Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

UKE: "Künstliche Lunge" erstmals in Hamburg angewandt

21.08.2006
Erstmals im Hamburger Raum ist in der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ein Lungenersatzsystem, eine so genannte "künstliche Lunge", mit Erfolg angewandt worden. Es wurde in der Nacht vom 10. auf den 11. August 2006 bei einem 61-jährigen Patienten aus Nordfriesland eingesetzt, der nach einer Operation ein schweres Lungenversagen erlitten hatte. Das Gerät entlastete den Patienten von der konventionellen mechanischen Beatmung und sorgte dafür, dass die Lunge schneller heilte.

Die konventionelle mechanische Beatmung ist für den Patienten nicht unproblematisch: Während beim natürlichen Atemvorgang die Luft mit Unterdruck in die Lunge gesaugt wird, presst die Beatmungsmaschine die Atemluft in die Lungenbläschen und kann dadurch die bereits geschädigte Lunge noch weiter schädigen. Die Chancen auf die Wiederherstellung der Lunge können sich dadurch verschlechtern.

Das neuartige extrakorporale (außerhalb des Körpers angeschlossene) Lungenersatzsystem wird mit Kanülen über Leistenarterie und -vene mit dem Blutkreislauf verbunden. Der Brustkorb muss also nicht geöffnet werden. Ohne mechanische Pumpen, nur durch den Druckunterschied zwischen Arterie und Vene, wird das Blut durch die "künstliche Lunge" getrieben. Spezielle Membranen in dem nur 14 mal 14 Zentimeter großen Kästchen ersetzen die menschlichen Lungenbläschen und entfernen das gesamte Kohlendioxid aus dem Blut. In der Regel benötigen betroffene Patienten eine Lungenunterstützung durch das System von rund zehn Tagen; es sind aber auch bereits Anwendungen von über einem Monat vorgekommen.

Sofort nach dem Anschluss der "künstlichen Lunge" konnte die mechanische Beatmung des Hamburger Patienten um rund 30 bis 40 Prozent reduziert werden; innerhalb von sieben Tagen erholte sich die "ruhig gestellte" Lunge zusehends. Mittlerweile konnte das System abgestellt werden, die Kanülen wurden entfernt. Der Patient erwachte mit weitgehend wiederhergestellter Lungenfunktion aus dem "künstlichen Koma" (Narkose). Er befindet sich weiterhin auf Intensivstation. Sein Gesundheitszustand ist stabil. Er atmet selbstständig mit geringer mechanischer Unterstützung, die kontinuierlich reduziert wird.

... mehr zu:
»Intensivmedizin »Lunge »UKE

Das Einmalsystem kostet rund 2500 Euro und wird bei Bedarf innerhalb von sechs Stunden von einer Firma aus Süddeutschland geliefert.

Bisher wurde die neuartige Technologie in Deutschland bei rund 200 Patienten eingesetzt. Die bisherigen Ergebnisse sind so viel versprechend, dass in einer großen multizentrischen Studie, an der sich auch die Klinik für Intensivmedizin beteiligt, noch in diesem Jahr untersucht werden soll, ob die Therapie mit der "künstlichen Lunge" bei bestimmten Formen des Lungenversagens bessere Aussichten bietet als die klassische Beatmungstherapie und diese ersetzen kann.

Informationen bei Dr. Axel Nierhaus oder Prof. Dr. Karl-Georg Kreymann, Klinik für Intensivmedizin, Tel.: 040/42803-7010.

Dr. Marion Schafft | idw
Weitere Informationen:
http://www.uke.uni-hamburg.de

Weitere Berichte zu: Intensivmedizin Lunge UKE

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert

09.12.2016 | Physik Astronomie