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Neue medikamentöse Therapien bei Darmerkrankungen, Hepatitis und Diabetes

22.08.2006
Im Jahr 2005 wurden in Deutschland 35 neue Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen zugelassen. Weitere stehen kurz vor der Zulassung. Experten stellen während der Gastroenterologie 2006 die Medikamente vor, die bei Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen erfolgreich eingesetzt werden können. Die Jahrestagung findet vom 13. bis 16. September in Hannover statt.

Seit Beginn des Jahres ist das Medikament Infliximab, ein TNF-alpha-Blocker, auch für die Behandlung von Colitis ulcerosa zugelassen. Der Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF) ist ein entzündungsfördernder Botenstoff des Immunsystems, der bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen überproduziert wird. TNF-alpha-Blocker fangen die Botenstoff-Moleküle ab und dämmen die Entzündung so wirkungsvoll ein. Colitis ulcerosa-Patienten, bei denen die übliche Behandlung nicht anschlägt, können mit dem neuen Präparat ihre Heilungschancen verbessern.

Adalimumab, ein weiterer TNF-alpha-Blocker, ist bisher für Darmerkrankungen noch nicht zugelassen. Seit 2006 wird es in Deutschland bei rheumatoider Arthritis eingesetzt. Für Morbus Crohn-Patienten könnte das neue Medikament die Therapie verbessern. Es hat den Vorteil, dass es voll humanisiert ist und keine tierischen Bestandteile enthält: "Dies vermeidet Komplikationen aufgrund von Immunreaktionen gegen Mausbestandteilen, die in anderen Präparaten sind", berichtet Professor Dr. med. Stefan Endres, Gastroenterologe und Leiter der Abteilung Klinische Pharmakologie der Ludwig-Maximilians-Universität, München.

Auch verschiedene Einsatzmöglichkeiten so genannter Oligonukleotide sind Themen im Rahmen der Gastroenterologie 2006. Oligonukleotide sind bestimmte, sehr kurze Abschnitte in der Erbsubstanz. Bakterien und Viren besitzen in ihrem Erbgut charakteristische "CpG-Oligonukleotide". Das menschliche Immunsystem erkennt diese Strukturen und leitet bei Kontakt entsprechende Abwehrreaktionen ein. In klinischen Studien wird derzeit untersucht, inwieweit sich CpG-Oligonukleotide einsetzen lassen, um das Immunsystem zur Abwehr von Krankheitserregern anzuregen. Ermutigende Ergebnisse fanden sich bei der Behandlung von chronischer Virushepatitis C.

Ein weiteres Thema ist ein neues Diabetes-Medikament, das wahrscheinlich ab 2007 in Deutschland zur Verfügung steht: In den USA ist ein Analogon des Darmhormons Glucagone-like-peptide-1 (GLP-1) zur Therapie bei Typ 2-Diabetikern zugelassen. Das gentechnisch herstellbare Speichelgift einer Krustenechse steigert die Insulinabsonderung im menschlichen Körper abhängig vom Blutzuckergehalt.

Schließlich hat es auch entscheidende Neuerungen in der Therapie der Virushepatitiden gegeben. Zur Behandlung der chronischen Hepatitis B stehen mehrere direkt antivirale Substanzen zur Verfügung - seit zwei Wochen ist außerdem das Nukleosidanalogon Entecavir in Deutschland verfügbar. "Damit haben wir noch bessere Möglichkeiten in der Therapie des Hepatitis B, insbesondere für Patienten mit sehr hoher Viruslast und für Patienten mit Leberzirrhose, bei denen das Auftreten von Resistenzen bisher große Probleme verursacht hat", erklärt Kongresspräsident Professor Dr. med. Michael P. Manns, Hannover.

TERMINHINWEISE:
Symposium: Neue Medikamente in der Gastroenterologie
Donnerstag, 14. September 2006, 14:00-16:00 Uhr,
Konferenzraum 8/10, Hannover Congress Centrum
Arzt-Patienten-Seminar DCCV
Neue Therapien bei CED
Samstag, 16. September 2006, 9.00-13.15 Uhr
Kuppelsaal, Hannover Congress Centrum
Die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung - DCCV - e.V. ist der Selbsthilfeverband für die etwa 300.000 Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit in Deutschland. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung ist erwünscht unter info@dccv.de
KONTAKT/Akkreditierung für Journalisten:
Pressestelle, Beate Schweizer, Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart, Tel.: 0711 8931 295, Fax: - 167, Schweizer@medizinkommunikation.org. Mit der Bestätigung erhalten Sie von uns das Hauptprogramm der Gastroenterologie 2006, das voraussichtlich Ende August erscheint.

| idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org
http://www.dgvs.de

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