Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Radiofrequenz gegen Sodbrennen

14.01.2002


Schematische Zeichnung des Magens: Radiofrequenz-Katheter während der Therapie, mit aufgeblasenem Ballon zwischen Speiseröhre und Magen


Endoskopisches Verfahren wird an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in einer Langzeit-Studie untersucht

Erste Ergebnisse sind vielversprechend: Die endoskopische Radiofrequenz-Therapie scheint eine Alternative zu der bisherigen medikamentösen Behandlung bei Sodbrennen zu sein. Das Verfahren wurde von einem kalifornischen Unternehmen entwickelt und wird derzeit an mehreren europäischen Kliniken getestet. Die Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist eines der drei deutschen Zentren und hat europaweit die meisten Patienten behandelt: 25 Betroffene wurden bislang vom Team um Dr. Peter N. Meier versorgt. Das Ergebnis: Eine Behandlung reicht bei der Mehrzahl der Patienten aus, dass sie langfristig beschwerdefrei sind. Dies entspricht den Zahlen einer nordamerikanischen Studie mit 47 Patienten, bei der 87 Prozent der Betroffenen nach der Therapie keine Symptome mehr verspürten.

Was ist Reflux?

Zwischen Speiseröhre und Magen befindet sich ein Verschlussmechanismus, der wie eine Einbahnstraße arbeitet: Er lässt geschluckte Speisen oder Flüssigkeiten hindurch und hält nach der Passage den Mageninhalt zurück. Funktioniert der Verschluss nicht mehr, kann Magensäure in die Speiseröhre gelangen - dies wird medizinisch Reflux genannt. Typische Symptome sind Sodbrennen, saures Aufstoßen, Schmerzen hinter dem Brustbein und in selteneren Fällen auch Husten und Asthma.
Chronischer Reflux führt in der Speiseröhre zunächst zu einer Entzündung. Besteht der Rückfluss über längere Zeit, verändert sich die Speiseröhre - eine so genannte Barrett-Schleimhaut entsteht. Sie kann schlimmstenfalls zu Krebs führen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Als Standardtherapie werden derzeit Medikamente eingesetzt: Sie hemmen die Produktion von Magensäure und verhindern dadurch indirekt, dass saurer Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt. Patienten müssen die Substanzen meist über einen langen Zeitraum einnehmen.
Eine zweite Möglichkeit ist die Operation - allerdings verbunden mit den Risiken einer Vollnarkose. Zudem sind die Langzeit-Ergebnisse unbefriedigend.

Was ist die Radiofrequenz-Therapie und wie funktioniert sie?

Die Radiofrequenz-Therapie ist ein endoskopisch kontrolliertes Verfahren. Zunächst dient eine Magenspiegelung dazu, sich ein genaues Bild zu machen. Anschließend wird ein biegsamer Schlauch in die Speiseröhre geschoben. Er ist halb so dick wie ein normales Endoskop. Am unteren Ende des Schlauches befindet sich ein aufblasbarer Ballon. Er wird genau am Übergang von der Speiseröhre zum Magen aufgepumpt, so dass er rundherum an der Speiseröhrenwand anliegt. Danach werden vier kleine Nadeln ausgefahren, die die Radiofrequenz-Energie auf das Gewebe übertragen - vergleichbar mit einer leichten Erwärmung, jedoch ohne dass Zellen zugrunde gehen. Dies wird in kurzen Abständen auf mehreren Höhen wiederholt. Während des Eingriffs schlafen die Patienten; sie erhalten kurz zuvor eine Beruhigungsspritze. Die Behandlung dauert nicht länger als 40 Minuten.

Was bewirkt die Radiofrequenz-Energie?

Die zugeführte Energie regt die Speiseröhrenwand an, neues Bindegewebe zu bilden. Dadurch engt sich der Raum im Speiseröhren-Magen-Übergang von innen ein. Gleichzeitig werden Nervenenden stillgelegt, die sonst durch kleine spontane Impulse immer wieder dazu führen, dass sich der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen öffnet.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die möglichen Komplikationen entsprechen nahezu denen einer normalen Magenspiegelung. Dies können leichte Beeinträchtigungen des Wohlbefindens sein und Unverträglichkeitsreaktionen auf die verabreichten Medikamente. Auch treten sehr selten Entzündungen, Infektionen oder Blutungen der Speiseröhre auf. Des weiteren kann es am Tag der Therapie zu einem stärkeren Druckgefühl am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen kommen. Dies verschwindet meist innerhalb von 24 Stunden.

Wie geht es nach der Therapie weiter?

Zunächst müssen die gewohnten Medikamente acht Wochen lang weiter eingenommen werden, damit das neue Bindegewebe ausreichend Zeit hat sich zu bilden. Danach werden sie abgesetzt. Jetzt zeigt sich, ob der endoskopisch kontrollierte Eingriff den gewünschten Erfolg hat.

Im Rahmen der Beobachtung werden die Patienten, die mit dem Radiofrequenz-Verfahren behandelt wurden, über mindestens ein Jahr betreut. Sollten die Ergebnisse nach Abschluss der Untersuchungen auch weiterhin positiv sein, könnte das Verfahren regulär in der Therapie des Sodbrennens eingesetzt werden.


Weitere Informationen geben gern Dr. Peter N. Meier und Tina Nietzschmann aus der Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH, Telefon: (0511) 532-3302, E-Mail:  Nietzschmann.Tina@mh-hannover.de

Dr. Arnd Schweitzer | idw

Weitere Berichte zu: MHH Radiofrequenz-Therapie Sodbrennen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Immunsystem: Wer lockt die Polizisten auf Streife?
17.02.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Erstmals Herzpflaster aus Stammzellen für die Anwendung an Patienten mit Herzmuskelschwäche
17.02.2017 | Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung