Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare Ausdehnung maligner Tumore

06.12.2001


Die in den letzten Jahren rapide zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnisse über die molekularen Veränderungen, die die Entartung von Körperzellen zu Krebszellen beschreiben, haben zu einem stark veränderten Verständnis von der Entstehung und Entwicklung von Krebserkrankungen geführt.

Gegenwärtig schon haben diese Erkenntnisse bei familiär gehäuft auftretenden Krebserkrankungen - Karzinomen des Dickdarms, des Magens, der Schilddrüse und dem Melanom - sowohl Diagnose als auch Therapie beeinflusst. Hieraus wurden erste klinische Konsequenzen bis hin zu prophylaktischen Operationen abgeleitet. Bereits die ersten Schritte dieser Entwicklung haben grundsätzlich das medizinische Verständnis von Krebserkrankungen verändert, zumal die erblichen (hereditären) Formen von Krebserkrankungen quantitativ deutlich geringer sind als die erworbenen, sporadisch auftretenden Formen. Hier wird inzwischen klar, dass entsprechende Anhäufungen von genetischen Veränderungen zum Ausbruch der Erkrankungen führen. Die Beschreibungen dieser molekularen Veränderung bieten somit Ansätze für die Diagnose und zukünftig auch für die Therapie. So werden zum Beispiel Medikamente entwickelt, die direkt an der molekularen Ursache ansetzen - dies wird aktuell bereits bei der chronisch myelischen Leukämie praktiziert.

Während Krebserkrankungen früher als ein primär lokales Problem im Körper betrachtet wurden, ist nun klar, dass selbst in sehr frühen Stadien der Tumorentwicklung eine Ausstreuung von Tumorzellen in den Körper erfolgt, also frühzeitig die Komponente einer generalisierten Erkrankung vorliegt. In Auseinandersetzung dieser ausgestreuten Tumorzellen mit dem Immunsystem des Patienten und den jeweiligen Gegebenheiten in den verschiedenen Organsystemen entscheidet sich, ob es zur Entwicklung einer metastasierenden Krebserkrankung kommt. Hierzu wurden bereits viele entscheidende molekulare Mechanismen beschrieben, die nun für eine qualitativ bessere, biologisch begründete Stadieneinschätzung der Krebserkrankung herangezogen werden können. Hier eröffnen sich neue Möglichkeiten für therapeutische Ansätze in der medikamentösen Behandlung und auch in der Wahl der angepassten chirurgischen Operation. Dieses molekulare Staging - die Ausdehnung eines malignen Tumors - ist es nun, die einerseits die Auswahl der auf den Einzelfall bezogenen chirurgischen Strategie liefern könnte und die andererseits zukünftig Ansätze für neue medikamentöse Behandlungen eröffnet.

Der Kongress "Molecuar Staging of Cancer" vom 6. bis 8. Dezember 2001 im Klinikum der Universität München ist der erste Versuch, ein internationales Forum zu schaffen, auf dem Grundlagenwissenschaftler aus den Bereichen Molekularbiologie, Zellbiologie und Tumorimmunologie mit klinisch tätigen Wissenschaftlern aus den Bereichen Tumorchirurgie und Onkologie an einer schnelleren Umsetzung von grundlegenden Erkenntnissen arbeiten, die in erfolgversprechende klinische Konzepte münden. Auf dem Kongress stehen zum übergeordneten Thema "Molecular Staging of Cancer" unterschiedliche Arbeitsgruppen an, so zum Beispiel molekulare ’Werkzeuge’ der Tumorzellen, die den Gewebeverband verlassen und metastasieren können, der Nachweis früherer Absiedlungen von einzelnen Tumorzellen im gesamten Körper bei soliden Krebserkrankungen oder neue Methoden, die bereits in ersten klinischen Versuchen umgesetzt wurden, wie die Immuntherapie von Tumoren mit bispezifischen Antikörpern, gentherapeutische Ansätze und Proteaseinhibitoren.

Der Kongress wurde mit Unterstützung der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Onkologie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und der Internationalen Metastasis research society organisiert. Die Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ermöglichtes, hochrangige internationale Experten einzuladen, so ist wohl ein Highlight des Kongresses der Gastvortrag von Professor Garth L. Nicholson, der international bekannteste Forscher auf dem Gebiet der Zellmembranbiologie und molekularen Medizin. Von ihm wurde das weltweit akzeptierte "Fluid Mosaic Model" der Zellmembran beschrieben, das Basis für vielfältigste Forschungsrichtungen ist.

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://idw-online.de/public/www.mscancer.org

Weitere Berichte zu: Krebserkrankung Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie