Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehrlingsschwangerschaften

26.11.2001


Bei einer künstlichen Befruchtung entstehen häufiger Zwillinge und Drillinge als auf dem normalen Weg zur Schwangerschaft. Die Gründe liegen in der Art der Behandlung. Die Fortpflanzungsmediziner versuchen nämlich, möglichst schnell und ohne größere Strapazen für die Frauen eine Schwangerschaft herbeizuführen. Jüngste Forschungen zeigen, dass mit neuen gentechnologisch erzeugten Hormonen die Überstimulation der Follikelentwicklung besser in den Griff zu bekommen ist.

Zugleich werden bei einer In-vitro-Fertilisation (IVF) von Frauen unter 35 Jahren nach Möglichkeit nur noch zwei statt der drei gesetzlich erlaubten Embryonen eingesetzt, so Professor Dr. Jürgen Kleinstein, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie, auf dem Jahrestreffen der Deutschen IVF-Zentren. Die Entwicklung von Drillingen mit einem sehr hohen Geburtsrisiko ist dann nahezu ausgeschlossen.

Die Risiken einer Drillingsschwangerschaft liegen sowohl bei der werdenden Mutter als auch beim Ungeborenen, berichtete Professor Joachim Dudenhausen, Direktor der Universitätsklinik für Geburtsmedizin an der Berliner Charité. In 20 Prozent der Fälle führen Drillingsschwangerschaften zu einer lebensbedrohlichen Präeklampsie (Kombination von hohem Blutdruck, Eiweissausscheidungen im Urin und Ödemen) und ebenso oft zu starken Blutungen. Mehrlinge, die das Licht der Welt erblicken, leiden häufiger unter Störungen kognitiver Funktionen. Bei Vierlingen ist mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass eines der Kinder eine neurologische Störung aufweist.

In einer längeren Kultivierung der befruchteten Eizellen sehen die Fortpflanzungsmediziner eine bislang noch ungenutzte Chance, die Schwangerschaftsrate pro Behandlungszyklus zu steigern und damit letztlich auch die Zahl der riskanten Mehrlingsschwangerschaften zu senken. Die Idee ist, die im Labor befruchteten Eizellen erst am fünften Tag statt wie bisher am zweiten Tag in die Gebärmutter einzusetzen. Der dann weiter entwickelte Embryo würde ebenso zur Schwangerschaft führen, wie der derzeit übliche Transfer von drei befruchteten Eizellen, so Dr. Marianne Moser von der Landesfrauenklinik Linz. Allerdings ist diese Methode nach dem 1990 in Deutschland beschlossenem Embryonenschutzgesetz verboten.

Über mikrochirurgische Eingriffe zur Verbesserung des Behandlungserfolgs einer In-vitro-Fertilisation berichtete Professor Jürgen Kleinstein, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie auf der Tagung. Seit den 70er Jahren werden Operationen an Eileitern und Eierstock wegen der Verletzlichkeit des Gewebes in Fachkreisen oftmals skeptisch beurteilt. Ist ein Eileiter unpassierbar und die Gebärmutter funktionsfähig wird meist allein die IVF angewendet. In manchen Fällen führt das jedoch nicht zum erhofften Erfolg. Unklar ist bislang, unter welchen Voraussetzungen die Eingriffe im Vorfeld einer künstlichen Befruchtung den Erfolg einer Kinderwunschbehandlung erhöhen.
In einer prospektiven und randomisierten Studie konnten die Reproduktionsmediziner des Magdeburger Uniklinikums jedoch zeigen, dass bei einer sicheren Diagnose von Hydrosalpingen (starke Entzündungen und Schwellungen der Tubenwand) mit beidseitiger Eileitersterilität eine mikrochirurgische Operation den Schwangerschaftserfolg nachweislich erhöhen kann.

Kornelia Suske | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie