Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mitralklappenprothese macht Herzoperationen überflüssig

01.09.2006
Aachener Herz-Thorax-Chirurgen forschen an einer sich selbst aufbauenden Mitralklappe, die minimalinvasiv eingeführt werden kann

Statt schwerer Herzklappen-Operation lediglich ein kathetergestützter Eingriff: Was bisher für Menschen mit einer Mitralklappenerkrankung völlig undenkbar klingt, könnte dank Aachener Wissenschaftler in einigen Jahren Realität werden.

Herz-Thorax-Chirurgen am Universitätsklinikum Aachen entwickeln in Zusammenarbeit mit dem Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen (ITA) eine neuartige Verbundprothese, welche eine Herzklappe enthält. Das Faszinierende daran: Die Herzklappe baut sich nach ihrem Transport durch einen Katheter am Bestimmungsort im Herzen selbst auf. Dort übernimmt sie sofort ihre Aufgabe: Das Blut vom Vorhof in die linke Herzkammer - aber nicht zurück - fließen zu lassen. Ein Forschungsfeld, das künftig vielen Menschen das Leben retten kann, befand auch die Holste-Stiftung. Sie unterstützt das interdisziplinäre Forschungsprojekt in den nächsten anderthalb Jahren mit über 20.000 Euro.

Rund 4.000 Mitralklappen-Operationen werden jährlich im Bundesgebiet durchgeführt. Ein großer Eingriff, der für fünf bis sieben Prozent der Patienten mit schwerwiegenden Komplikationen verbunden ist. Der Plan der Aachener Herz-Thorax-Chirurgen sieht dagegen lediglich einen minimalinvasiven Eingriff vor: "Wir planen, an der Leiste zu punktieren und von dort aus einen etwa ein Zentimeter dicken Katheter zum Herzen hinaufzulegen", erläutert Mediziner Dr. Andreas Goetzenich. Durch diesen Schlauch wird die Prothese geführt, die unter anderem aus einem so genannten Formgedächtnismetall besteht.

... mehr zu:
»Herzkammer »Herzklappe »Katheter »RWTH

Nitinol baut sich in entsprechender Wärmeumgebung wieder in die vorher "gespeicherte" Form auf. Im Herzen angekommen, soll das zwischen vier und sechs Zentimeter Durchmesser große Nitinolgerüst für die Stabilität der gesamten Vorhofprothese und vor allem für einen sicheren Sitz der integrierten Ersatz-Mitralklappe sorgen.

Die Vorteile der katheterbasierten Methode liegen auf der Hand: Neben dem minimierten Operationsrisiko bietet das kathetergestützte Verfahren auch in Notfällen eine schnellere Möglichkeit der Erstversorgung Bis die neuartigen Mitralklappenprothesen klinischen Einsatz finden, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Problematisch erweist sich momentan noch die Halterung, da sich die Herzumgebung durch die regelmäßigen Kontraktionen stetig verändert. "Als nächsten Schritt planen wir die Tests der Prothese am Herz-Kreislaufmodell des Aachener Helmholtz-Instituts", so Andreas Goetzenich.

Mitralklappenerkrankungen sind insbesondere im Alter häufig. Hierbei wiederum ist die Undichtigkeit der häufigste Klappenfehler. In Folge entsteht ein Pendelfluss zwischen Vorhof und Herzkammer, wobei das Blut immer wieder in den Vorhof zurückfließt. Aber auch bei jüngeren Menschen kann es zu einer Beeinträchtigung der Mitralklappenfunktion kommen, etwa im Verlauf eines akuten Herzinfarkts.

Die das Entwicklungsprojekt unterstützende Stiftung wurde im Dezember 1997 von Prof. Werner Holste und seiner Ehefrau Gertraude eingerichtet. Der Ingenieur studierte, promovierte und habilitierte an der RWTH Aachen. Als außerplanmäßiger Professor hat er 35 Jahre in Vorlesungen zu den Auswirkungen der Gesetzgebung auf die Auslegung von Kraftfahrzeugen sein Wissen an Studierende weitergegeben. Aus Verbundenheit zur RWTH Aachen gründete er die Holste-Stiftung, die Forschungsprojekte auf den Gebieten des Maschinenbauwesens, der Medizin und der Elektrotechnik finanziert.

von Ilse Trautwein

Weitere Informationen bei:

Dr. Andreas Goetzenich
Klinik für Herz-Thorax-Chirurgie des
Universitätsklinikums Aachen
Tel.: 0241/80 85 118
E-Mail: agoetzenich@ukaachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Herzkammer Herzklappe Katheter RWTH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie