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Prof. Brockmeyer zum Aidstag: Neue Waffen im Kampf gegen HIV

30.11.2001


Die Entwicklung neuer Impfstoffe gegen HIV weckt Hoffnungen. Dennoch dürfen Medikamente und vor allem Aufklärungskampagnen als wirkungsvollste Waffe im Kampf gegen Aids nicht vernachlässigt werden, appelliert Prof. Dr. Norbert Brockmeyer (Dermatologische Klinik im St. Josef Hospital, Klinikum der RUB) zum Weltaidstag am 1. Dezember.

 Er plädiert außerdem für eine stärkere Förderung der deutschen Aids-Forschung: "Deutsche Forscher haben in der Entwicklung von AIDS-Impfstoffen sowohl als Schutzimpfung als auch zur therapeutische Impfung bei Infizierten international einen wichtigen Platz. Doch diese Rolle kann leichtfertig verspielt werden, wenn die Forschung nicht stärker gefördert wird", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Aids-Gesellschaft.

Ausweg aus der Katastrophe

Eurovac heißt das Projekt, an dem renommierte deutsche Wissenschaftler wie Prof. Dr. Hans Wolf (Uni Regensburg) mitarbeiten. Die vorklinischen Arbeiten an rund einem Dutzend Impfstoffen sind bereits erfolgreich abgeschlossen. Die Finanzierung der klinischen Versuche sei jedoch noch nicht gesichert, so Brockmeyer. Dennoch ist er zuversichtlich, dass in etwa einem Jahr die ersten Studien mit Freiwilligen aus der Hochrisikogruppe beginnen können. Impfstoffe könnten ein Ausweg aus der sich besonders in Osteuropa abzeichnenden Katastrophe sein. Dort hat ist die Zahl der HIV-Infizierten in den letzten zwei Jahren von 300.000 auf eine Million gestiegen. Er dämpft jedoch allzu große Hoffnungen: Erst in weiteren Jahren könne man überhaupt etwas über die Wirksamkeit der Impfstoffe aussagen.

Kompetenznetzwerk verbessert die Forschung

Neue Förderungsmaßnahmen des BMBF - und vor allem der EU - haben in ausgewählten Fällen Tierexperimente an Primaten ermöglicht. Zur Überprüfung von neuen Entwicklungsansätzen sind sie unverzichtbar. Dadurch ist nach internationalen Kriterien auch die Auswahl von Impfstoffkandidaten für die bevorstehende Prüfung an Menschen möglich. Parallel dazu hat die EU die Einführung einheitlicher Testverfahren eingeleitet. Ein soeben in Deutschland bewilligtes und vom BMBF gefördertes Kompetenznetzwerk HIV/AIDS greift dies auf und bezieht insbesondere die klinische Forschung ein. Epidemiologische Studien, eine bessere klinische Forschung und eine Steuerung der Zusammenarbeit von Grundlangen- und klinischer Forschung sind Voraussetzung für die Teilnahme an international ausgelegten Studien, für die auch die EU Mittel bereitstellen will. Brockmeyer wertet das Kompetenznetzwerk, dessen Sprecher er ist, als entscheidenden Erfolg für die deutsche HIV/AIDS-Forschung. Es könne jedoch erst der Anfang einer notwendigen Forschungsförderung sein.

Entwicklungsländer fördern

Darüber hinaus entsteht für die Impfstoff-Prototypen eine völlig neue, mit mehreren 100 Millionen Euro ausgestattete Plattform, die Entwicklungsländer fördern soll. Sie sollen Impfstoffe ihrer Wahl zügig prüfen und bei absehbarem Erfolg auch Zugang zu diesen Impfstoffen erhalten können. Das heißt, dass u. a. mit der WHO und der Weltbank finanzielle Modelle für die Versorgung speziell von Entwicklungsländern ausgearbeitet werden.

Andere Länder engagieren sich mehr

Die internationale Impfstoff-Konferenz "AIDS Vaccine 2001" (September 2001, Philadelphia, USA) hat jedoch gezeigt, dass andere Länder sich bei der Impfstoff-Entwicklung erheblich stärker engagieren. Dort sind viele experimentelle HIV-Impfstoffe in der vorklinischen oder klinischen Forschung. Darunter der Impfstoff AIDSVAX von VaxGen, der derzeit in einer großen Studie in Europa, den USA und Thailand an 8.000 Freiwilligen getestet wird. Erste Ergebnisse der auf zwei Jahre angelegten Studie wurden noch für dieses Jahr angekündigt.

Aufklärungskampagnen fortführen

Brockmeyer appelliert, das derzeit erfolgreichste Instrument der AIDS-Vorbeugung auf keinen Fall zu vernachlässigen: Aufklärungkampagnen. Er begrüßte z. B. die Kampagne "mach’s mit (Kondom)" der Kölner Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Er warnte davor, AIDS auf die leichte Schulter zu nehmen oder als Krankheit abzutun, die vor allem in Afrika anzutreffen sei. Die Anzeichen mehrten sich, dass AIDS aus Osteuropa, vor allem über Prostitution und Reisen, wieder nach Deutschland zurückkommen könne. Ein Hinweis darauf sei die besorgniserregende Zunahme von Geschlechtskrankheiten in deutschen Großstädten. Bei der derzeitigen Euphorie über Impfstoffe mahnte der Bochumer Forscher, die Entwicklung von wirksamen AIDS-Medikamenten nicht weiter zu vernachlässigen. "Auch in diesem Bereich braucht es mehr Forschungsgelder."

Kostendruck behindert Behandlung und Forschung

Heutige Medikamente sind oft nicht ausreichend wirksam, und haben häufig auch noch erhebliche Nebenwirkungen. Die AIDS-Forscher stehen häufig vor dem Problem, Medikamente nicht bestimmungsgemäß, also außerhalb des zugelassenen Verwendungszwecks, anzuwenden (off label use), um zumindest die Nebenwirkungen abzumildern. "Doch bei dem Kostendruck im Gesundheitswesen nutzen Krankenkassen dieses Dilemma immer öfter aus, um die Bezahlung von Therapien zu behindern", so Brockmeyer. "Das ist ein unerträglicher Zustand. Die ohnehin schwierige Behandlung, aber auch die dringend notwendige Forschung wird dadurch zusätzlich erschwert."

Dieses Jahr 40 Millionen HIV-Infizierte

Nach Angaben der Vereinten Nationen (UNAIDS) waren im Jahr 2001 etwa 40 Millionen Menschen weltweit mit dem HI-Virus infiziert. Auf der südlichen Hälfte des afrikanischen Kontinents leben nach Angaben von UNAIDS beinahe 70 % aller HIV-Infizierten. 4,0 Millionen Menschen haben sich dort im letzten Jahr mit dem HI-Virus neu infiziert.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer, Vorsitzender der Deutschen AIDS-Gesellschaft, Klinik für Dermatologie und Allergologie im St. Josef Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, 44791 Bochum, Gudrunstr. 56, Tel. 0234/509-3471, Fax: 0234/509-3472, E-Mail: n.brockmeyer@derma.de

Dr. Josef König | idw

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