Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung im EU-Verbund "EuroBoNeT" eröffnet neue Chancen bei Knochen- und Knorpelkrebs

05.07.2006
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg ist Partner beim Aufbau einer virtuellen Tumorbank zur besseren molekularen Typisierung der Tumoren. Neue Chancen für eine effektivere Behandlung bösartiger Knochen und Knorpeltumoren eröffnet der Forschungsverbund der Europäischen Gemeinschaft "EuroBoNeT", der fünf Jahre mit mehr als 13 Millionen Euro gefördert wird.

Gemeinsam mit 23 Partner-Institutionen im In- und Ausland sucht die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg nach neuen Therapieansätzen. Eine "virtuelle" Tumorbank, die allen Forschern Gewebeproben von Knochen- und Knorpeltumoren zur Verfügung stellt, wird zur wissenschaftlichen Fundgrube, um wichtige Fragen wie die Ursachen der Tumoren oder ihre unterschiedliche Empfindlichkeit für Chemotherapie zu beantworten.

Einmalige Chance für Untersuchung der seltenen, sehr bösartigen Tumoren

Bösartige Knochentumoren sind eher selten und machen weniger als ein Prozent aller Krebserkrankungen aus; vor allem Kinder und Jugendliche sind betroffen. Die Ursachen sind bislang weitgehend unbekannt. Die Überlebenschancen durch eine Kombination aus Operation und Chemotherapie liegen - abhängig vom Tumortyp - bei ca. 60 Prozent.

Bösartige Knorpeltumoren werden noch seltener angetroffen (ca. 11 Prozent aller Krebserkrankungen des Skeletts). Im Gegensatz zu den Knochentumoren sind vor allem Erwachsene betroffen. Weil bösartige Knorpeltumore gegenüber Chemotherapie hochresistent sind, ist die Entfernung des Tumors derzeit die einzige Behandlungsmöglichkeit.

"Der europäische Verbund bietet die einmalige Chance, die seltenen Tumoren genauer untersuchen zu können und statistisch aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen," erklärt Professor Dr. Wiltrud Richter, Leiterin der Sektion Experimentelle Orthopädie an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, deren Forschungsbereich Fördermittel in Höhe von zunächst 173.000 Euro bis 2007 erhalten hat. Der Verbund, der seit März 2006 gefördert wird, schafft zudem optimale Bedingungen für einen intensiven Austausch und eine enge Kooperation der Wissenschaftler.

Ist die Tumorentstehung eine Stammzellerkrankung?

Die Wissenschaftler beschäftigen sich u.a. mit den Fragen: Welche molekularen Profile zeichnen die Tumoren aus? Stehen Genveränderungen in Zusammenhang mit der Entstehung und dem aggressivem Wachstum eines Tumors oder seiner geringen Empfindlichkeit für die Chemotherapie? "Wir untersuchen außerdem, ob die Tumorentstehung eine Stammzellerkrankung ist", berichtet Professor Richter. Stammzellen sind heiße Kandidaten als Ursprungszellen von Tumoren, da sie sich selbst erneuern und unbegrenzt wachsen können. Zudem leben sie sehr viel länger als andere Zellen und haben deswegen mehr Gelegenheit, schädliche Veränderungen anzuhäufen.

Gewöhnlich ist es die Aufgabe der Stammzellen, Gewebe das durch bekannte Krebsrisikofaktoren wie Infektionen, Zigarettenrauch, Alkohol oder Toxine geschädigt wurde, zu reparieren. Gerät der durch Stammzellen ausgelöste, wiederholte Regenerationsprozess irgendwann außer Kontrolle, kann die Entstehung eines bösartigen Tumors die Folge sein. Diese Veränderungen aufzuspüren und Maßnahmen zu entwickeln, die effektiv in diesen Prozess eingreifen, sind Ziele, die im EuroBoNeT gemeinsam verfolgt werden.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Wiltrud Richter
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Sektion Experimentelle Orthopädie
Tel: +49 6221 96 9253
Fax: +49 6221 96 9288
E-Mail: ursula.wey@ok.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.orthopaedie.uni-hd.de

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Knochentumor Knorpeltumor Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie