Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapiestudie für frisch entdeckte Typ 1 Diabetiker - Schutz vor dem eigenen Immunsystem

25.07.2006
Zwei bereits bekannte Wirkstoffe, Mycophenolatmofetil und Daclizumab, werden seit Juni 2006 auch bei neu diagnostiziertem Typ 1 Diabetes eingesetzt - im Rahmen einer bundesweiten Studie zum Erhalt der körpereigenen Insulin-Restproduktion. Der durch die Behandlung erhaltene Anteil körpereigenen Insulins soll die Stoffwechseleinstellung verbessern und dadurch das Risiko für Begleiterkrankungen senken.

Die beiden Wirkstoffe Mycophenolatmofetil (MMF) und Daclizumab (DZB) werden bereits seit einiger Zeit in der Transplantationsmedizin zur Verhinderung von Organabstoßungen eingesetzt, MMF erwies sich außerdem als erfolgreich bei der Therapie anderer Autoimmunerkrankungen, wie Psoriasis und rheumatoider Arthritis. Vom Einsatz der Wirkstoffe bei neu entdecktem Typ 1 Diabetes verspricht man sich durch eine verringerte Aktivität des Immunsystems einen Erhalt der verbliebenen Insulin-Produktion des Erkrankten. Das internationale Projekt läuft in den USA bereits seit einigen Jahren, seit Juni 2006 ist eine Teilnahme auch in Deutschland möglich.

Hintergrund

Im Vorfeld einer Typ 1 Diabetes-Erkrankung wendet sich das Immunsystem statt gegen Krankheitserreger gegen die eigenen Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, die so genannten Beta-Zellen. Zum Zeitpunkt der Diagnose sind bereits über 80% der Beta-Zellen zerstört, nur ein kleiner Rest produziert noch eine Zeit lang Insulin. Durch die Gabe von MMF und DZB soll der Autoimmunprozess gestoppt und die restliche körpereigene Insulinproduktion aufrechterhalten werden. Zwar muss auch weiterhin zusätzlich Insulin gespritzt werden. Das vom Körper selbst hergestellte Insulin trägt aber deutlich zu einer stabileren und besseren Blutzuckereinstellung bei und senkt so das Risiko diabetische Spätfolgen zu entwickeln.

... mehr zu:
»DZB »Immunsystem »Insulin »MMF

Behandlung

MMF wird über eine Dauer von 24 Monaten zweimal täglich in Form einer Kapsel eingenommen. DZB wird nur innerhalb der ersten beiden Wochen der Behandlung zweimal als Infusion gegeben.

Als mögliche Nebenwirkungen gelten vor allem ein vorübergehender Mangel an weißen Blutkörperchen, ein erhöhtes Risiko für Virusinfektionen und gastrointestinale Beschwerden wie Bauchschmerzen. Sie treten jedoch nicht häufig auf und sind nicht als schwerwiegend einzustufen. Die Studienteilnehmer werden trotzdem genau überwacht und die MMF-Dosis gegebenenfalls entsprechend angepasst. Eine ein- bis zwei-jährige Nachbeobachtungszeit schließt sich an die Behandlung an.

Die Studie wird verblindet durchgeführt und placebo-kontrolliert. Von den insgesamt 108 Teilnehmern, die in die Studie aufgenommen werden sollen, erhält etwa ein Drittel MMF und DZB, ein weiteres Drittel MMF und Placebo-Infusionen, also Infusionen, die keinen Wirkstoff enthalten. Die übrigen Teilnehmer erhalten Infusionen und Kapseln ohne Wirkstoff. Die Zuteilung zu den Gruppen erfolgt zufällig und wird den Teilnehmer nicht mitgeteilt. Nur so kann die Wirksamkeit beider Wirkstoffe und Ihrer Kombination überprüft und beurteilt werden.

Teilnahme

Teilnehmen können Personen mit neu diagnostiziertem Typ 1 Diabetes, die 18-45 Jahre alt sind und deren erste Insulingabe nicht länger als 3 Monate zurück liegt. Weitere Einschlusskriterien, wie ein positiver Inselautoantikörper-Befund und eine ausreichende Restproduktion von Insulin werden bei Teilnahmewunsch vom Studienzentrum getestet. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Nähere Informationen

Institut für Diabetesforschung, Abteilung Immunologie und Prävention,
Prof. Dr. Anette-G. Ziegler, Ansprechpartner: Dr. Markus Walter,
Thomas Kaupper, Tel. 089-307931-14, Fax: 089-3081733,
E-mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de

Angelika Locher | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifdf.de

Weitere Berichte zu: DZB Immunsystem Insulin MMF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ein neuer Ansatz bei Hyperinsulinismus
18.09.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

10. Cottbuser Medienrechtstage zu »Fake News, Hate Speech und Whistleblowing«

18.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parasitenflirt: Molekulare Kamera zeigt Paarungszustand von Bilharziose-Erregern in 3D

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Ausschreibung des Paul-Martini-Preises 2018 für klinische Pharmakologie

19.09.2017 | Förderungen Preise