Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Influenza-Forschung im Robert Koch-Institut wird verstärkt

11.07.2006
Das Robert Koch-Institut verstärkt seine Influenza-Forschung, zunächst befristet auf zwei Jahre. Die dafür ab August 2006 zur Verfügung stehenden insgesamt rund 8,5 Millionen Euro stammen aus dem Influenza-Sofortprogramm der Bundesregierung. "Die zusätzliche Förderung ermöglicht es, Wissenslücken zu H5N1 und anderen Influenzaviren ein Stück weit abzubauen, Seuchenbekämpfungsmaßnahmen besser zu beurteilen und die Grundlagen wissenschaftlicher Politikberatung weiter zu verbessern", sagt Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts. "Da das Pandemie-Risiko nach wie vor höher ist als in den vergangenen Jahrzehnten, ist das eine wichtige Förderung", unterstreicht Kurth.

Das Institut setzt die Fördermittel für bis zu zwei Jahre dauernde Forschungsvorhaben in der (epidemiologischen) Krankheitsüberwachung, Schnelldiagnostik, Krankheitsentstehung, Impfstoffentwicklung und Kommunikation ein. Die Auswirkungen von Schutzmaßnahmen durch mathematische Modelle abzuschätzen und die Methoden zur Erfassung des Pandemieverlaufs zu entwickeln, sind weitere neue Forschungsprojekte. Außerdem wird ein eigenes Fachgebiet Respiratorisch übertragene Erkrankungen eingerichtet. Es wurde wegen der gestiegenen Bedeutung insbesondere der Influenza aus dem Fachgebiet Respiratorische Erkrankungen und Impfprävention ausgegliedert.

Entwicklungsbedarf besteht zum Beispiel auf dem Gebiet der Analyse und Überwachung des Krankheitsgeschehens. Zwar ist das vom Robert Koch-Institut im Jahr 2000 entwickelte elektronische Meldesystem international anerkannt, aber für den Fall einer weltweiten Grippewelle müsste das jetzige System erweitert werden, etwa zur Erfassung von Kontaktpersonen und getroffenen Schutzmaßnahmen. Geplant ist auch der Ausbau einer bereits bestehenden Taskforce, um die zuständigen Behörden vor Ort bei Präventions- und Eindämmungsmaßnahmen auch bei größeren Ausbrüchen unterstützen zu können.

Eine Infektion mit Influenzaviren möglichst schnell feststellen zu können, hat für die Bekämpfung eine hohe Bedeutung. Die derzeit verfügbaren Influenza-Schnelltests können nach 10 bis 20 Minuten zwar Influenzaviren nachweisen, aber nicht gezielt die jeden Winter in der Bevölkerung zirkulierenden Subtypen H1 und H3 differenzieren. Auch für den die Vogelgrippe verursachenden Subtyp H5 steht die Entwicklung eines empfindlichen und zuverlässigen Schnelltests erst am Anfang. Die RKI-Forscher haben vor, spezifische Nachweissysteme für die wichtigen Oberflächeneiweiße des Vogelgrippevirus zu entwickeln und in Kooperation mit Diagnostikherstellern einen H5-Schnelltest aufzubauen. Auch der empfindlichere so genannte PCR-Test zum exakten Nachweis von H5N1 soll als mobiles Testverfahren weiter entwickelt werden, um damit eine gezielte rasche Untersuchung vor Ort zu ermöglichen.

Noch weiß man wenig über die Ursachen der ungewöhnlichen Eigenschaften von H5N1. Man hat zum Beispiel beobachtet, dass dieser Erreger die für Grippeviren untypische Fähigkeit hat, sich über die Atemwege hinaus im Körper auszubreiten, zum Beispiel ins Gehirn. Das könnte zu der derzeit relativ hohen Sterblichkeitsrate beim Menschen beitragen (131 Todesfälle bei 229 Erkrankungen seit Ende 2003). Eine zweite Ursache für diese Rate ist möglicherweise die überschießende Körperabwehr. Daher werden im Robert Koch-Institut, aufbauend auf bisherigen Forschungsarbeiten, die Reaktionen des Immunsystems auf H5N1-Viren untersucht und ein Protein (NS1) funktionell charakterisiert, das im Verdacht steht, den Krankheitsverlauf entscheidend zu beeinflussen. Außerdem wird untersucht, auf welcher Route H5N1 ins Gehirn gelangen kann. Beide Vorhaben könnten neue Ansätze für die Medikamentenforschung bringen.

Die Entwicklung von pandemischen Influenza-Impfstoffen wird, basierend auf der verfügbaren Impfstofftechnologie, seit dem vergangenen Jahr von der Bundesregierung gefördert. Durch das Forschungs-Sofortprogramm können darüber hinaus die Arbeiten an modernen Impfstofftechnologien im Robert Koch-Institut und im Paul-Ehrlich-Institut verstärkt werden. Die Ziele der vier Teilprojekte (Koordination beim Paul-Ehrlich-Institut) sind Impfstoffe mit einer breiteren Wirksamkeit als bisher und die Entwicklung moderner Methoden zur Charakterisierung und Bewertung der Schutzwirkung von Impfstoffen.

An der Bewältigung von ungewöhnlichen Seuchengeschehen haben rasche und verlässliche Informationen zur Situation und zu Schutzmaßnahmen einen wesentlichen Anteil. Daher wird in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein zielgruppenspezifisches Informationsmanagement für Bürger aufgebaut.

Das Forschungs-Sofortprogamm Influenza wird unter der Federführung dreier Ressortforschungseinrichtungen des Bundes durchgeführt, neben dem Robert Koch-Institut und dem Paul-Ehrlich-Institut (beide gehören zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit) ist für die veterinärmedizinischen Vorhaben das Friedrich-Loeffler-Institut verantwortlich (Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz). "Alle drei Institute haben in ihren Arbeitsbereichen langjährige Erfahrung in der Influenza-Forschung und kooperieren intensiv mit Hochschulen, Unternehmen und weiteren Instituten im In- und Ausland", unterstreicht Reinhard Kurth.

Das Sofortprogramm ist Teil einer Forschungsvereinbarung zu Zoonosen, das sind Erkrankungen, die von Tieren auf Menschen übertragbar sind. Die Forschungsvereinbarung ist im Frühjahr 2006 vom Bundesministerium für Gesundheit, vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgestellt worden.

Weitere Informationen: http://www.rki.de > Infektionskrankheiten A - Z > Influenza

Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
Pressestelle
Susanne Glasmacher
(Pressesprecherin)
Günther Dettweiler
(stellv. Pressesprecher)
Claudia Eitner
Heidi Wothe
Kontakt
Tel.: 03018.754-2239, -2562 und -2286
Fax: 03018.754 2265
E-Mail: presse@rki.de

Susanne Glasmacher | idw
Weitere Informationen:
http://www.rki.de

Weitere Berichte zu: H5N1 Influenza-Forschung Influenzavire

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verbesserte Heilungschancen durch individualisierte Therapie bei Hodgkin Lymphom
23.10.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie