Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen-Check zur Vorhersage von Metastasen

07.08.2006
Mediziner am UKM erforschen Verbesserung der Prognose und Therapie bei Lungenkrebs

Lungenkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr über 42.000 Menschen an diesem Krebsleiden, dessen Heilungserfolge trotz intensiver Forschung und Behandlung immer noch sehr schlecht sind. Obwohl die Aussichten bei frühzeitiger Behandlung deutlich steigen, kommt es bei einem Teil der Patienten trotz vollständiger operativer Entfernung des Tumors zu erneuten bösartigen Geschwülsten oder zu Fernmetastasen.

Wissenschaftler an der Medizinischen Klinik A des Universitätsklinikums Münster (UKM) haben jetzt im Rahmen eines von der Wilhelm-Sander-Stiftung unterstützten Forschungsprojektes Gene identifiziert, die das Risiko einer Metastasenbildung beeinflussen. Ziel weiterer Forschungsarbeiten an dieser Klinik ist es nun, auf der Grundlage dieser Erkenntnisse die Prognose und Therapie nachhaltig zu verbessern.

So schwebt den münsterschen Wissenschaftlern Privatdozent Dr. Carsten Müller-Tidow und Prof. Dr. Hubert Serve vor, künftig die Patienten herauszufiltern, die aufgrund der genetischen Veränderungen der Tumorzellen ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Tochtergeschwülsten haben. In diesem Fall ist im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie sinnvoll, um das Auftreten der Metastasen zu verhindern. Auf der anderen Seite könnte denjenigen Patienten, die dieses Risiko nicht aufweisen, diese belastende Behandlung erspart bleiben. Um eine solche gezielte Therapie von Lungenkrebs-Patienten zu erreichen, arbeiten die Forscher an der Entwicklung eines Genchips, der die gleichzeitige Analyse von bis zu 250 Genen ermöglicht. Mit Hilfe eines solchen Gen-Checks, so das Ziel der Forschung, könnten dann schnell und zuverlässig das individuelle Risiko einer Metastasen-Bildung und die jeweiligen Heilungschancen vorhergesagt und auf dieser Grundlage für jeden einzelnen Patienten die optimale Therapiestrategie entwickelt werden.

... mehr zu:
»Gen »Gen-Check »Lungenkrebs »Metastase

Die beteiligten Mediziner konzentrieren sich in ihrem Forschungsprojekt auf so genannte "Nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome", die eine besonders häufige Form des Lungenkrebses darstellen. Trotz kompletter Entfernung kommt es bei dieser Tumorart auch in frühen Stadien häufig zum Auftreten von Fernmetastasen. Bislang war es nicht möglich, vorherzusagen, bei welchen Patienten dieses Risiko besteht und die daher nach erfolgreicher Operation noch einer weiteren Behandlung bedürfen. Die bisherigen Forschungsergebnisse der münsterschen Wissenschaftler lassen erwarten, dass sich diese unbefriedigende Situation künftig nachhaltig verbessert. So gelang Müller-Tidow und Serve, die für ihre Arbeiten unter anderem mit dem Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie ausgezeichnet wurden, der Nachweis, dass insgesamt 39 Gene eng mit dem späteren Auftreten von Fernmetastasen korreliert sind. Ziel weiterer Forschungen ist es nun, anhand funktioneller Untersuchungen aufzuklären, wie und durch welche Mechanismen die identifizierten Gene die Fähigkeiten des Tumors zur Metastasenbildung erhöhen. Am Ende der Entwicklung soll der Genchip stehen. Mit dessen klinischer Einführung und breiten Anwendung würde die Diagnose Lungenkrebs zwar nichts von ihrem Schrecken verlieren, die Perspektive für eine Heilung dieser Tumorerkrankung aber womöglich deutlich besser.

Kontakt: PD Dr. Carsten Müller-Tidow
Klinik u. Poliklinik für Innere Medizin A
Universitätsklinik Münster
Albert-Schweitzer-Str. 33
48149 Münster
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 300.000 €
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Gen Gen-Check Lungenkrebs Metastase

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie