Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hilfe für Trauma-Patienten

13.06.2006
Dr. Martin Sack, neuer Oberarzt in der Klinik für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medizinische Psychologie im Klinikum rechts der Isar, nutzt und erforscht eine innovative und ungewöhnliche Behandlungsmethode, um das Leid von Trauma-Patienten zu verringern.

Wer zum ersten Mal davon hört, mag es kaum glauben: Mithilfe einer simplen Handbewegung können erfahrene Therapeuten traumatisierten Patienten dabei helfen, ihre belastenden Erinnerungen zu verarbeiten. So schlicht sich diese neue Methode zunächst anhört: Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die EMDR genannte Therapie die bestmöglichen Heilungschancen für Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen bietet.

Augenbewegungen für die Seele

EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, also Desensibilisierung und Wiederverarbeitung durch Augenbewegungen. Für die EMDR-Behandlung ergründet der Therapeut zunächst die Ursachen der Beschwerden. Ist eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung hergestellt, wird die betroffene Person aufgefordert, sich an die traumatische Situation zu erinnern und sie erneut mit allen Sinneseindrücken zu erleben. Dabei bewegt der Therapeut seine Hand vor den Augen des Patienten hin und her und bittet ihn, der horizontalen Bewegung mit den Augen zu folgen. Dieses Setting wird so oft wiederholt, bis die Belastung des Patienten messbar abgesunken ist. Bei manchen Menschen ist das bereits nach zwei Sitzungen der Fall, andere - gerade Patienten mit mehrfachen traumatischen Erinnerungen - benötigen mitunter deutlich mehr Behandlungen.

Der entspannte Körper hilft dem gequälten Geist

Worauf beruht der therapeutische Effekt der EMDR-Methode? Mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Martin Sack, Oberarzt in der der Klinik für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Medizinische Psychologie, seit fast zehn Jahren. "Wir wissen, dass durch die Augenbewegungen eine körperliche Entspannung eingeleitet wird", berichtet Martin Sack. "Das macht sich beispielsweise dadurch bemerkbar, dass die Aktivität des Parasympathikus steigt und die Herzfrequenz sinkt."

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Kopplung von traumatischer Erinnerung mit einer körperlichen Entspannung dafür sorgt, dass das Geschehen in die psychische Struktur integriert und verarbeitet werden kann. Aus Martin Sacks langjähriger therapeutischer Erfahrung weiß er, dass solch eine Restrukturierung auch für Patienten möglich ist, die unter lang zurückliegenden Erlebnissen, wie etwa der Erfahrung von Krieg und Vertreibung, leiden. Wie wichtig dabei die Stimulierung in Form der Augenbewegung ist, ist eine Frage, die Martin Sack aktuell beschäftigt. Er möchte in einer Studie untersuchen, ob es nicht vielleicht schon ausreicht, nur die Hand vor den Augen des Patienten zu heben.

Dr. Martin Sack und sein Team helfen Traumapatienten durch Diagnostik, Beratung und Stabilisierung. Für die weitere therapeutische Behandlung stehen erfahrene niedergelassene Kollegen bereit. Nur im Rahmen von wissenschaftlichen Studien führen die Ärzte im Klinikum rechts der Isar Traumatherapien durch.

Falls Sie noch weitere Fragen haben oder an einem Interview interessiert sind, wenden Sie sich bitte an: Privatdozent Dr. Martin Sack, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Klinikum rechts der Isar der TU-München, Langerstr. 3, 81675 München, Tel.: 089-4140-4312 (-4313 Sekretariat), E-Mail: mail@martinsack.de.

Dr. Fabienne Hübener | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de
http://www.med.tu-muenchen.de/de/presse/2006/pdfs/pm_sack_1306_2.pdf

Weitere Berichte zu: Augenbewegung Psychotherapie Trauma-Patient

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Immunsystem: Wer lockt die Polizisten auf Streife?
17.02.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Erstmals Herzpflaster aus Stammzellen für die Anwendung an Patienten mit Herzmuskelschwäche
17.02.2017 | Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung