Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuropsychologische Defizite nach Bypass-Operationen

22.11.2001


Bis zu einem Viertel der Patienten, die sich einer Bypass-Operation, leidet nach sechs Monaten noch unter operationsbedingten neuropsychologischen Defiziten. "Wenn Patienten bereits vor dem Eingriff solche Störungen haben, wären sie daher - falls dieses möglich ist - eher Kandidaten für eine Stent-Implantation als für eine Bypass-Operation", betonen Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in der Fachzeitschrift InFo Neurologie&Psychiatrie.

Rund 75000 Patienten unterziehen sich in Deutschland jährlich einer Bypass-Operation, weil ihre Herzkranzgefäße verengt oder verstopft sind. Bessere Operations- und Narkoseverfahren konnten in der Vergangenheit die Risiken dieses Eingriffs deutlich reduzieren. Darum rückt mittlerweile eine andere Komplikation stärker in den Vordergrund: kognitive Einschränkungen.

Der Grund sind wahrscheinlich Mikroembolien, die beim Abklemmen der Hauptschlagader während des Eingriffes auftreten können, sowie kleine Gasembolien durch die so genannten Shuntsysteme. Ebenso dürfte eine Rolle spielen, dass Chirurgen solche Eingriffe zunehmend auch bei älteren Patienten wagen. Bislang gingen die Ärzte jedoch davon aus, dass sich diese Störungen im Laufe der Zeit in den meisten Fällen wieder bessern.

Nun haben US-Forscher vom Duke University Medical Center in Durham bei 261 Patienten erstmals mit verschiedenen Tests vor und nach dem Eingriff untersucht, wie lange diese Einschränkungen nach einer Bypass-Operation tatsächlich bestehen bleiben. Resultat: Mehr als die Hälfte, 53 Prozent der Patienten, litten zum Zeitpunkt ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus unter derartigen Störungen. Nach sechs Wochen waren noch 36 Prozent, nach sechs Monaten noch 24 Prozent betroffen. Bei einer weiteren Untersuchung nach fünf Jahren litten sogar 42 Prozent unter neuropsychologischen Defiziten. Für diesen erneuten Anstieg machen die Forscher drei Risikofaktoren verantwortlich: das höhere Alter der Patienten, einen geringeren Bildungsgrad sowie den Nachweis solcher Störungen zum Zeitpunkt der Klinikentlassung.

"Diese Langzeitstudie belegt eindrucksvoll", kommentieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, "dass es bei einem hohen Prozentsatz von Patienten zu neuropsychologischen Defiziten kommt, die nur zu einem Teil reversibel sind." Darum empfehlen die Neurologen, dass Patienten, die bereits vor einer Operation unter solchen Störungen leiden, eher Kandidaten für eine Stent-Implantation als für eine Bypass-Operation seien, wenn diese Wahlmöglichkeit besteht.

Quelle:
InFo Neurologie&Psychiatrie, Heft 5, Bd. 3 S. 382

Newman MF et al.: Longitudinal assessment of neurocognitive function after coronary-artery bypass surgery. NEJM 2001;344:395-402

Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
Pressestelle:
Barbara Ritzert, ProScientia GmbH, Andechser Weg 17; 82343 Pöcking
Tel.: (08157) 93 97-0, Fax: (08157) 93 97-97 E-Mail: ritzert@proscientia.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics