Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuropathische Schmerzen messbar machen

06.07.2006
Neue Forschungsergebnisse des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz (DFNS) zur Quantitativ Sensorischen Testung (QST) - die besonderen Forschungsanstrengungen des BMBF geförderten Projektes jetzt auch international gewürdigt.

Der Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS) veröffentlicht unter der Autorenschaft des gesamten Netzwerkverbundes seine neuen Forschungsergebnisse zur Entwicklung und Anwendung eines standardisierten Protokolls der Quantitativ Sensorischen Testung (QST). Dieses Protokoll erlaubt erstmals in einer systematischen Untersuchung, das gesamte Spektrum der schmerzbedingten Beeinträchtigungen von Patienten mit neuropathischen Schmerzen zu erfassen. Die Zeitschrift PAIN, offizielles Organ der International Association for the Study of Pain (IASP), hat die wissenschaftliche Arbeit publiziert und widmet der Forschung des DFNS darüber hinaus das Editorial der August Ausgabe 2006.


Der DFNS wurde mit der Absicht ins Leben gerufen, neuropathische Schmerzen, z.B. Nervenschmerzen bei Diabetes mellitus oder bei der Gürtelrose, besser zu verstehen und den geplagten Patienten besser zu helfen. Der klinisch- wissenschaftliche Leitgedanke, dass jeder einzelne Schmerzmechanismus eine spezifische Therapie erfordert (mechanismen-orientierte Therapie), soll in konkrete und zeitnah klinisch anwendbare Ergebnisse umgesetzt werden. Eines der wichtigsten Ziele des DFNS ist dabei die Entwicklung und Anwendung eines standardisierten Protokolls der Quantitativ Sensorischen Testung (QST). Die QST erlaubt eine genaue klinische Analyse der Schmerzsymptome und lässt deshalb Rückschlüsse auf die beim jeweiligen Patienten im Vordergrund stehenden Mechanismen zu, die individuell zum Schmerz des Patienten führen. Bei dem vorliegenden Multicenterprojekt wurden die Mitarbeiter in zehn Zentren durch die Arbeitsgruppe von Prof. Rolf-Detlef Treede, Mainz, standardisiert ausgebildet. Als erstes Projekt konnte eine Normdatenbank etabliert werden, die von der Bochumer Forschergruppe um Prof. Christoph Maier verwaltet wird. Diese bietet die Möglichkeit, die gewonnenen Patientendaten aus der Datenbank des DFNS mit denen von gesunden Personen zu vergleichen. In absehbarer Zukunft ist eine Reduzierung der jetzt noch in universitären Spezialeinrichtungen angewendeten QST-Testbatterie auf ein in die allgemeinmedizinische Praxis machbares Maß geplant. Damit soll dann allen Ärzten eine Möglichkeit zur Verfügung stehen, die Schmerzen ihrer Patienten detailliert zu erfassen und damit zielgerichtet die richtige Therapie für den Patienten einzuleiten.

"Der DFNS hat gezeigt, dass im Bereich der Schmerzforschung eine Standardisierung von Protokollen und der Aufbau von wissenschaftlich-klinischen Netzwerken durchführbar sind", so Prof. Michael C. Rowbotham, Pain Clinical Research Center, San Francisco, im Editorial von Pain, und weiter "Wir sehen künftigen Studienergebnissen des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz (DFNS) mit Interesse entgegen". Zudem gibt Rowbotham auch seiner Hoffnung hinsichtlich einer Internationalisierung der klinisch-wissenschaftlichen Netzwerkarbeit im Bereich neuropathischer Schmerzen Ausdruck, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in so vorbildlicher Weise in Deutschland gefördert wird. Rowbotham abschließend zur Vorbildfunktion der Förderung des DFNS durch das BMBF: " Wir hoffen, dass das deutsche Beispiel dem BMBF vergleichbaren Leistungsträgern in aller Welt als Inspiration dient und, dass vergleichbare Fortschritte erreicht werden? . "

... mehr zu:
»BMBF »DFNS »Forschungsverbund »QST

Weiterführende Informationen zu dieser wissenschaftlichen Arbeit (Rolke R et al. (2006) Quantitative Sensory Testing in the German Research Network on Neuropathic Pain (DFNS): Standardized Protocol and Reference Values. Pain, e-pub ) und dem Editorial (Petersen KL, Rowbotham MC (2006) Quantitative sensory testing scaled up for multicenter clinical research networks: A promising start. Pain, e-pub) sind auch unter www.neuropathischer-schmerz.de abrufbar.

Neuropathischer Schmerz - Daten und Fakten

In Deutschland leiden etwa 6 Prozent der Bevölkerung an neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen). Etwa 20 Prozent der Patienten, die eine schmerztherapeutische Spezialeinrichtung konsultieren, leiden unter ungenügend behandelten neuropathischen Schmerzen. Im Schnitt suchen die Betroffenen binnen zehn Jahren acht verschiedene Ärzte auf. Eine neue Erhebung aus den USA ergab, dass sich unter den Neurologen nur 30 Prozent in der Lage sahen, neuropathische Schmerzen sicher zu diagnostizieren. Nur 20 Prozent kannten eine adäquate Therapie.

Neuropathische Schmerzen entstehen in Folge von Verletzungen oder Erkrankungen von Gehirn, Rückenmark und Nerven. Zu den Ursachen zählen beispielsweise Operationen, hier insbesondere Amputationen (Phantomschmerz), Schlaganfall, Multiple Sklerose und Rückenmarksverletzung, aber auch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder virale Erkrankungen wie die Gürtelrose (Herpes Zoster). Neuropathische Schmerzen gehen häufig mit brennenden Dauerschmerzen oder einschießenden Schmerzattacken einher. Die Patienten berichten oft auch über unangenehmes Kribbeln oder Taubheitsgefühle und, dass selbst leichteste Berührungen der Haut starke Schmerzen verursachen können.

Über den DFNS

Ziel des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz (DFNS), der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, ist, die Mechanismen bei der Entstehung neuropathischer Schmerzen besser zu verstehen (Pathophysiologie), die Chronifizierung von Schmerzen durch ein frühes Eingreifen zu verhindern (Prävention) und die therapeutischen Möglichkeiten wesentlich zu verbessern (Therapie). Alle Projekte des DFNS sind darauf ausgerichtet, den klinisch- wissenschaftlichen Leitgedanken, dass jeder einzelne Schmerzmechanismus eine spezifische Therapie erfordert (mechanismen-orientierte Therapie), in konkrete und zeitnah klinisch anwendbare Ergebnisse umzusetzen. Die beiden Sprecher des DFNS sind Prof. Thomas R. Tölle, München, und Prof.. Ralf Baron, Kiel.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Dr. rer.nat. Thomas R. Tölle
Geschäftsstelle des DFNS
Neurologischen Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Möhlstrasse 28
81675 München
Tel: 089 - 4140-4658
Fax: 089- 4140-4659
DFNS@neuro.med.tu-muenchen.de

Dr. Fabienne Hübener | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de
http://www.neuropathischer-schmerz.de

Weitere Berichte zu: BMBF DFNS Forschungsverbund QST

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften