Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH verbessert Therapie bei Schilddrüsenkrebs

29.06.2006
Weniger Nebenwirkungen und schnellere Heilung dank des Hormon-Präparats Thyrogen

Chirurgen und Nuklearmediziner der Medizinischen Hochschule Hannover verbessern die Behandlung von Patienten mit einem Schilddrüsenkarzinom erheblich: Professor Dr. Georg F. W. Scheumann, Leitender Oberarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, und Professor Dr. Wolfram Knapp, Direktor der Abteilung für Nuklearmedizin, haben am Dienstag die neue Therapie in der MHH vorgestellt - eine Kombination aus der chirurgischen Entfernung der Schilddrüse und einer sofort anschließenden Therapie mit Radiojod. Damit leiden die Patienten kaum noch unter Nebenwirkungen, zudem verläuft der Heilungsprozess wesentlich schneller. "Dank des künstlich erzeugten Hormons Thyrogen, das die Schilddrüse stimuliert, können wir die Radiojodtherapie sofort nach der Entfernung der Schilddrüse beginnen", betonte Professor Knapp. "Jetzt haben wir eine Behandlung aus einem Guss."

Zwei bis vier Prozent aller Menschen mit so genannten kalten Knoten in der Schilddrüse wird ein Karzinom diagnostiziert, dann muss die Schilddrüse auf jeden Fall operativ entfernt werden. Um restliches Schilddrüsen- oder Tumorgewebe zu entfernen, das nach der Operation möglicherweise noch verbleiben könnte, werden die Patienten im Anschluss mit einer Radiojodtherapie behandelt. Das radioaktive Jod reichert sich dabei in dem Restgewebe an und tötet es ab. Die Aufnahme in die Zellen ist aber davon abhängig, dass das die Schilddrüse stimulierende Hormon TSH in ausreichender Menge im Körper vorhanden ist.

"Bislang mussten wir warten, bis der Körper des Patienten die Produktion des Hormons wieder hochgefahren hatte", erläuterte Professor Scheumann. Der Patient musste dabei zunächst eine Phase mit Schilddrüsenunterfunktion durchstehen, die von erheblichen körperlichen und psychischen Nebenwirkungen gekennzeichnet ist. "Das war die Hölle", erinnerte sich Harald Rimmele, Vorstand des Selbsthilfevereins "Ohne Schilddrüse leben?!" aus Berlin, dem noch ohne die neue Thyrogen-Therapie die Schilddrüse entfernt worden war. Herz-Kreislaufkomplikationen, Konzentrationsschwäche, sogar den ein oder anderen Blackout habe er in den Wochen zwischen der Entfernung der Schilddrüse und dem beginn der Radiojodtherapie erlebt. "Mein Leben geriet völlig aus den Fugen." Er konnte nicht mehr Auto fahren und arbeiten, wegen einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff ist die Unfall- und Verletzungsgefahren erhöht. Die Schilddrüsenunterfunktion ist zudem verantwortlich für eine verlangsamte Rekonvaleszenz.

... mehr zu:
»Hormon »MHH »Schilddrüse

Bei der neuen Therapie erhalten die Patienten sofort nach der Operation Thyrogen, ein biotechnologisch hergestelltes Hormon, das dem menschlichen Schilddrüsenhormon zum Verwechseln ähnelt. "Damit kann die Schilddrüsenunterfunktion mit allen Nebenwirkungen vermieden werden, auch der Heilungsprozess läuft schneller", sagte Professor Knapp. Die Krankheitsphase kann in den meisten Fällen von ungefähr sechs Wochen auf zehn bis zwölf Tage reduziert werden.

Lothar Fahrenfeld aus Garbsen ist einer der ersten von 20 Patienten, die in der MHH mit der neuen Kombinationstherapie behandelt worden sind. Bereits nach zehn Tagen konnte er die Klinik wieder verlassen. Und Nebenwirkungen? "Am Anfang war ich ein bisschen müde", erinnerte er, "aber sonst traten keine auf." Die Professoren Knapp und Scheumann hoffen, dass die Kassen schon zum kommenden Jahr die Therapie mit dem rund 1000 Euro pro Behandlung kostenden Thyrogen in das Fallpauschalsystem aufnehmen. "Für die Patienten, aber auch volkswirtschaftlich gesehen, ist die Therapie äußerst sinnvoll", betonte Professor Scheumann.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Georg F. W. Scheumann, Scheumann.Georg@mh-hannover.de , Telefon (0511) 532-2032 oder Professor Dr. Wolfram Knapp, Knapp.Wolfram@mh-hannover.de , Telefon (0511) 532-2577.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Berichte zu: Hormon MHH Schilddrüse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Forscher entschlüsseln einen Mechanismus bei schweren Hautinfektionen
24.01.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie