Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wanderung von Hautkrebszellen aufhalten

07.01.2002


Innovative Krebsforschung als Alternative zu Tierversuchen

Köln (so) - Das Maligne Melanom der Haut gehört zu den aggressivsten Tumoren: Es streut seine bösartigen Zellen im Körper und siedelt sich in Lymphknoten und Organen ab. Sind Tochtergeschwülste (Metastasen) in der Lunge, in der Leber oder im Gehirn nachweisbar, ist die Tumorerkrankung oft kaum noch zu beherrschen. Bislang weiß man aber nur sehr wenig über die Vorgänge, die eine Hautkrebszelle zur wandernden tödlichen Gefahr werden lassen. Wissenschaftler aus Köln analysieren jetzt die initialen Vorgänge der Metastasierung mit einem neuen Versuchsmodell: Sie lassen in einem Stück menschlicher Haut Melanomzellen wachsen und untersuchen deren Wanderungsverhalten. Die Ergebnisse dieser Studie könnten neue therapeutische Ansätze liefern, um die Tumormetastasierung im Keim zu ersticken. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt die Arbeiten mit rund 150.000 Euro.

Jedes Jahr erkranken 100.000 Menschen in Deutschland an Hautkrebs, rund 6.300 davon am besonders bösartigen schwarzen Hautkrebs, dem so genannten Malignen Melanom. Schäden im Erbgut der Pigmentzellen (Melanozyten) können zur bösartigen Umwandlung und letztlich zum Malignen Melanom führen. Im Vergleich zu anderen Hautkrebsformen, wie dem Basalzellkrebs und dem Stachelzellkrebs, ist das Maligne Melanom besonders aggressiv. Der Grund: Melanomzellen lösen sich sehr früh aus ihrem Zellverband und können in tiefer gelegene Hautschichten einwandern. Am Ende ihrer Reise durch das Bindegewebe dringen sie in das Gefäßsystem ein und werden so als blinde Passagiere mit dem Blutstrom im ganzen Körper verteilt. Als Folge dieser Wanderschaft können Tochtergeschwülste in den unterschiedlichsten Organen entstehen. Am häufigsten finden sich Zweittumore in den Lymphknoten, in der Lunge, in der Leber oder im Gehirn. Werden Metastasen nachgewiesen, ist der Tumor nur selten zu beherrschen. Das Fatale daran: Einige der Hautkrebszellen begeben sich vermutlich schon auf Wanderschaft, wenn das Maligne Melanom gerade mal einen Millimeter dick ist. Bereits ab einer Dicke von vier Millimetern haben sich in den meisten Fällen längst Metastasen gebildet.

Wie sich die Melanomzellen ihren Weg durchs Bindegewebe bahnen, versteht man bislang nur in Ansätzen: Die Tumorzellen bauen Bindegewebe ab und nutzen die Bindegewebsfasern, um sich festzukrallen und Millimeter für Millimeter zu wandern.

An der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie der Universität Köln versuchen Wissenschaftler nun mit einem neuen Versuchsmodell detaillierte Einblicke in die initialen Vorgänge dieser Metastasierung zu gewinnen. Unter der Leitung von Privatdozentin Dr. Cornelia Mauch und Privatdozent Dr. Nico Hunzelmann lassen die Forscher Melanomzellen auf einem Stück menschlicher Haut wachsen. Die oberste Hautschicht (Epidermis) wird zuvor entfernt, so dass die Krebszellen direkt auf der Bindegewebsschicht wachsen können. Das ungefähr ein Quadratzentimeter große Hautstück liegt auf einem Metallnetz, welches in Nährmedium schwimmt. Über mehrere Wochen untersuchen die Wissenschaftler an diesem Modell das Wanderungsverhalten der Krebszellen. Cornelia Mauch: "Aufwändige Tierversuche werden dadurch reduziert."

Drei Proteingruppen stehen im besonderen Interesse der Kölner Arbeitsgruppe: Serin-, Cystein- und Matrix-Metalloproteinasen. Sie werden verdächtigt, für die Zellwanderung verantwortlich zu sein. "Gelingt es uns, die genauen Aufgaben der einzelnen Proteingruppen bei der Metastasierung aufzudecken, könnte die gezielte Blockade dieser Proteinasen die Krebszellen an der Wanderung hindern", so die Projektleiter. Die Blockade der Proteinasen bildet den zweiten Teil des Projektes: Verschiedene Substanzen werden hinsichtlich ihrer Fähigkeit analysiert, die ersten Schritte der Tumormetastasierung zu unterdrücken.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Hautkrebszelle Krebszelle Maligne Melanom Melanomzelle Metastase

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise