Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welche Rolle spielen psychische Faktoren bei der Entstehung von Krankheiten?

07.01.2002


Heidelberger Forscherteam startet eine Feldstudie über die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Gesundheit oder Krankheit - Mehr als 5000 Frauen und Männer werden befragt

Krebs- und Herzkreislauferkrankungen stellen in allen Regionen der Erde ein erhebliches Problem dar. In den westlichen Ländern sind sie die mit Abstand häufigsten Todesursachen. Aus diesem Grunde richten sich intensive Forschungsbemühungen sehr vieler Wissenschaftsdisziplinen auf die Ursachen, die Vermeidung und die Behandlung der besagten Krankheitsformen.

Was die Beteiligung von psychischen Faktoren bei der Genese von Krebs- und Herzkreislauf-Erkrankungen angeht, so liegen in der Zwischenzeit aus epidemiologischen Untersuchungen sowie Fall-, Verlaufs- und Interventionsstudien zahlreiche Anhaltspunkte dafür vor, dass psychische Merkmale bei der Entstehung und dem Verlauf der beiden Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Welche psychologischen Faktoren dieses im Einzelnen sind, wie ihre relative Bedeutung zueinander zu bewerten ist und welche Krankheiten über Krebs- und Herzleiden hinausgehend unter ihrem Einfluss stehen, ist Gegenstand einer größeren Feldstudie, zu der in diesen Tagen in Heidelberg und Umgebung mit den Erhebungsarbeiten begonnen wird.

Die Studie trägt den Namen HEIDE, u.z. als Abkürzung von Heidelberger Langzeitstudie zu Risikofaktoren und Diagnose chronischer Erkrankungen. Sie wird gemeinsam durchgeführt vom Psychologischen Institut der Universität (Prof. Dr. rer. nat. Manfred Amelang) und dem Deutschen Zentrum für Alternsforschung DZFA (Privat-Dozent Dr. med. Til Stürmer). Ausgangspunkt ist eine Stichprobe von mehr als 5.000 Personen beiderlei Geschlechts, die vor 10 Jahren zwischen 40 und 65 Jahre alt waren und seinerzeit einen umfangreichen Fragebogen zu Persönlichkeitsmerkmalen, zu Lebens-, Ernährungs- und Arbeitsgewohnheiten sowie ihren gesundheitlichen Status bearbeitet hatten. Die damals festgestellten Ergebnisse sind in vielerlei Hinsicht aufschlussreich, aber die gefundenen Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Gesundheit/Krankheit bedürfen einer längsschnittlichen Absicherung, d.h. erst wenn sicher gestellt ist, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Lebensstile verschiedenen Krankheiten vorausgehen, können diese eher als deren "Ursache" und nicht nur Begleiteffekte oder gar Folge von Krankheiten aufgefasst werden.

Aus diesem Grunde werden nunmehr Nachbeobachtungen an denselben Personen durchgeführt. Diese hatten seinerzeit die Einwilligung gegeben, dass sich das Forscherteam erneut an sie wenden und bei den Einwohnermeldebehörden ihre ggf. geänderte Anschrift erfragen dürfe. Die besagten Personen werden schriftlich und auch mündlich kontaktiert und erneut um die Beantwortung einer ganzen Reihe von Fragen gebeten; ihre Antworten werden an das Psychologische Institut zurückgeschickt. Dort findet - wie es die Bestimmungen des Datenschutzes erfordern - eine Trennung von Name sowie Anschrift von den wissenschaftlichen Untersuchungsdaten statt. Mit dem Einverständnis der Befragungspersonen sollen auch Zellen der Mundschleimhaut mittels einer Mundspülung gewonnen und per Post verschickt sowie in Einzelfällen ein Kontakt zu den behandelnden Ärzten hergestellt werden. Alle Angaben und Proben werden vollständig anonymisiert im DZFA aufbewahrt und ausgewertet.

Die Längsschnittstudie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und ist in allen Einzelheiten von der Ethik-Kommission der Universität bestätigt worden. Sie wird einen bedeutsamen Beitrag zum Erkenntnisstand liefern und die Voraussetzungen für die Entwicklung wirksamer Präventionsprogramme für Krebs und Herzkreislauferkrankungen entscheidend verbessern.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. Manfred Amelang
Psychologisches Institut
der Universität Heidelberg
Tel. 06221 54 73 28, Fax 54 73 25
E-Mail: manfred.amelang@psychologie.uni-heidelberg.de

Privatdozent Dr. Til Stürmer
Deutsches Zentrum für Alternsforschung (DZFA)
Tel. 06221 54 81 45
E-Mail: stuermer@dzfa.uni-heidelberg.de

allgemeine Rückfragen von Journalisten an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
E-Mail: michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw

Weitere Berichte zu: DZFA Herzkreislauferkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten