Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Viele schaffen es nicht ganz allein

19.12.2001


Nachbetreuung von Krebspatienten über lange Zeit erforderlich

Köln (so) - Die Ergebnisse der Studie "Psychische Langzeitfolgen bei hämatologisch-onkologischen Patienten" liegen jetzt auf dem Tisch: Mehr als 50 Prozent der ehemaligen Krebspatienten leiden noch heute unter psychischen Störungen. Angst vor einer Neuerkrankung, Stimmungsschwankungen und Alkoholmissbrauch sind einige der typischen Symptome. Mehr als 75 Prozent der Studienteilnehmer geben an, rehabilitative und therapeutische Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Fast zehn Jahre ist es her, dass sich die damaligen Krebspatienten einer anstrengenden, aber erfolgreichen Chemotherapie unterziehen mussten. Die Ergebnisse der Kölner Studie, die von der Deutschen Krebshilfe mit 190.000 Mark gefördert wurde, machen deutlich: Die psychosoziale Nachbetreuung von ehemaligen Krebspatienten ist über lange Zeit erforderlich.

"Wenn ich Zeitung lese und irgendwo steht das Wort Krebs, springt es mir in Riesenlettern entgegen", erzählt Udo L., der vor 25 Jahren an Krebs erkrankte und heute als geheilt gilt. Udo L. hat sich mit seiner Krankheit intensiv auseinandergesetzt. Viele der Belastungen hat er bereits verarbeitet. Doch wenn Probleme im Beruf oder mit seiner Partnerin auftauchen, merkt er, dass ihn solche Schwierigkeiten stärker belasten als früher. Banale, alltägliche Situationen erinnern ihn manchmal an die Krebserkrankung und werfen ihn aus der Bahn. In solchen Momenten wird ihm bewusst, dass er Hilfe braucht.

Professor Dr. Karl Köhle, Leiter des Instituts für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Köln, nahm die Erfahrungen von Udo L. zum Anlass die psychologischen Langzeitfolgen bei Krebspatienten näher zu untersuchen. Köhle initiierte die Studie "Psychische Langzeitfolgen bei hämatologisch-onkologischen Patienten", an der 36 als geheilt geltende Krebspatienten teilnahmen. Alle Studienteilnehmer erkrankten Ende der achtziger Jahre an Krebs - die meisten von ihnen an Leukämie oder an einem bösartigen Lymphom. Alle wurden zwischen 1989 und 1992 erfolgreich chemotherapeutisch behandelt. Schon damals betreuten die Kölner Ärzte diese Patienten psychotherapeutisch.

Die Ergebnisse der Studie liegen jetzt auf dem Tisch (Jahrbuch der Medizinischen Psychologie 2001, Band: Psychotraumatologie): Fast zehn Jahre nach der erfolgreichen Krebs-Behandlung diagnostizierten die Psychologen bei mehr als der Hälfte der Patienten eine psychische Störung. Die Betroffenen leiden unter der Angst vor einer Neuerkrankung und unter Stimmungsschwankungen. Viele haben nach wie vor Schwierigkeiten sich in den Alltag einzugliedern. Mehr als zehn Prozent der Patienten greifen zur Bewältigung ihrer Probleme zum Alkohol oder zu Medikamenten. Zwei der Studienteilnehmer berichten, dass sie das Trauma ihrer Krebserkrankung immer wieder erleben. Sie vermeiden Situationen, die sie an das Vergangene erinnern, leiden unter Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und sind erhöht reizbar. Diese so genannte Posttraumatische Belastungsstörung (PTB) ist in der vollausgeprägten Form jedoch selten. Unter den Kölner Patienten waren aber sehr viele, die über einzelne traumatische Symptome klagten.

Die Kölner Arbeitsgruppe analysierte außerdem, ob die Studienteilnehmer im Zusammenhang mit der Krebserkrankung in den vergangenen Jahren Selbsthilfegruppen, psychoonkologische Beratungsstellen oder einen Heilpraktiker aufgesucht haben. Sie erkundigten sich zudem bei ihren Patienten nach der Einnahme von Schmerzmitteln, Vitaminen und Mineralien. Das Ergebnis: Lediglich ein Viertel der Studienteilnehmer hat bis zum heutigen Zeitpunkt keine der Maßnahmen in Anspruch genommen. Professor Köhle: "Diese Zahlen machen den Bedarf an rehabilitativer und therapeutischer Nachbetreuung deutlich." Klar wurde auch, dass bestimmte Verfahren von Patienten nur deshalb wahrgenommen wurden, weil sie gerade verfügbar waren. Andere Hilfsangebote waren den Patienten gar nicht bekannt. Beispielsweise fanden nur wenige Studienteilnehmer den Weg in eine psychoonkologische Beratungsstelle. Nötige Konsequenz: "Das große Informationsdefizit hinsichtlich rehabilitativer Hilfeleistungen muss weiter abgebaut werden", so Köhle.

Doch wie soll diese Forderung in die Tat umgesetzt werden? Noch bevor der Patient nach der Krebstherapie die Klinik verlässt, sollten ihm Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen in seiner Nähe genannt werden. Diese nützlichen Adressen sollten auch den niedergelassene Ärzten bekannt sein. Die Adressen der Selbsthilfegruppen können aber auch bei der Deutschen Krebshilfe, Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn, angefordert werden. Über die Möglichkeit Rehabilitationskuren in Anspruch zu nehmen, informiert die Broschüre "Wegweiser zu Sozialleistungen", die ebenfalls bei der Bonner Organisation bestellt werden kann.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Krebserkrankung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics