Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer ultraschallbasierter Schrittmacher soll zukünftig temporär den Herzschlag von aussen regulieren

22.11.2001


Ein Forschungsprojekt zur Entwicklung eines neuen Ultraschall-Herzschrittmachers gewinnt den diesjährigen "Innovationswettbewerb zur Förderung der Medizintechnik" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Projektleiter Dr. med. Michael Niehaus, wissenschaftlicher Assistent in der Abteilung für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover, wurde heute auf der Medica 2001 in Düsseldorf mit dem "Innovationspreis Medizintechnik 2001" ausgezeichnet. Der Wissenschaftler erhält damit rund 500.000 DM zur Entwicklung eines nicht-invasiven Verfahrens für kardiale Diagnostik und Therapie bei Patienten mit Bradykardien.

Bei einer Bradykardie, einem krankhaft verlangsamten Herzschlag, wird das Herz durch die Stimulation mit Gleichstromimpulsen wieder in einen normalen Rhythmus gebracht.

Dies geschieht durch die Implantation eines permanenten elektrischen Herzstimulators. Dabei wird eine Elektrode, die die Stromimpulse an das Herz leitet, sowie ein Schrittmacheraggregat implantiert.

Bei sehr plötzlich auftretenden bradykarden Herzrhythmusstörungen, nach Herzoperationen oder bei Herzkathetereingriffen kann eine zumindest zeitweise Stimulation des Herzens erforderlich sein. Hier wurde bisher eine Elektrode in das Herz eingeführt, um wieder einen normalen Rhythmus zu gewährleisten. Insbesondere bei einer notfallmässigen Behandlung birgt diese Variante Risiken, da sie zeitaufwendig ist.

Mit der Entwicklung des neuen Herzschrittmachers kann das Herz ohne Belastung für den Patienten mittels Ultraschall stimuliert werden. Hierbei soll der Ultraschallimpuls von aussen auf die Herzwand fokussiert und damit eine Herzstimulation bewirkt werden.

Besonders für den Notfall, bei temporären oder plötzlich auftretenden Bradykardien ist dieser Schrittmacher sinnvoll ebenso wie bei der Diagnostik von Herzrhythmusstörungen, der sogenannten elektrophysiologischen Untersuchung, bei der durch gezielte Stimulation die Art der Rhythmusstörung ermittelt wird. Für die permanente Behandlung von bradykarden Herzrhythmusstörungen ist nach wie vor die implantierbare Lösung notwendig.

Die technische Realisation des voraussichtlich 2,5 Jahre dauernden Entwicklungsprojektes und die erforderlichen Tests werden in Zusammenarbeit mit dem Bakken Research Center der Firma Medtronic durchgeführt.

Nach erfolgreicher Testphase wird Medtronic eine Kleinserie von Prototypen produzieren, die in einer zunächst tierexperimentellen Studie getestet werden. Darüber hinaus hat das Unternehmen die Weiterentwicklung und Vermarktung des Gerätes bis zur Marktreife in Aussicht gestellt.

"Dieser innovative Herzschrittmacher wird uns neue Perspektiven in der Therapie von Herzrhythmusstörungen eröffnen. Er wird den Patienten entlasten, da keine Elektroden in das Herz eingeführt werden müssen und vor allem im Notfall eine sofortige Behandlung möglich ist. In einigen Jahren könnte dieser Ultraschallstimulator in jedem Notarztwagen vorhanden sein und insgesamt die Behandlungsmöglichkeiten von Herzrhythmusstörungen erheblich erweitern.", erwartet Dr. Michael Niehaus.

Projektverantwortlicher am Bakken Research Center ist Dr. Olaf Eick. Er soll die technische Realisierung vorantreiben. "Sogar ungeborenes Leben kann von dieser neuen Behandlungsmethode profitieren, da erstmals eine pränatale Stimulation von Föten mit Bradykardie möglich wird", so Dr. Eick.

Der "Innovationswettbewerb zur Förderung der Medizintechnik" wird jährlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschrieben und richtet sich an Forschungseinrichtungen der Universitäten, Kliniken und Industrie. Ziel ist es, die Lösung wichtiger medizinischer Probleme voranzutreiben. Die eingereichten Arbeiten müssen anhand eines Schlüsselexperiments die Realisierbarkeit des neuen Verfahrens oder der neuen Technik für die medizinische Versorgung nachweisen. Nach maximal drei Jahren soll die Prüfung der Idee abgeschlossen sein und die weitere Entwicklung und Vermarktung durch die Industrie erfolgen. Eine international besetzte Jury wählt den Gewinner des hochdotierten Innovationspreises aus.

Medtronic Inc., mit Hauptsitz in Minneapolis, USA, ist das weltweit führende Unternehmen für Medizintechnologie, das Menschen mit chronischen Krankheiten lebenslange Therapielösungen bietet. Jährlich gibt das Unternehmen zehn Prozent des Jahresumsatzes für Forschung und Entwicklung aus. In den letzten fünf Jahren hat Medtronic über 3 Milliarden DM investiert und eine Vielzahl neuer Produkte entwickelt. Das Bakken Research Center wurde 1987 gegründet und ist die europäische Forschungseinrichtung von Medtronic. Unter der Leitung von Dr. Fred Lindemans sind 200 Mitarbeiter mit der Entwicklung neuer medizintechnischer Produkte und der Durchführung klinischer Studien betraut.

| ots
Weitere Informationen:
http://www.medtronic.de

Weitere Berichte zu: Elektrode Herzrhythmusstörung Herzschlag Medizintechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neues Hydrogel verbessert die Wundheilung
25.04.2017 | Universität Leipzig

nachricht Konfetti im Gehirn: Steuerung wichtiger Immunzellen bei Hirnkrankheiten geklärt
24.04.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen