Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tübinger Forscher entdecken neuronalen Kode für Gesichter

13.07.2006
Gesichter erkennen, ist eine der wichtigsten Funktionen des menschlichen Sehsystems. Der Tübinger Dr. Martin A. Giese, Hertie Institut für klinische Hirnforschung, konnte gemeinsam mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik aufklären, wie Nervenzellen in Bruchteilen einer Sekunde Gesichter erkennen. Nicht das individuelle Aussehen ist entscheidend, sondern der Vergleich mit einem so genannten Mittelwertsgesicht.

Die Ergebnisse ihrer Studie sind aktuell in Nature online* unter dem Titel "Norm-based face encoding by single neurons in the monkey inferotemporal cortex" publiziert.

Die Forscher haben Affen computererzeugte Gesichter präsentiert und dabei die Eigenschaften der Nervenzellen untersucht, die auf menschliche Gesichter reagieren. In einer Hirnregion, dem inferotemporalen Kortex, untersuchten sie Zellen, die vermutlich für die Kodierung von Gesichtern zuständig ist. Die Aktivität dieser Zellen ist abhängig von der Ähnlichkeit der gezeigten Gesichter zu einem zuvor von den Wissenschaftlern aus hundert menschlichen Gesichtsbildern berechneten Mittelwertsgesicht. Sie nehmen an, dass das Gehirn ein solches Durchschnittsgesicht aus vielen vorher gesehenen Gesichtern selbst berechnet.

Möglicherweise liegt auch der visuellen Erkennung anderer Formen, z.B. von Alltagsgegenständen oder abstrakten geometrischen Objekten ein ähnliches Prinzip zugrunde: Die Nervenzellen ändern ihre Aktivität abhängig vom Unterschied zwischen dem aktuellen Stimulus und dem erwarteten Stimulus, der im Mittel am wahrscheinlichsten ist.

... mehr zu:
»Hirnforschung »Nervenzelle

Psychophysikexperimente zeigen, dass Affen und Menschen Gesichter in sehr ähnlicher Weise wahrnehmen, so dass dieses Resultat wahrscheinlich auf das menschliche Gehirn übertragbar ist.

* Der Originalartikel ist im Internet unter http://dx.doi.org/ mit der doi: 10.1038/nature04951 abrufbar.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Hertie Institut für Klinische Hirnforschung, Abteilung Kognitive Neurologie
Dr. Martin A. Giese
Frondsbergstr. 23, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71 / 3 65 98 80, martin.giese@uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Hirnforschung Nervenzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik