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Hintergrundinformationen zu Suizid und erweitertem Suizid

28.06.2006
Menschen, die unter schweren Depressionen leiden, erleben häufig einen so hohen Leidensdruck, dass sie sich das Leben nehmen wollen. Ob auch hinter den jüngsten Fällen in Nord- und Süd-Deutschland sowie in Italien eine Depression steht, scheint zum Teil noch unklar. Klar sind allerdings die Fakten: 90 Prozent aller Suizide werden auf psychische Erkrankungen zurückgeführt, die große Mehrzahl davon geschieht als Folge einer Depression.

Die Depression ist die psychische Erkrankung mit dem höchsten Suizidrisiko. Bis zu 15 Prozent der schwer depressiv erkrankten Menschen nehmen sich das Leben, ca. die Hälfte begeht in ihrem Leben einen Suizidversuch. In Deutschland sterben pro Jahr ca. 11.000 Menschen durch Suizid, das sind deutlich mehr als durch Verkehrsunfälle.

Ein erweiterter Suizid, bei dem Menschen nicht nur sich selbst, sondern auch ihnen Nahestehende wie in den jüngsten Fällen in Deutschland ihre Kinder mit in den Tod nehmen, ist für Laien kaum nachvollziehbar. "Solche Taten geschehen meist aus einer durch die Erkrankung verzerrten Wahrnehmung. Patienten sehen keine Hoffnung mehr für sich und ihr Kind, aus einem Verantwortungsgefühl heraus wollen sie dieses nicht hilflos zurücklassen", erläutert Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Psychiater an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Sprecher des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität.

Besonders tragisch erscheint all dies vor dem Hintergrund der bestehenden Therapiemöglichkeiten. Oft vergeht wertvolle, ja lebensrettende Zeit, bevor ein depressiv Erkrankter angemessen behandelt werden kann. Mit der Pharmako- und/ oder der Psychotherapie stehen heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

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Es ist alarmierend, dass in Deutschland nur ein Drittel der Betroffenen medizinische Hilfe sucht. Viele gehen aus Scham nicht zum Arzt, weil sie ihre Erkrankung nicht als solche verstehen oder fälschlicherweise persönliches Versagen dafür verantwortlich machen. Bei vielen Patienten stehen auch körperliche Beschwerden im Vordergrund. Dies macht es auch für den Hausarzt, der meist der erste Ansprechpartner ist, schwer, eine Depression zu erkennen. So werden die meisten der vier Millionen an einer Depression erkrankten Deutschen nicht adäquat behandelt.

Pressekontakt
Anke Schlee
Kompetenznetz Depression, Suizidalität
Psychiatrische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
fon 089/ 5160-5553, fax 089/ 5160-5557
anke.schlee@med.uni-muenchen.de

Anke Schlee | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-depression.de

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