Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Junge Frau mit männlichen Immunzellen bekommt ein gesundes Kind

25.08.2006
Die glückliche Entbindung einer 31-jährigen Patientin in der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum der Universität München - Großhadern stellt eine Sensation dar. Vor knapp fünf Jahren war die Patientin an einer lebensbedrohlichen akuten myeloischen Leukämie erkrankt.

Nach erfolgreicher Chemo- und Strahlentherapie sowie einer Knochenmarkstransplantation wurde die Patientin mit Hormonen behandelt. Die Eierstockfunktion konnte so über Monate hinweg wieder stabilisiert werden und die Frau wurde schließlich schwanger. Das Kind, ein 3020 Gramm schwerer Junge, kam am 11. August 2006 gesund zur Welt.

Die damals 26-jährige Frau erhielt aufgrund ihrer Leukämieerkrankung mehrere Zyklen einer hochdosierten Chemotherapie. Die große Gefahr eines Rückfalls jedoch blieb. Nach einer weiteren Chemotherapie und Ganzkörperbestrahlung entschloss sich das Ärzteteam um Professor Dr. Hans-Jochem Kolb, Leiter der Jose Carreras Transplantationseinheit in Großhadern, zu einer Stammzelltransplantation. Dabei bekam die Patientin nach Zerstörung von Knochenmark und Immunsystem die Stammzellen ihres jüngeren Bruders transplantiert. In den folgenden Wochen begann das Knochenmark des Bruders langsam rote und weiße Blutkörperchen zu bilden, das Blut- und Immunsystem des Mannes etablierte sich zunehmend im Körper der jungen Frau.

Kontrolluntersuchungen zeigten, dass keine Reste der Leukämiezellen, sondern nur gesunde Blutzellen mit dem männlichen Chromosomensatz - also den Blutzellen des Bruders - zu finden waren.

... mehr zu:
»Immunsystem »Schwangerschaft

"Diese Schwangerschaft ist eine der ersten nach Leukämie und Ganzkörperbestrahlung", betont Pro-fessor Dr. Christian J. Thaler, Leiter der Gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin in Großhadern. "Offensichtlich toleriert das Immunsystem eines Mannes, in diesem Fall das des Stammzellspenders, ohne weiteres ein heranwachsendes Kind und die dazugehörige Plazenta." Selbst bei gesunden Frauen zählt eine inadäquate Immunreaktion gegen den Fötus immer wieder zu den möglichen Ursachen von Fehlgeburten oder sogar Kinderlosigkeit. Der erfolgreiche Verlauf der Schwangerschaft ist auch deshalb ausgesprochen glücklich, weil die Mediziner die heute bei Krebspatientinnen möglichen Vorsorgemaßnahmen damals noch nicht durchführen konnten. "Wir können dem Funktionsausfall der Eierstöcke durch Krebs-Therapien inzwischen wirksam mit einer hormonellen Schutzbehandlung vorbeugen, gegebenenfalls hilft auch das Einfrieren von Eizellen", erklärt Professor Thaler. Vor fünf Jahren war diese Behandlung zum Schutz der weiblichen Fruchtbarkeit noch nicht so weit fortgeschritten.

Es schien, als ob die Eierstöcke der Patientin durch die Leukämiebehandlung, insbesondere durch die Bestrahlung, funktionslos geworden waren. Daher erhielt sie am Klinikum der Universität München in Großhadern nach der Transplantation eine Hormonbehandlung, mit der die Eierstöcke wieder angeregt werden sollten. Im Laufe der folgenden Monate trat schließlich eine weitgehend regelmäßige Eier-stocksfunktion ein. Als Anfang des Jahres 2006 die Periode erneut ausblieb, dachten die Ärzte zunächst an Eierstockversagen, doch die Untersuchungen bei Professor Thaler ergaben schnell ein anderes Ergebnis. Die ehemalige Krebspatientin war schwanger. Das Risiko für die Mutter selbst war kaum erhöht, etwas anders stellte sich die Situation aber für das ungeborene Leben dar: vor allem durch die Ganzkörperbestrahlung der Mutter war das Risiko für Chromosomenstörungen erhöht und zwar auf etwa 6 Prozent. Sowohl die Ergebnisse einer Fruchtwasserpunktion wie auch sämtliche Ultraschalluntersuchungen ergaben jedoch völlig unauffällige Befunde. Die Schwangere wurde intensiv an der Frauenklinik in Großhadern unter Leitung von Professor Dr. Klaus Friese betreut, die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen.

Am 11. August 2006 wurde die junge Frau durch Professor Dr. Ernst-Rainer Weissenbacher in der Frauenklinik in Großhadern von einem kerngesunden, 3020 Gramm schweren Jungen entbunden. Mutter und Kind sind wohlauf. Professor Thaler sieht darin auch eine Bestätigung für ein bundesweites Netzwerk: "Dieser glückliche Verlauf ist ein großer Aufschwung für unser Netzwerk FertiProtekt - dem deutschlandweiten Zusammenschluss von Reproduktionsmedizinern deutscher Universitätsfrauenkliniken. Unser Ziel ist es, jungen Frauen auch nach einer Krebsbehandlung zu einer Schwangerschaft zu verhelfen. Besonders wichtig dabei ist, dass schon vor Chemo- und Strahlentherapie an Maßnahmen zu Erhaltung der Fruchtbarkeit gedacht wird."

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Christian J. Thaler
Leiter der Gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU
München - Großhadern
81377 München
Tel: +49-89-7095-4588;
Fax: +49-89-7095-7588;
Mobil: 0170-4940540
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 85.000 Patienten stationär und 371.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über etwa 2.400 Betten. Von insgesamt 9000 Beschäftigten sind rund 1800 Mediziner. Jährlich finden zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Kongresse und Tagungen, sowie Kurse und Informationsveranstaltungen für Patienten statt. Das Klinikum der Universität München zählt zu den größten Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und hat im Jahr 2004 mehr als 52 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Seit 1. Juni 2006 ist das Klinikum der Universität München eine Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/presse
http://www.kinderwunsch-uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Immunsystem Schwangerschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Wolkenmacher“: Wie Unternehmen Vertrauen aufbauen

18.08.2017 | Unternehmensmeldung

Beschichtung lässt Muscheln abrutschen

18.08.2017 | Materialwissenschaften

Fettleber produziert Eiweiße, die andere Organe schädigen können

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie