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Körpereigene Haschisch-ähnliche Substanz ? Schlüssel für die Entwicklung neuer Therapien für Alzheimer ?

11.07.2006
Italienische Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass vom Körper bei Stress, Hunger, Schmerzempfinden und Entzündungen gebildeten Haschisch-ähnliche Substanzen, die so genannten Endocannabinoide, das Gehirn vor Schäden durch Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit schützen können. Das lassen neue Forschungsergebnisse vermuten, die Dr. Vincenzo Di Marzo vom Institut für Biomolekulare Chemie des Italienischen Forschungsrats am Dienstag, den 11. Juli in Wien auf dem Forum of European Neuroscience Societies (FENS) vorstellt. Danach können Endocannabinoide bei Erkrankungen des Gehirns helfen, Zellen zu schützen oder zu reparieren.

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universitäten von Neapel, Catania und Cagliari entdeckte Dr. Di Marzo, dass Endocannabinoide allerdings ihre Wirksamkeit verlieren können, wenn sie entweder zu lange oder zu spät nach Auftreten einer Erkrankung im Organismus ausgeschüttet werden. Andererseits habe sich gezeigt, dass sie in akuten Krankheitsfällen, zum Beispiel bei Ischämien (plötzlich auftretende Blutleere) vorübergehend erhöht sind und auch Zellen vor dem Untergang schützen.

Es komme deshalb darauf an, diesen Schutzmechanismus zu entschlüsseln, um zu klären, wann es sinnvoll ist, die Ausschüttung von Endocannabinoiden zu stimulieren oder zu unterbinden.

Aus diesem Grund erforschten Di Marzo und seine Kollegen in Neapel die Wirkung von Endocannabinoiden auf hirngeschädigte Nagetiere. Es zeigte sich, dass eine früh nach der Erkrankung einsetzende Behandlung, die zu erhöhten Endocannobinoid-Spiegeln führte, die Nervenzellen möglicherweise vor der Zerstörung durch Ablagerungen des beta-Amyloid Proteins schützt, das als Ursache für die Alzheimer-Krankheit angesehen wird, und ebenso auch vor Gedächntnisverlust bewahren kann.

Jetzt suchen die Forscher nach neuen Medikamenten auf der Basis von Endocannabinoiden, mit denen sich die Ausschüttung der körpereigenen Substanzen steuern lässt. Haschisch, so die Forscher, aktiviert die gleichen Signalwege wie die körpereigenen Endocannabinoide. Dies erkläre auch, weshalb Endocannabinoide, wenn sie in Tierversuchen zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden, Entzündungen lindern und eine Schädigung von Nervenzellen bei neurologischen Erkrankungen in Grenzen halten können.

ABSTRACT S34.1

Notes to Editors Das Forum 2006 der Federation of European Neuroscience Societies (FENS) wird veranstaltet von der Österreichischen Gesellschaft für Neurowissenschaften und der Deutschen Neurowissenschaftlichen Gesellschaft. An der Tagung nehmen über 5000 Neurowissenschaftler teil. Die FENS wurde 1998 gegründet mit dem Ziel, Forschung und Ausbildung in den Neurowissenschaften zu fördern sowie die Neurowissenschaften gegenüber der Europäischen Kommission und anderen Drittmittelgebern zu vertreten. FENS ist der Europäische Partner der Amerikanischen Gesellschaft für Neurowissenschaften (American Society for Neuroscience). Die FENS vertritt eine große Zahl europäischer neurowissenschaftlicher Gesellschaften und hat rund 16 000 Mitglieder.

Pressestelle während der Tagung:
Austria Center Wien
Raum U 557
Tel.: ++43-(0)1-26069-2025
8. - 12. Juli 2006
Nach der Tagung:
Österreich, Schweiz, Deutschland
Barbara Ritzert
ProScience Communications
Andechser Weg 17, D-82343 Pöcking
Tel.: ++49-(0)8157-9397-0
Fax: ++49-(0)8157-9397-97
ritzert@proscience-com.de

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org
http://fens2006.neurosciences.asso.fr

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