Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Clopidogrel: Nicht für alle Patienten von Vorteil

25.08.2006
IQWiG legt vergleichende Nutzenbewertung zur Sekundärprophylaxe mit ASS vor

Es gibt derzeit keine Belege, dass Clopidogrel gegenüber Acetylsalicylsäure (ASS) in der Monotherapie einen generellen Zusatznutzen bei der Vermeidung von Folgekrankheiten (Sekundärprophylaxe) bei Patienten mit Gefäßerkrankungen hat.

Bei der Langzeitbehandlung von Patienten mit fortgeschrittener peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) hingegen hat Clopidogrel nachweislich Vorteile gegenüber ASS. Die derzeit verfügbaren Studien liefern keine Erkenntnis, ob Clopidogrel besser als ASS die Lebensqualität oder die Behandlungs- und Therapiezufriedenheit steigern kann. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), den das Institut am 25. August 2006 publiziert hat.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte das IQWiG mit der Nutzenbewertung von Clopidogrel bei Patienten mit Herz- und/oder Gefäßerkrankungen beauftragt. Konkret sollte das Institut den Nutzen von Clopidogrel und Acetylsalicylsäure (ASS) in der Monotherapie zur Sekundärprophylaxe bei Patienten mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße (KHK), Gefäßerkrankungen des Gehirns (ZVK) und Erkrankungen der weiter vom Herzen entfernt liegenden Gefäße (pAVK) vergleichen und bewerten. Außerdem sollte geprüft werden, ob sich ein Medikamentenwechsel von einer ASS-Therapie auf eine Behandlung mit Clopidogrel bei vorausgegangenen unerwünschten Nebenwirkungen (thromboembolische Ereignisse oder schwerwiegende Blutungen) hinsichtlich patientenrelevanter Therapieziele positiv auswirkt.

Vorteil nur bei symptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit nachgewiesen

Die Langzeittherapie mit Clopidogrel (Monotherapie) hat im Vergleich zu einer Behandlung mit ASS bei Patienten mit symptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) einen Zusatznutzen. Die Literaturanalyse zeigt, dass das Risiko für vaskuläre/thromboembolische Ereignisse wie etwa Gefäßverschluss mit anschließendem Herzinfarkt oder Schlaganfall bei dieser Patientengruppe statistisch signifikant sinkt. Für die Reduktion der Gesamtsterblichkeit war indes kein Nachweis zu finden. Auch für Patienten im Frühstadium einer pAVK fanden sich keine Belege für eine Überlegenheit von Clopidogrel. Unklar bleibt auch, ob sich für die Gruppe der Patienten mit KHK bzw. ZVK (ohne gleichzeitige pAVK) positive oder gar nachteilige Effekte durch Clopidogrel im Vergleich zu ASS ergeben. In diesem Zusammenhang beanstanden die Kölner Wissenschaftler, dass wesentliche Ergebnisse einer bereits abgeschlossenen Studie mit KHK-Patienten bisher nicht vollständig publiziert wurden und dadurch eventuell eine suboptimale Versorgung der Patienten in Kauf genommen werden muss.

Für Patientengruppen mit einem höheren Risiko für thromboembolische Ereignisse, wie beispielsweise Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten, Diabetes mellitus oder ausgeprägter Atherosklerose in mehr als einer Gefäßregion, liefern die Studienergebnisse keinen Nachweis hinsichtlich besonders vorteilhafter Effekte von Clopidogrel gegenüber ASS.

Nach derzeitigen Erkenntnissen profitieren Patienten die unter der Behandlung mit niedrig dosiertem ASS eine Blutungskomplikation erlitten haben, nicht von einer Umstellung auf Clopidogrel. Hier existieren im Gegenteil Hinweise, dass mit niedrig dosiertem ASS bei zusätzlicher Gabe eines Protonenpumpenhemmers ein höherer Patientennutzen erzielt werden könnte als mit einem Wechsel der Medikation.

Keine validen Studiendaten zu Lebensqualität und Schmerzen vorhanden

Generell stellen die Kölner Wissenschaftler fest, dass keine der eingeschlossenen Studien das Ziel verfolgte, Vor- und Nachteile der einzelnen Therapievarianten konkret auf die Lebensqualität der Patienten zu beziehen. In den Studien ließen sich zum Beispiel keine Informationen dazu finden, ob Clopidogrel besser als ASS krankheitsassoziierte Symptome wie Geh- oder Ruheschmerz oder vom Herz ausgehende Beschwerden (pektanginöse Beschwerden) reduzieren kann. Ebenso wenig konnten Fakten gefunden werden, die darauf hinweisen, dass Clopidogrel die körperliche Belastbarkeit erhöht oder die Fähigkeit zur Erledigung von Alltagsaktivitäten verbessern kann.

Dr. Anna-Sabine Ernst | idw
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

Weitere Berichte zu: ASS Clopidogrel Gefäßerkrankung Verschlusskrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die Kieler Förde – ein Trainingsbecken für Miesmuscheln

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskop im Kugelschreiberformat: Auf dem Weg zur endoskopischen Krebsdiagnose

28.04.2017 | Medizintechnik

Leipziger Forscher kreieren borhaltiges künstliches Vitamin

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie