krebskranke haben jedoch noch nie von Therapiestudien gehört, und auch Ärzte nehmen im Behandlungsalltag noch zu selten Notiz davon. Die Broschüre der Deutschen Krebshilfe "Klinische Studien - Die blauen Ratgeber 39" erläutert allgemein verständlich, was Klinische Studien überhaupt sind, welche Arten von Studien es gibt und wie sie durchgeführt werden. Ziel des Ratgebers ist es, mit Vorurteilen gegenüber Therapiestudien aufzuräumen und möglichst viele Patienten zur Teilnahme an Studien zu motivieren. Die Broschüre gibt es kostenfrei bei: Deutsche Krebshilfe, Postfach 14 67, 53004 Bonn, Fax: 0228/ 72 99 0-11, E-Mail: deutsche@krebshilfe.de. Außerdem kann die Broschüre im Internet im Volltext gelesen und heruntergeladen werden.

Infokasten Therapiestudien

 

In Klinischen Studien - auch Therapiestudien genannt - werden Therapieverfahren an einer größeren Anzahl von Patienten statistisch geplant, systematisch überprüft und sorgfältig ausgewertet. Grundsätzlich unterscheidet man:

  • Präklinische Studien: Im Labor werden die physikalischen und chemischen Eigenschaften eines neuen Wirkstoffes oder einer neuen Behandlungstechnik untersucht.
  • Klinische Arzneimittelprüfungen in den Phasen I, II und III: In Deutschland dürfen nur Arzneimittel verschrieben und verkauft werden, deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachgewiesen sind. Hierzu müssen sie vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) offiziell zugelassen werden. Voraussetzung dafür ist, dass alle drei Phasen der klinischen Arzneimittelprüfung der Reihe nach erfolgreich durchgeführt wurden. Phase-IV-Studien überprüfen bereits zugelassene Medikamente.
  • Therapie-Optimierungs-Prüfungen (TOP): Etablierte Behandlungsmethoden werden zum Beispiel in anderer zeitlicher Abfolge oder mit anderen Dosierungsschemata angewendet oder neu kombiniert. Ziel ist es, die Heilungschancen von Patienten zu vergrößern oder ihre Lebensqualität zu verbessern. Bei der Durchführung von Studien werden äußere Einflussfaktoren zum Beispiel durch Randomisierung, Verblindung oder Doppel-Verblindung weitgehend ausgeschlossen. Eine Ethikkommission überprüft, ob alle Schutzbestimmungen eingehalten werden, und erteilt den Studienärzten die Zustimmung für ihr Vorhaben. Jede laufende Studie muss bei den Aufsichtsbehörden der Bundesländer angemeldet werden.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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