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Sexualität, Fertilität, Schwangerschaft nach der Brustkrebs-Therapie

11.07.2006
Eine Schwangerschaft verschlechtert die Heilungschancen von Brustkrebspatientinnen nicht und birgt auch kein erhöhtes Rückfallrisiko. Auch bei anderen gynäkologischen Tumoren versuchen die Ärzte, Sexualität und Fruchtbarkeit ihrer Patientinnen zu berücksichtigen, betonen Expertinnen der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie.

Zehn bis zwanzig Prozent aller Brustkrebse treten bei Frauen im gebärfähigen Alter auf. Gleichzeitig steigt das Alter der Frauen bei ihrer ersten Schwangerschaft ? nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden die Frauen heute erst im Alter von durchschnittlich 29.8 Jahren erstmals schwanger. Die Frage einer Schwangerschaft nach Brustkrebstherapie gewinnt daher zunehmend an Bedeutung, denn eine steigende Zahl von Brustkrebspatientinnen haben zum Zeitpunkt der Diagnose ihrer Erkrankung die Familienplanung noch nicht abgeschlossen.

Da Östrogene Brustkrebszellen zum Wachstum anregen können, war es lange Zeit umstritten, ob und wann Ärzte Frauen mit Kinderwunsch - nach einer erfolgreichen Behandlung - zu einer Schwangerschaft raten dürfen. Hier gibt es gute Nachrichten: Eine Schwangerschaft verschlechtert die Heilungschancen von Brustkrebs-patientinnen nicht und stellt keine erhöhte Gefahr für einen Rückfall dar. Dennoch raten Ärzte den betroffenen Frauen, nach der Therapie 2 Jahre zu warten, da das Rückfallrisiko in dieser Zeit am höchsten ist.

Der Hormonrezeptorstatus entscheidet.

Ein wichtiges Kriterium für die Entscheidung, wie lange eine Frau warten sollte ehe sie schwanger wird, ist der so genannte Hormonrezeptorstatus. Dieser gibt darüber Aufschluss, ob das Wachstum eines Tumors von Hormonen angeregt und daher mit einer antihormonellen Behandlung beeinflussbar ist. Eine solche Antihormon-Therapie kann bei hormonabhängig wachsenden Tumorerkrankungen die Prognose verbessern. Erst nach Abschluss dieser fünfjährigen Therapie kann die Frau versuchen, schwanger zu werden. Dr. Sibylle Loibl, Oberärztin der gynäkologischen Universitätsklinik Frankfurt/M: ?Wir beraten eine solche Patientin individuell nach Alter, Risikofaktoren und Dringlichkeit ihres Kinderwunsches.?

Strahlentherapie gynäkologischer Tumore: Sex-life ade?

Um eine Krebserkrankung zu heilen, müssen mitunter therapiebedingte Einschränkungen der Lebensqualität in Kauf genommen werden. Bei Tumoren der Gebärmutter oder der Eierstöcke kann eine Strahlentherapie die Sexualität beeinträchtigen. Bereits die Diagnose "Unterleibskrebs" wird von jeder Patientin als existenzbedrohend empfunden. Hinzu kommt, dass manche Patientinnen sich auch in ihrer Integrität als Frau beeinträchtigt fühlen. Allein diese psychologischen Faktoren können schon das sexuelle Erleben nachhaltig beeinträchtigen. Behandlungsbedingte Nebenwirkungen der Strahlentherapie im Becken sind hormonelle Veränderungen, wenn die Eierstöcke mitbestrahlt werden (künstliches Klimakterium). Mitunter kommt es auch zur Austrocknung der Scheidenhaut oder zu Verklebungen der Scheide. ?Bei diesen Patientinnen geben wir bereits im strahlentherapeutischen Aufklärungs- und Einführungsgespräch entsprechende Tipps, besprechen vorbeugende Maßnahmen oder verordnen in speziellen Fällen eine Hormonersatztherapie. Außerdem empfehlen oder vermitteln wir auf Wunsch eine psychosoziale bzw. sexualtherapeutische Beratung und Betreuung?, erklärt Prof. Petra Feyer, Chefärztin der Strahlentherapie in Berlin-Neukölln.

Falls eine Frau im gebärfähigen Alter erkrankt und dies (allerdings eher selten) medizinisch möglich ist, wird man bei Kinderwunsch auch versuchen, die Behandlung so zu gestalten, dass die Fruchtbarkeit erhalten bleibt.

Auch bei Brustkrebs ist die Sexualität oft beeinträchtigt, allerdings nicht durch die Strahlentherapie, die nur örtlich, d.h. im Bereich der Brust wirkt. Eine antihormonelle Behandlung oder eine Chemotherapie, die zu vorzeitigem Klimakterium führen, können jedoch die sexuelle Erlebnisfähigkeit negativ beeinflussen. In einer Studie aus Solihull (England) gaben von 200 befragten Brustkrebspatientinnen 83 Prozent psychische und 89 Prozent körperliche Probleme in ihrem Sexualleben an. Fazit der Ärzte: Sexualität sollte in der Therapie entsprechend betroffener Frauen noch ausführlicher besprochen und angegangen werden.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Marie-Luise Sautter-Bihl, Klinik für Strahlentherapie, Städt. Klinikum Karlsruhe

Tel. (0721)974-4000, Fax (0721)974-4009, Handy 0172 7326404

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org
http://fens2006.neurosciences.asso.fr

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