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Bessere Lebensqualität durch Kunstherzsystem Heart Mate II - erstmals in Sachsen-Anhalt implantiert

22.06.2006
Mehr Lebensqualität: Neues Kunstherzsystem erstmals in Sachsen-Anhalt implantiert - Universitätsklinikum Halle setzt Herzunterstützungssystem Heart Mate II ein

Ein 55-Jähriger aus Merseburg und ein 72-Jähriger aus Halle sind die ersten beiden Patienten in Sachsen-Anhalt, die ein mechanisches Herzunterstützungssytem der neuesten Generation erhalten haben. Es handelt sich um das System HeartMate® II der kalifornischen Firma Thoratec. Grund für die Implantation war in beiden Fällen ein Pumpversagen der linken Herzkammer auf Grund mehrfacher Herzinfarkte.

Die Eingriffe wurden Mitte April 2006 von Oberarzt PD Dr. Ivar Friedrich (Universitätsklinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie, Direktor: Prof. Dr. med. Rolf-Edgar Silber) vorgenommen.

Beide Patienten haben sich inzwischen hervorragend von dem Eingriff erholt und konnten nun nach Hause entlassen werden. Die Systeme sind komplett mobil und die Patienten können sich durch den Batteriebetrieb des Kunstherzsystems frei bewegen - ein dauernder stationärer Aufenthalt ist nicht mehr nötig. Dies sichert nicht nur das Überleben, sondern verhilft auch zu einer guten Lebensqualität. Allerdings sind dauerhaft regelmäßige ambulante Untersuchungen der Patienten sowie Kontrollen des Kunstherzsystems notwendig.

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Das Herz des jüngeren Patienten hatte aufgrund mehrerer Herzinfarkte nur noch eine Leistungsfähigkeit zwischen zehn und 15 Prozent, zudem bestand eine hochgradige Verengung der Aortenklappe: "Sein Herz war so schwach, dass er nur noch im Bett gelegen hat." Da er keine Herztransplantation wollte, bestand die einzige Chance in dem neuen Herzunterstützungssystem. "Ohne die Operation hätte er nur noch eine geringe Lebenserwartung gehabt."

Der 72-jährige Patient hatte einen schweren Herzinfarkt erlitten und musste notfallmäßig mit einer Bypassoperation versorgt werden. Nach der Bypassoperation war das Herz allerdings immer noch zu schwach, die Blutversorgung für den Organismus aufrecht zu erhalten.

Eine mittel- bis höhergradige Einschränkung der Pumpfunktion des Herzens (Herzinsuffizienz) wird medikamentös behandelt. Ist diese Therapie nicht mehr effektiv, ist die Herztransplantation die einzige Überlebenschance. Leider stehen in Deutschland nicht genug Spenderherzen zur Verfügung, die durchschnittliche Wartezeit beträgt inzwischen etwa zwei Jahre.

Die lange Wartezeit hat fatale Folgen: wegen der unzureichenden Versorgung mit Blut und Sauerstoff verschlechtern sich die Organfunktionen, insbesondere Nieren und Leber. Es kann sich ein Lungenhochdruck entwickeln, der am Ende eine Transplantation unmöglich macht. Verschlechtert sich die Herzfunktion zunehmend, ist der "Tod auf der Warteliste" meist die traurige Folge.

Die modernen Herzunterstützungsgeräte sind inzwischen so weit ausgereift, dass das Komplikationsrisiko akzeptabel erscheint. Um die Wartezeit auf die Transplantation zu überbrücken, wird mit Hilfe dieser Systeme die Versorgung der Organe aufrecht erhalten.

Patienten, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters oder anderer gesundheitlicher Gründe nicht für eine Transplantation in Frage kommen, eröffnet die neue Technik eine Chance auf ein längerfristiges Überleben.

Das HeartMate II ist ein Herzunterstützungssystem, das in beiden Fällen zur Behandlung geeignet ist - und besonders wichtig - einfach für die Patienten zu handhaben ist.

Durch die komplette Implantation des nur 400 Gramm schweren Aggregats ist bis auf ein Schläuchlein, das die Kabel für den Batterieanschluss enthält, von außen nichts zu sehen.

Bisher wurden etwa 250 dieser Systeme weltweit implantiert. "Jede Implantation ist eine Einzelfallentscheidung. Es müssen viele Faktoren beachtet werden, damit eine Implantation erfolgreich verlaufen kann", so Oberarzt Friedrich.

Das System kann das Herz nicht ersetzen, sondern es hilft dem schwachen Herzen sauerstoffreiches Blut in den Körper zu pumpen. "Dank der gesteigerten Blutzirkulation können Patienten alltägliche Aktivitäten wieder aufnehmen und ihre Leistungsfähigkeit erheblich verbessern", erklärt PD Dr. Friedrich. Mittels Rotation eines einzigen Antriebselements, einer Turbine gleich, pumpt das System bis zu zehn Liter Blut pro Minute - je nach körperlicher Anstrengung. Dies entspricht nahezu der vollen Leistung eines gesunden Herzens.

Eine Besonderheit ergibt sich jedoch: Das Blut fließt gleichmäßig mit einem konstanten Fluss in den Gefäßen und nicht wie bei einem Gesunden pulsierend: "Daher kann bei Patienten mit Heart Mate II kein Puls gefühlt werden."

Kontakt:
Jens Müller (ab 26.06.06 wieder erreichbar)
Pressereferent
Universitätsklinikum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Telefon: 0345 55-71032
Fax: 0345 55-75749
E-Mail: jens.mueller@medizin.uni-halle.de

Dr. Margarete Wein | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-halle.de/?cid=5645
http://www.uni-halle.de

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