Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genitale Chlamydien sind weniger gefährlich als angenommen

02.06.2006


Eine genitale Chlamydieninfektion kann bei jungen Frauen schwerwiegende Folgen haben wie eine Eileiterschwangerschaft oder Unfruchtbarkeit. Daher wird vielerorts für aufwendige Tests geworben. Eine Berner Studie hat nun Erfreuliches herausgefunden: Ernsthafte Komplikationen treten seltener auf als befürchtet. Damit stellt sich aber bei den teuren Chlamydientests die Kosten-Nutzen-Frage.



Gute Neuigkeiten von einem internationalen Forscherteam, das von Dr. Nicola Low vom Institut für Präventiv- und Sozialmedizin der Universität Bern geleitet wird: Die Gefahr für junge Frauen, bei einer genitalen Chlamydieninfektion eine Eileiterschwangerschaft zu erleiden, beträgt nur 2.7%, und das Risiko der Unfruchtbarkeit liegt bei 6.7%.



Patientinnen brauchen also schwerwiegende Folgen bei einer Ansteckung mit dieser weit verbreiteten sexuell übertragbaren Bakterieninfektion nicht mehr so stark zu fürchten. Die Zahlen stammen aus einer langjährigen Kohortenstudie, in der im schwedischen Uppsala 44’000 Frauen zwischen 15 und 24 Jahren von 1985 bis 1989 auf Chlamydien getestet wurden. Die gynäkologische Gesundheit dieser Frauen wurde bis 1999 auf eventuelle Folgen einer früheren Chlamydieninfektion untersucht. Das Team um Nicola Low fand auf Grund eines Datenvergleichs heraus, dass eine frühere Chlamydieninfektion das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen oder ungewollte Kinderlosigkeit zwar erhöhte, dass diese tatsächlich aber weniger häufig auftraten, als dies frühere Studien suggerierten. Neuere Studien zeigen zudem, dass bei rund der Hälfte der Patientinnen, bei denen sich keine Symptome zeigen, die Infektion innerhalb eines Jahres von alleine abklingt, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen.

Einerseits können die Forscherinnen und Forscher also Entwarnung geben: Die Gefahr, dass bei einer Chlamydieninfektion schwerwiegende Folgen auftreten, ist weniger hoch als bisher angenommen, und in vielen Fällen heilt die Infektion von alleine ab. Das heisst aber auch, dass wohl der Nutzen von regelmässigen Chlamydientests überschätzt wird. Eine frische Chlamydieninfektion kann mittels verschiedener, aber teurer Testverfahren ermittelt werden. Eine davon ist der Nachweis der Bakterien durch Anzucht in speziellen Zellkulturen. "Eine niedere Rate von Chlamydien-Komplikationen ist eine erfreuliche Nachricht für die einzelne Patientin, aber damit stellt sich auch die Frage nach den Kosten und dem Wert heutiger Testverfahren", stellt Nicola Low fest. Es brauche eine neue realistische Einschätzung der Art und Häufigkeit von Chlamydien-Tests.

Chlamydien sind Bakterien, die beim Menschen Erkrankungen der Schleimhäute im Augen-, Atemwegs- und Genitalbereich auslösen können mit teilweise schwerwiegenden Folgen wie Erblindung oder Unfruchtbarkeit. So sind Chlamydien die häufigste Ursache für vermeidbare Erblindung in Entwicklungsländern und gehören zu den weltweit häufigsten Verursachern von sexuell übertragenen Erkrankungen. Im Genitalbereich verlaufen diese oft symptomarm oder treten gar ohne jegliche Symptome auf (in fast 80 Prozent aller Fälle). Entsprechend wird die Infektion nicht oder nur zufällig bemerkt. Die akuten Infektionen sind gut mit Antibiotika zu therapieren, können aber bei Nichtentdecken chronisch werden: Die Erreger können sich unbemerkt im Körper verstecken, erst nach Monaten oder Jahren bemerkt man die Folgen ? zum Beispiel chronische Entzündungen der Harnröhre, Gebärmutter oder Eileiter. Damit drohen Eileiterverschluss und dadurch ungewollte Kinderlosigkeit.

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.kommunikation.unibe.ch/medien/mitteilungen/news/2006/chlamydien.html
http://www.unibe.ch/

Weitere Berichte zu: Chlamydien Chlamydieninfektion Erblindung Infektion Unfruchtbarkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie