Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was verstellt die Zeiger der biologischen Uhren?

29.11.2001


Wie Verschlusskappen sitzen an den Enden der Chromosomen die Telomere, die die Stränge der Erbsubstanz stabilisieren. In den meisten Zellen des menschlichen Körpers werden sie nach jeder Teilung etwas kürzer und geben dadurch wie "biologische Uhren" deren Lebenszeit vor. DNA-schädigende Substanzen können diese Schutzvorrichtungen umgehen oder attackieren; die Lebensspanne der Zellen wird dann wahrscheinlich stark begrenzt. In einem DFG-geförderten Projekt wird Erich Gebhart, Professor für Experimentelle Zytogenetik und Tumorgenetik an der Universität Erlangen-Nürnberg, das Wechselspiel von Telomeren und schädlichen Agenzien in verschiedenen Kombinationen unter genaue Beobachtung stellen.

Die Botschaft liest sich nicht einmal für Genetiker sonderlich spannend: "TTAGGG" steht da, wieder und immer wieder. Einige tausend Male wiederholt sich die Abfolge der Basen Thymin, Adenin und Guanin bei den menschlichen Telomeren, deren Name, aus dem Griechischen übertragen, einfach "Endstück" bedeutet. Wenn bei der Zellteilung und -vermehrung das gesamte Erbgut verdoppelt wird, verliert die Kette der Stabilisatoren ein wenig an Länge, weil die "Kopierer" nicht am äußersten Ende eines Chromosoms ansetzen können. Von Tochterzelle zu Tochterzelle werden die Telomere so etwas kürzer. Dies gilt für fast alle Zellen des Menschen und vieler anderer Organismen, doch beispielsweise nicht für Einzeller und für menschliche Keimzellen: sie können verlorengegangene Sequenzen mit Hilfe eines Enzyms, der Telomerase, wieder anbauen.

Unterschreitet die Länge der Telomere einen kritischen Wert, wird normalerweise der Prozess des natürlichen Zelltods, die Apoptose, eingeleitet. Es kann jedoch auch zu einer Entartung kommen: die Zellen werden praktisch "unsterblich", sie teilen sich unkontrolliert weiter und bilden bösartige Tumoren.

Chemische Substanzen, welche die DNA angreifen - sogenannte Mutagene - können hier und bei anderen schädlichen Veränderungen der Erbanlagen zu den Ursachen zählen. Über die Rolle der Telomere in solchen Prozessen ist noch sehr wenig bekannt. Die Untersuchungen am Erlanger Institut für Humangenetik (Direktor: Prof. Dr. André Reis) sollen zur Klärung beitragen. Dazu werden Färbeverfahren eingesetzt, die durch Mutagene bewirkte Umlagerungen der Telomer-DNA zeigen und die Länge dieser Sequenzen quantitativ erfassen können. Verschiedene Typen und verschiedene Altersstufen von Zellen werden untersucht, wobei Chemikalien mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen eingesetzt werden. In einigen Experimenten wird das Enzym Telomerase aktiviert, das die schützenden Chromosomenenden verlängert.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat die Beschäftigung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters für drei Jahre ermöglicht und rund 163.000 Mark für Sachmittel bewilligt.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Erich Gebhart, Institut für Humangenetik
Tel.: 09131/85 -22351, E-Mail: egebhart@humgenet.uni-erlangen.de

Gertraud Pickel | idw

Weitere Berichte zu: Mutagen Telomer Telomerase

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Antibiotikaresistenzen durch Nanopartikel überwinden?
15.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik